„Die AfD ist eine Partei der schlechten Laune. Schlechte Laune ist kein Programm, auf das man die Lösung der Probleme unseres Landes gründen kann“, kommentierte Olaf Scholz (SPD) einst das Erstarken der AfD. Zehn Jahre ist das her, damals war der spätere Kanzler Scholz noch Erster Bürgermeister in Hamburg. Von Übellaunigkeit kann bei Ulrich Siegmund jedoch keine Rede sein. Im Gegenteil: „Unser Uli“, wie seine Parteifreunde den AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nennen, ist bester Stimmung.Seine Partei liegt in Wahlumfragen weit vor der CDU, die bislang mit SPD und FDP regiert. „Wir geben den Ton an“, frohlockte Siegmund am Samstag auf dem AfD-Landesparteitag in Magdeburg. Am 6. September will er „Geschichte schreiben“: Der 35 Jahre junge Ko-Fraktionsvorsitzende möchte Sachsen-Anhalt regieren und damit der erste AfD-Ministerpräsident werden.Siegmund stammt aus Havelberg in Sachsen-Anhalt, ist verheiratet und gelernter Kaufmann, mit Bachelorabschluss in Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaftslehre. Mit Mitte zwanzig gründete er zusammen mit einem Partner „Berlin Duftet“, eine Firma, die Raumdüfte als Marketinginstrument anbietet. Nun hüllt Siegmund Sachsen-Anhalt in die Wolke, er bringe als Ministerpräsident „unser schönes sicheres Deutschland zurück“.Wer steckt hinter der Fassade des Strahlemanns?Siegmund geht auf die Menschen zu. Händeschütteln, Schulterklopfen, Umarmung, gemeinsames Selfie – natürlich gehört das im Wahlkampf zum Standardprogramm. Der AfD-Spitzenkandidat kann das ganz besonders gut. Seine Anhänger feierten ihn wie einen Popstar, sagt ein Parteifreund aus dem Wahlkampfteam. Siegmund gehört auf Social Media zu den Politikern mit der größten Reichweite. In seinem neuen Video aus der Serie „Anpacken statt nur zuschauen“ hilft er beim Malern, Bohren und Sägen. „Danke für den Einblick in den Job, mein Schöner“, schmeichelt er einem Handwerker.Aber wer steckt hinter der Fassade des Strahlemanns? Als Siegmund einmal gefragt wurde, ob die nationalsozialistische Vergangenheit das schlimmste Verbrechen der Menschheit gewesen sei, sagte er in einem Podcast des Magazins Politico: „Das maße ich mir nicht an zu bewerten.“Laut und aggressiv äußert er sich hingegen über die CDU. Als junger Erwachsener war er selbst dort Mitglied, bevor er 2014 zur AfD wechselte. In Magdeburg warf er den Christdemokraten in Sachsen-Anhalt „Ehrlosigkeit“ und „Lüge als Markenkern“ vor. Ministerpräsident Schulze lüge wissentlich, wenn er eine Zusammenarbeit mit der Linken nach der Landtagswahl ausschließe, heizte Siegmund die Stimmung auf dem Parteitag an. Am kommenden Samstag startet er offiziell in den Wahlkampf, gemeinsam mit der Ko-Vorsitzenden im Bund, Alice Weidel. Die Veranstaltung in den Magdeburger Messehallen ist ausgebucht.