Berlin. Ulrich Siegmund wird im Wahlkampf vielerorts wie ein Popstar empfangen. Nach seinen Auftritten bilden sich lange Schlangen für Selfies und Autogramme, ganze Familien lassen sich mit dem AfD-Spitzenkandidaten fotografieren. Die Partei führt einen stark auf Person und Stimmung ausgerichteten Wahlkampf.Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte die politische Landschaft des Bundeslandes grundlegend verändern. Wenige Wochen vor der Landtagswahl hat die AfD gute Aussichten, erstmals stärkste Partei in Sachsen-Anhalt zu werden.In den Sonntagsfragen verschiedener Meinungsforschungsinstitute liegt sie stabil bei um die 41 Prozent und behauptet damit ihren deutlichen Vorsprung zur CDU. Ihr Landtagswahlergebnis von vor fünf Jahren (20,8 Prozent) hätte die AfD damit nahezu verdoppelt. Die Partei wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.Wie konnte die AfD trotzdem innerhalb weniger Jahre zu einer Machtoption werden? Die folgenden Grafiken zeigen, welche politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu ihrem Aufstieg beigetragen haben.Steiler Aufstieg seit 2021Der Bochumer Politikwissenschaftler Oliver Lembcke erklärt den Höhenflug der AfD damit, dass „die etablierten Parteien der AfD über Jahre politische Gelegenheitsstrukturen eröffnet“ hätten. Dazu gehörten eine „wachsende Repräsentationslücke“ und „strategische Fehlentscheidungen“, etwa beim Übergang von CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff zu Sven Schulze, sagte er dem Handelsblatt.Die AfD habe diese Chancen „konsequent genutzt“. Hinzu komme „ihre eigene strategische Leistung“. Der AfD sei es gelungen, sich als „Resonanzraum für Sorgen und Zukunftsängste“ zu etablieren. Sie profitiere von dem verbreiteten Eindruck, „dass die etablierten Parteien zentrale Probleme nicht mehr ausreichend lösen“, und davon, „dass ihr inzwischen tatsächliche Gestaltungskompetenz zugetraut wird“.Landesregierung im UmfragetiefDie Landesregierung aus CDU, SPD und FDP verliert spürbar an Rückhalt. Der Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest Dimap zeigt, dass die Unzufriedenheit mit ihrer Arbeit weiter zunimmt. Besonders deutlich fällt die Kritik unter Anhängern der AfD aus. Doch auch in der Wählerschaft der CDU wächst die Skepsis gegenüber der eigenen Landesregierung.AfD-Spitzenkandidat Siegmund mit Bestwert bei ZufriedenheitUlrich Siegmund erreicht im Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest Dimap den höchsten Zufriedenheitswert unter den Spitzenkandidaten und hat sich gegenüber September 2025 deutlich verbessert. Auch Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze legt zu, bleibt jedoch hinter Siegmund zurück. Bei der Bekanntheit liegen beide Politiker inzwischen nahezu gleichauf.Der Vorsprung für den AfD-Kandidaten kommt für den Politikberater Johannes Hillje nicht überraschend. „Siegmund ist ein Glücksfall für die AfD“, sagte er dem Handelsblatt. Er vertrete die radikale Agenda der AfD, ohne radikal aufzutreten. „Siegmund ist ein Feelgood-Rechtspopulist, der die Radikalität seiner Partei in betont gute Laune, Enthusiasmus und Nahbarkeit hüllt.“Tatsächlich setzt Siegmund im Wahlkampf stark auf persönliche Begegnungen, nimmt sich Zeit für Fotos und Autogramme und inszeniert sich als nahbarer Kandidat. Er sei „der perfekte Kandidat für die AfD, um die Partei in Richtung bürgerliche Mitte anschlussfähig zu machen“, sagte Hillje.Zum Vergleich: Vor der Landtagswahl 2021 erreichte der damalige CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff einen Zufriedenheitswert von 67 Prozent. Der damalige AfD-Spitzenkandidat Oliver Kirchner kam dagegen auf 13 Prozent.Siegmund dominiert die sozialen MedienDie AfD setzt im Landtagswahlkampf stark auf die sozialen Medien. Das verschafft ihr eine deutlich größere Reichweite als der politischen Konkurrenz. Während Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann auf Instagram, Tiktok, Facebook und X jeweils nur einige Tausend Follower erreichen, verfügt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf allen Plattformen über eine um ein Vielfaches größere Reichweite. Seine Kanäle werden nahezu täglich mit professionell produzierten Wahlkampfvideos bespielt.Hillje sagte, Schulze gegen Siegmund sei „ein Duell der Ungleichen“. „Bei Siegmund ist jeder Termin auf die Verwertbarkeit im Digitalen ausgerichtet, während bei Schulze Social Media eher ein Nebenprodukt ist.“
Landtagswahl: Wie die AfD in Sachsen-Anhalt zur Machtoption wurde
Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und die AfD liegen kurz vor der entscheidenden Wahl bei mehr als 40 Prozent in den Umfragen. Der Erfolg ist kein Zufall, wie diese Grafiken zeigen.











