Vielleicht war es nur ein verzweifelter Versuch dem Ministerpräsidenten-Kollegen aus Sachsen-Anhalt zu helfen. Für Sven Schulze stehen schließlich die Umfragen für die Landtagswahl nicht besonders gut. Mario Voigt in Thüringen und Michael Kretschmer in Sachsen haben beide zuhause keine Mehrheit im Landtag und wollten ihrem CDU-Parteifreund Schulze womöglich das gleiche Leid ersparen.

Anders ist es schwer zu erklären, warum sich die drei ostdeutschen CDU-Männer gegen den mühsam ausgehandelten Kompromiss zur Rentenreform im Bund stellen. Zumindest gegen die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Doch die Rentenreform sei ein „Gesamtkunstwerk“, sagte SPD-Chefin Bärbel Bas vor der Sommerpause. Wer da ein Teil herausnehme, würde alles zum Einsturz bringen. Doch worum geht es genau? Und ist der Vorschlag der drei ostdeutschen CDU-Fürsten sinnvoll?

Ausgerechnet Sachsen-Anhalt braucht ältere Arbeitnehmer dringend

Heute gilt noch, dass man nach 45 Beitragsjahren mit 64,5 Jahren in Rente gehen kann. Ursprünglich – vor elf Jahren – begann das Modell mit 63, deswegen spricht man auch heute noch von der „Rente mit 63“. Die Rentenkommission argumentierte in ihrer 6. Empfehlung, dass vor allem Besserverdienende, Gesündere und Männer von der Regelung profitieren, da sie häufiger die erforderlichen 45 Beitragsjahre erreichen. Geringverdienende, Menschen mit unsteten Erwerbsbiografien und Frauen können diese Regelung meist nicht nutzen. Die Abschlagsfreiheit führt demnach zu höheren Renten und einem längeren Rentenbezug, was die gesamte Versichertengemeinschaft finanzieren muss.