Sven Schulze hat als ostdeutscher Landeschef wahrlich genug Gründe, vom Bundeskanzler und seiner Bundesregierung genervt zu sein. Der einzige Staatssekretär aus Sachsen-Anhalt – entlassen. Der Abstand zur AfD in Umfragen – weiter gigantisch, auch aufgrund der schlechten Performance der Koalition in Berlin. Die Einbindung der Länder in den Reformprozess – ausbaufähig. Das alles rechtfertigt aber bei Weitem nicht, deswegen gleich das ganze Rentenpaket der Regierung aufs Spiel zu setzen.Genau das haben Sven Schulze, Michael Kretschmer und Mario Voigt, die drei CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, aber getan.Bei einem gemeinsamen Auftritt in Braunsbedra im südlichen Sachsen-Anhalt haben sie sich gut einen Monat vor der Landtagswahl gegen die geplante Abschaffung der abschlagfreien Rente nach 45 Beitragsjahren gestellt. In die bundesweiten Nachrichten haben sie es damit geschafft. Auch im Bundesland mit der ältesten Wahlbevölkerung dürfte das gut ankommen. Doch es ist falsch und fahrlässig.Der Bundeskanzler und die Bundesarbeitsministerin haben die 33 Empfehlungen der Rentenkommission zu Recht als „Gesamtkunstwerk“ bezeichnet. Es ist ein ausdifferenziertes Tableau von Maßnahmen, um die Rente zukunftsfester zu machen.Viele haben das kaum für möglich gehalten, nachdem die Schieflage der Rente zwar seit Jahren bekannt ist, aber nicht angegangen wurde. Das Paket steht und fällt damit, dass es allen drei Parteien, primär CDU und SPD, Kompromisse abverlangt. Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ist ein wesentliches Element davon. Die SPD hat seit Jahren für das Modell gekämpft, und selbst sie lässt nun davon ab.Denn die Sozialdemokraten wissen: Schnürt man das Paket noch einmal auf, dürfte es sein Ende sein – und die Hängepartie in der Rente ginge weiter. Gerade Menschen in Ostdeutschland, die mehrheitlich nichts als ihre gesetzliche Rente haben, müssten weiter um ihre Altersabsicherung bangen. Von dem Rentenpaket würden sie langfristig mehr haben. Zumal darin Regelungen für Härtefälle auch vor dem Aufbäumen der Länderchefs vorgesehen waren.Noch dazu kommt, dass Schulze, Kretschmer und Voigt das Paket in Wahrheit gar nicht zu Fall bringen können. Denn im Bundesrat können sie es lediglich verzögern; der Bundestag kann ihr Votum überstimmen. Am Ende bleibt die Sache ein durchschaubares Wahlkampfmanöver – mit in vielerlei Hinsicht noch ungewissem Ausgang.