AnalyseLeerverkäufer wetten gegen SunriseDie Angst vor SpaceX ruft beim Telecomanbieter Short-Seller auf den Plan. Auch bei Logitech setzen sie wieder vermehrt auf einen fallenden Kurs. Am grössten ist der Anteil ausgeliehener Aktien aber weiterhin bei der Onlineapotheke DocMorris.Disruptionsängste setzen seit Anfang Mai auch dem Telecomsektor zu. Für einmal ist es nicht die Sorge, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz das Geschäftsmodell obsolet machen könnte - wie dies etwa bei Softwareunternehmen oder Plattformbetreibern der Fall ist. Im Fokus steht die Satellitentechnologie: US-Unternehmer Elon Musk will den Markt für Breitbandinternet und Mobilfunk aufmischen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Sollten Unternehmen wie SpaceX wirklich den etablierten Anbietern Konkurrenz machen können, fiele ein wichtiges Kaufargument für Telecom-Aktien weg: der tiefe Burggraben. Das Geschäft wächst zwar kaum und die Marge erodiert, in vielen Märkten - so auch in der Schweiz - profitierten die Konzerne jedoch bisher von hohen Eintrittshürden. Entsprechend kamen auch die Aktien der hiesigen Unternehmen Swisscom und Sunrise unter Druck.Short-Quote: 10,1%Nun haben auch Leerverkäufer die Aktien von Sunrise entdeckt. In der monatlichen Erhebung von The Market schafft es das Unternehmen neu unter die grössten zehn Shorts. Sie haben ihre Wetten um mehr als 80% aufgestockt. Rund 10% des gesamten Aktienkapitals waren gemäss den vorliegenden Daten von S&P Global Market Intelligence per Ende Juli ausgeliehen.Short-Seller leihen sich Aktien, verkaufen sie am Markt und hoffen, sich später günstiger mit den Titeln eindecken zu können, um sie dem Eigentümer zurückzugeben. Die Differenz aus dem Verkaufs- und dem Rückkaufkurs ist ihr Gewinn. In der Schweiz werden die Short-Positionen nicht offiziell erfasst. The Market präsentiert deshalb im Monatsrhythmus die Erhebung von S&P Global Market Intelligence. Der Datenanbieter trägt das Volumen der ausgeliehenen Aktien zusammen.The Market hält die Befürchtungen mit Blick auf den hiesigen Telecomsektor für übertrieben. Die starke Netzabdeckung in der Schweiz und die Regulierung in Europa dürften dafür sorgen, dass sich das Angebot von SpaceX weiterhin auf Nischen fokussiert. Das zeigt sich auch daran, dass sich die Sunrise-Aktien nach einem Kursrückgang unter 40 Fr. etwas erholt haben.LogitechShort-Quote: 10%Ebenfalls neu unter den grössten Short-Positionen sind die Aktien von Logitech. Der Hersteller von Computerzubehör hat vergangene Woche zwar erneut ein starkes Ergebnis vorgelegt: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27, das Ende Juni endete, wuchs der Umsatz vor allem dank des Gaminggeschäfts mit 7% schneller als erwartet. Beim Gewinn profitierte das Unternehmen stark von der Rückzahlung der US-Zölle.Gleichzeitig kämpft Logitech mit Problemen in der Lieferkette. Nach einem Zwischenfall Ende Juni 2026 musste ein Lieferant von Halbleiterkomponenten seine Produktion schliessen. Das Problem ist noch nicht gelöst und das Management schätzt, dass die negativen Auswirkungen des Vorfalls im laufenden Quartal bis zu 200 Mio. $ an Umsatz kosten werden.Das ist ein gefundenes Fressen für Leerverkäufer: Obwohl es sich nach Einschätzung der meisten Analysten und auch von The Market um ein temporäres Problem handeln dürfte, liess die Meldung die Aktien in der zweiten Wochenhälfte um fast 7% einbrechen.Logitech präsentiert sich trotz der makroökonomischen Unsicherheit und höheren Preisen für Speicherchips in hervorragender Verfassung. Die Nachfrage nach Computerzubehör scheint weniger vom reinen PC-Absatz abhängig, sondern wird zunehmend durch Ersatzzyklen, Produkt-Upgrades sowie den anhaltenden Trend zu hybriden Arbeits- und Lernmodellen getragen. Das Unternehmen wächst zudem in höherwertigen Segmenten wie Gaming, Videokollaboration und bei institutionellen Kunden. Der Kursrückgang ist aus Sicht von The Market eine Einstiegsgelegenheit.DocMorrisShort-Quote: 21,1%DocMorris hält weiterhin den Spitzenplatz der am stärksten leerverkauften Schweizer Aktien. Die Short-Quote verringerte sich im Juli weiter auf noch 21,1%. Der Kurs hat sich seit dem Tief Ende März fast verdreifacht.Nach langer Zeit steht es operativ besser um die Onlineapotheke. Der Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten (Rx) stieg im zweiten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode 46% auf 80 Mio. Fr. Positiv herausgehoben wird von Analysten vor allem, dass das Geschäft mit Neukunden im zweiten Quartal gegenüber dem ersten um starke 45% gewachsen ist. Auch im Bereich Digital Services, der insbesondere die lukrative Tochter TeleClinic umfasst, ist die Wachstumsdynamik erfreulich.Bereits im ersten Quartal gab es überdies Hinweise, dass die Gewinnschwelle vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) tatsächlich noch dieses Jahr erreicht werden könnte. Seit dem Börsengang 2017 hat das Unternehmen jedes Jahr einen hohen Verlust verzeichnet.DocMorris hat allerdings auch Wandelanleihen ausstehend. Damit gibt es ausser der Spekulation auf einen sinkenden Kurs auch einen technischen Grund, Leerverkaufspositionen in den Aktien einzugehen: Wandelanleihen enthalten neben dem Zinscoupon eine Aktienkomponente. Investoren, die diese angesichts der starken Kursausschläge neutralisieren wollen, verkaufen die Aktien leer – ohne dabei aus Überzeugung auf einen sinkenden Kurs zu setzen.KurosShort-Quote: 16,6%Auch die Kuros-Aktien halten sich nach dem sprunghaften Anstieg der Short-Position im Juni unter den grössten zehn Positionen. In den vergangenen Tagen lief es aber entgegen dem Wunsch der Short-Seller: Der Kurs ist im Juli um fast 30% gestiegen.Dazu beigetragen haben auch Analystenempfehlungen. Sowohl die Grossbank UBS als auch Bank Berenberg haben die Aktien mit einer Kaufempfehlung neu aufgenommen. UBS veranschlagt ein Kursziel von 33 Fr.Auch aus Sicht von The Market bietet Kuros einen attraktiven, wenngleich riskanten Investment Case. Mit seinem Knochenersatzprodukt hebt sich das Medizintechnikunternehmen klar von den etablierten Lösungen am Markt ab. Die Wachstumsprognosen sind ambitioniert, wirken aber nicht aus der Luft gegriffen. Sie stützen sich auf das positive Feedback von Kunden und Vertriebspartnern.Gelingt die von Analysten erwartete Marktdurchdringung, bieten die Aktien erhebliches Potenzial. Nicht nur, weil sie seit ihrem Allzeithoch im vergangenen Herbst im Zuge der allgemeinen Medtech-Schwäche mehr als 30% eingebüsst haben, sondern auch, weil Kuros mit einem weiter steigenden Umsatz von einem starken operativen Hebeleffekt profitieren dürfte: Die Fixkosten steigen deutlich langsamer als der Erlös. Das Unternehmen hat die entscheidenden Investitionen bereits getätigt.DSM-FirmenichShort-Quote: 11%Auf dem falschen Fuss erwischt worden sind die Short-Seller wohl auch bei DSM-Firmenich. Der neu auch an der Schweizer Börse kotierte Hersteller von Riechstoffen und Aromen legte vergangene Woche starke Wachstumszahlen für das erste Halbjahr 2026 vor. Die Aktien schlossen am Donnerstag 13% fester.DSM-Firmenich profitierte im zweiten Quartal insbesondere von der starken Nachfrage nach Duftstoffen (Fragrances) und steigerte den Umsatz im fortgeführten Geschäft organisch um 6% auf 4,66 Mrd. €. Auch das positive Margenmomentum soll sich laut dem Management im zweiten Halbjahr fortsetzen. Die bereinigte Betriebsgewinnmarge auf Stufe Ebitda stieg im zweiten Quartal auf 19,5, nach 19,1% im ersten.Entsprechend sehen die Wachstumsziele von 2 bis 4% für 2026 mittlerweile konservativ aus, wie CEO Dimitri de Vreeze an der Telefonkonferenz für Analysten einräumte. Das schnelle Wachstum im lukrativen Duftstoffgeschäft (+7%, Givaudan +6,5%) stützt auch die Ebitda-Marge, die im laufenden Jahr noch auf 20% steigen soll.Mit den Wachstumszahlen übertrumpft der schweizerisch-niederländische Konzern für einmal den grossen Rivalen Givaudan. Die Aktien des Branchenprimus waren in der Vorwoche nach der Vorlage der Quartalszahlen eingebrochen. DSM-Firmenich rückt nach dem Kurssprung auch mit Blick auf die Bewertung an Givaudan heran, womit die Aktien kurzfristig etwas ausgereizt wirken. Mittelfristig sind die Aussichten für beide Unternehmen gut.R&SShort-Quote: 17,1%Seit Juni unter den grössten Shorts sind die Titel von R&S, und sie belegen mit einer Short-Quote von mehr als 17% erneut einen Spitzenplatz. Im vergangenen Sommer waren die Aktien des Transformatorenherstellers eingebrochen, als das Management nach übertriebenen Erwartungen hatte zurückrudern müssen. Doch seither haben sie Boden gutgemacht, angetrieben vom Megatrend hin zu vermehrter Elektrifizierung. Die Konkurrenz schläft jedoch nicht und baut ihre Kapazitäten aus, sodass trotz starker Nachfrage nach verlässlichen Transformatoren die Preise unter Druck geraten.In den Augen der Short-Seller ist die Kursentwicklung bereits zu weit gelaufen und sie wetten auf erneute Rückschläge.Swatch GroupShort-Quote: 11,3%Bei Swatch Group ist indes keine Trendwende absehbar. Nach einem enttäuschenden ersten Halbjahr vertröstete CEO Nick Hayek erneut auf die zweite Jahreshälfte. Das Wachstum an sich lag zwar mit 2% über den Erwartungen, aber die Profitabilität blieb schwach und erwischte viele Analysten auf dem falschen Fuss: Der Betriebsgewinn auf Stufe Ebit schrumpfte um 24% auf 52 Mio. Fr., was einer Ebit-Marge von gerade noch 1,7% entspricht. Der Konzerngewinn nach Minderheiten betrug im ersten Halbjahr nur noch 9 Mio. Fr.Der Aktienkurs von Swatch Group hatte seit Januar in Erwartung einer Erholung des Geschäftsgangs um rund 27% zugelegt. Doch nach der Ergebnispublikation gaben die Titel praktisch den ganzen Gewinn ab und sie erholten sich in den letzten Tagen nur leicht.Das Hauptproblem vieler Investoren dürfte die Kommunikation des Managements sein: Hayek hat schon im Januar eine deutliche Wachstumsbeschleunigung für das laufende Jahr versprochen. Und in den Vorjahren hat er das auch diverse Male getan. Bisher ist die operative Erholung stets ausgeblieben. The Market geht deshalb nicht davon aus, dass es 2026 plötzlich anders sein soll.
Schweizer Short-Seller im Juli: Wetten gegen Sunrise und Logitech
The Market zeigt monatlich die grössten Positionen der Leerverkäufer am Schweizer Aktienmarkt.
Short-seller erhöhen Positionen gegen Sunrise (10,1%, +80%) und Logitech (10%) wegen SpaceX-Satelliten und Supply-Chain-Shock (-200M$). Tech-Manager: Telecom-Moat erodiert, Hardware-Volatilität steigt – Infrastruktur-Risk-Bewertung neu kalkulieren.









