Leerverkäufe gelten oft als Warnsignal. «The Market» zeigt, welche deutschen Aktien derzeit besonders im Fokus der Shortseller stehen. Neben dem Medizintechniker geraten auch der Modekonzern Hugo Boss und die Parfümeriekette Douglas unter Druck.Henning Hölder, «The Market NZZ»13.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenBioreaktor zur Zellvermehrung (links) und Anlage zur Abtrennung der Zellen aus dem Nährmedium, beide von Sartorius.SartoriusDies ist ein Artikel aus dem digitalen Finanzmagazin «The Market NZZ».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei den grössten deutschen Shorts hat Anfang Juli eine Wachablösung stattgefunden. Sartorius ist die am stärksten leerverkaufte Aktie am deutschen Aktienmarkt. Der Laborausrüster verdrängt damit Porsche von der Spitzenposition.Insgesamt haben sich die Shortseller am deutschen Aktienmarkt Anfang Juli nach vielen Monaten steigender Wetten erstmals wieder etwas zurückgezogen – zumindest teilweise. Von Januar bis Anfang Juni war das Short-Volumen noch kontinuierlich von 22 Milliarden Dollar auf zuletzt knapp 41 Milliarden Dollar gestiegen und hatte damit den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht. Anfang Juli registriert der US-Datenanbieter S3 Partners noch Leerverkaufspositionen im Volumen von rund 34 Milliarden Dollar, was einem Rückgang von 16 Prozent binnen eines Monats entspricht.Leerverkäufer wetten auf fallende Kurse: Sie verkaufen geliehene Aktien und hoffen, diese später günstiger zurückzukaufen. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn (eine Übersicht der grössten Short-Positionen gegen Schweizer Aktien finden Sie hier).Aktien mit hohen Leerverkaufsquoten können für Investoren einen Blick wert sein. Zwar deutet ein hoher Short-Anteil einerseits oft auf anhaltenden Kursdruck hin, andererseits erhöht er die Chance auf einen Short-Squeeze: Müssen Shortseller ihre Positionen durch Rückkäufe überhastet eindecken, kann der entstehende Kaufdruck den Kurs explosionsartig nach oben treiben.Grund für die Reduzierung der Short-Wetten könnten die Entspannung im Nahen Osten und die langsame Öffnung der Strasse von Hormuz sein, die sich positiv auf die Weltwirtschaft und die Börsen auswirken.Sartorius wird zum Lieblingsziel der ShortsellerAm breiten Markt hat derweil Sartorius den Autohersteller Porsche als am stärksten leerverkaufte deutsche Aktie abgelöst. Dabei stieg die Ausleihquote von Sartorius nur leicht auf 28,8 Prozent. Der Führungswechsel ist auch darauf zurückzuführen, dass die Short-Quote bei Porsche gleichzeitig auf 27,9 Prozent gesunken ist.Die Aktien von Sartorius treten seit Jahren auf der Stelle. Mitte Mai stieg der als durchsetzungsstark bekannte US-Hedge-Fund Elliott Investment Management unter der Leitung von Paul Singer mit einer grösseren Beteiligung beim Laborausrüster ein. Das schürt die Hoffnung, dass der Druck auf das Management zur Steigerung des Aktionärswerts zunimmt.Auf dem Geschäft lastet die Finanzschwäche von Biotech-Unternehmen, die eine wichtige Kundengruppe von Sartorius sind. «2022 bis 2025 war eine Dürreperiode für das Funding von Biotechfirmen», sagt Nilesh Kumar, der beim US-Vermögensverwalter Wellington Management die Investitionen in nicht börsennotierte Biotechunternehmen verantwortet. Zuletzt habe es wieder mehr Finanzierungen gegeben, aber vor allem in Firmen in der Spätphase vor der Zulassung, mit Wirkstoffen in klinischen Studien. Der Markt scheue das Risiko junger Biotech-Firmen. «Early-Stage-Unternehmen investieren viel mehr in Ausrüstung als Late-Stage-Unternehmen», sagt der Manager, der zuvor bei den Venture-Capital-Töchtern des Darmstädter Konzerns Merck und für Novo Ventures gearbeitet hat.Deutlich stärker ist die Short-Quote bei Delivery Hero gestiegen. Mittlerweile sind 23,6 Prozent der Aktien des Essenslieferanten ausgeliehen. Die Titel hatten sich nach dem Grosseinstieg des Konkurrenten Uber im Mai innerhalb weniger Wochen verdoppelt und bewegen sich seither seitwärts. Inzwischen tobt um das Unternehmen ein Übernahmekampf zwischen Uber, dem Grossaktionär Prosus und dem US-Lieferdienst DoorDash. Einige Leerverkäufer setzen wohl darauf, dass kein Deal zustande kommt.Douglas und Hugo Boss geraten ins VisierEbenfalls neu in der Liste der am stärksten unter Shortseller-Druck stehenden Aktien sind Douglas auf Platz fünf und Hugo Boss auf Platz sechs.Die Parfümeriekette Douglas musste Mitte Juni erneut ihren Jahresausblick senken. Die Umsatzentwicklung im Geschäftsjahr 2025/26 (per Ende September) soll nun zwischen 0 und 1 Prozent liegen, also weitgehend stagnieren. Der Erlös würde damit einen Bereich von 4,58 bis 4,63 Milliarden Euro erreichen – weniger als die zuvor anvisierten 4,65 bis 4,80 Milliarden Euro.Bereits im Frühjahr hatte Douglas aufgrund einer gedämpften Konsumstimmung den Ausblick zurechtgestutzt. Die Aktienkursentwicklung spricht eine deutliche Sprache.Bei Hugo Boss sorgt das Übernahmeangebot des britischen Grossaktionärs Frasers Group für Aufsehen. Mitte Juni bot die Unternehmensgruppe, die Marken wie Lonsdale oder Everlast im Portfolio hat, 38 Euro je Aktie, was lediglich einer Prämie von rund 4 Prozent auf den letzten Schlusskurs entsprach. Das Angebot wird von Marktbeobachtern als «Low-Ball-Angebot» und «Versuchsballon» eingestuft, der deutlich unter dem fairen Wert des Modekonzerns liegt.Hugo Boss prüft das Angebot derzeit noch. Unabhängig vom Übernahmepoker kämpft der Modemarkt seit längerem mit einer abgekühlten Nachfrage, was sich in der Aktienkursentwicklung widerspiegelt.Herausgefallen aus den Top Ten des Gesamtmarkts sind die Aktien von Dermapharm, Gerresheimer und Siltronic.Erweitern Sie Ihr NZZ-Abonnement um «The Market NZZ»Als NZZ-Kunde erhalten Sie «The Market NZZ» für 29.60 Euro statt 37 Euro im Monat. Testen Sie jetzt das flexible Angebot. Monatlich kündbar.Zum rabattierten Angebot für NZZ-AbonnentenIm DAX haben die Shortseller bei zwei prominenten Namen den Druck deutlich erhöht, ein weiteres bekanntes Unternehmen ist neu in der DAX-Shortrangliste. Den vollständigen Artikel zu den Short-Positionen mit der Analyse zu den DAX-Werten lesen Sie bei «The Market NZZ».