AnalyseLeerverkäufe gelten oft als Warnsignal. The Market zeigt, welche deutschen Aktien derzeit besonders im Fokus der Short-Seller stehen. An der Spitze gibt es einen Wechsel.Die Börsen sind im Aufwind. Erneute Hoffnungen auf eine diplomatische Einigung im Nahen Osten und eine Öffnung der für die globale Energieversorgung wichtigen Strasse von Hormuz sorgen für Optimismus an den Märkten. Auch der deutsche Leitindex Dax eilt derzeit von Rekord zu Rekord. Am Mittwoch kann er seine Erfolgserie fortsetzen. Am Vormittag notiert er 0,3% im Plus.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Von der guten Stimmung an den Börsen unbeeindruckt wetten Leerverkäufer bei zahlreichen Aktien weiter auf fallende Kurse. Insgesamt hat sich das Volumen an Short-Wetten an der deutscher Börse zwar wenig verändert – es legte leicht zu auf rund 35 Mrd. $, wie Zahlen des US-Datenanbieters S3 Partners zeigen. Innerhalb der grössten Shorts hat es jedoch teils deutliche Umschichtungen gegeben.Leerverkäufer wetten auf fallende Kurse: Sie verkaufen geliehene Aktien und hoffen, diese später günstiger zurückzukaufen. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn (eine Übersicht der grössten Short-Positionen gegen Schweizer Aktien finden Sie hier).Aktien mit hohen Leerverkaufsquoten können für Investoren einen Blick wert sein. Zwar deutet ein hoher Short-Anteil einerseits oft auf anhaltenden Kursdruck hin, andererseits erhöht er die Chance auf einen Short-Squeeze: Müssen Short-Seller ihre Positionen durch Rückkäufe überhastet eindecken, kann der entstehende Kaufdruck den Kurs explosionsartig nach oben treiben.Beiersdorf baut Führung als grösste Short-Wette im Dax ausWeiter im Fokus der Leerverkäufer ist Beiersdorf. Die Wetten gegen den Konsumgüterhersteller, der vor allem für seine Marke Nivea bekannt ist, nehmen seit Anfang Jahr kontinuierlich zu. Noch im Januar waren lediglich 5% aller im Streubesitz befindlichen Aktien ausgeliehen, heute sind es über 19%.Die Aktien befinden sich bereits seit zwei Jahren im Abwärtstrend. Seit dem vergangenen Jahr stellte sich bei den Hamburgern eine spürbare Abkühlung des Konzernwachstums ein. Doch vor allem die Prognosesenkung Anfang März führte zu einem Vertrauensverlust bei Investoren. Die Aktien korrigierten an einem Tag rund 20%.Am Montag folgte eine weitere Enttäuschung, als der Konzern die Jahresziele für 2026 erneut kappen musste. Erwartet wird nun ein organischer Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zuvor hatte der Konzern noch ein flaches bis leichtes Wachstum in Aussicht gestellt. Die bereinigte Ebit-Marge soll neu mindestens 11,8% betragen. Bislang war lediglich ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert (14%) prognostiziert worden.Bei den Hamburgern überwiegen derzeit die Fragezeichen. Selbst der einstige Wachstumsmotor und Hoffnungsträger für höhere Margen, Nivea, ist ins Stocken geraten. Preisempfindliche Konsumenten wandern zunehmend zu günstigeren Drogerie-Eigenmarken ab. Um Nivea schneller wieder auf Wachstumskurs zu bringen, will Beiersdorf die Neuausrichtung der Marke mit einem 18-monatigen Programm verstärken. Breite Innovationen sollen neue Konsumenten ansprechen, zugleich wird das Produktangebot erweitert und die Werbeausgaben werden erhöht, wie der Konzern am Montag mitteilte.Gleichzeitig ist Anfang Jahr das margenstarke Luxussegment rund um La Prairie infolge der globalen Konsumzurückhaltung und der Schwäche im Asiengeschäft eingebrochen. Immerhin: Im zweiten Quartal 2026 erzielte die Luxusmarke überraschend mit einem Plus von 2,2% wieder ein leichtes organisches Wachstum. Die Leerverkäufer scheint das nicht zu überzeugen.Fresenius Medical Care neu auf Platz zwei im DaxNeu auf dem zweiten Platz der grössten Dax-Shorts ist Fresenius Medical Care – Anfang August sind rund 9% der ausstehenden Aktien ausgeliehen. Die Short-Seller dürften sich diese Woche bestätigt fühlen. Am Dienstag korrigierten die Aktien deutlich, nachdem der Anbieter von Dialyseprodukten und -dienstleistungen seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorlegte.Zwar hat das Unternehmen im zweiten Quartal den Gewinn stärker gesteigert als erwartet – das operative Ergebnis ohne Sondereffekte kletterte um 23% auf 569 Mio. €, was die durchschnittliche Analystenschätzung von 515 Mio. € übertraf. Auch der Umsatz legte mit einem Plus von 4% auf 4,86 Mrd. mehr zu als erwartet. Dennoch hat das Unternehmen den Ausblick für das Gesamtjahr 2026 lediglich bestätigt.Deutsche-Bank-Analyst Falko Friedrichs betonte in einem ersten Kurzkommentar zudem, dass das Gewinnwachstum erheblich von einmaligen sogenannten TDAPA-Erstattungsleistungen profitiert habe. Dabei handelt es sich um vorübergehende Zusatzzahlungen der US-Krankenversicherung Medicare für Dialyseanbieter. Dieser Rückenwind beginne sich im zweiten Quartal abzuschwächen und werde voraussichtlich 2027 vollständig entfallen, so der Analyst – ein Argument für Short-Seller, weiter auf fallende Kurse zu setzen.Brenntag-Aktien zuletzt mit AufwindZurückgegangen sind die Wetten hingegen bei Brenntag. Die Short-Quote des Chemiedistributors beträgt neu 8,7%. Das Unternehmen hob Ende Juni seine Gewinnerwartungen für 2026 an. Das operative Ergebnis (Ebitda) wird im zweiten Quartal voraussichtlich deutlich auf 450 Mio. € steigen, nach 334 Mio. € im Vorjahr. Analysten hatten dem Chemikalienhändler im Schnitt lediglich 367 Mio. € zugetraut.Die Aktien befinden sich seitdem in einem leichten Aufwärtstrend, was Short-Seller dazu veranlasst haben könnte, ihre Wetten teilweise zurückzufahren.Als Gründe für die angehobenen Gewinnerwartungen nannte das Unternehmen eine robuste Nachfrage sowie verbesserte Margen infolge der Marktverwerfungen im Nahen Osten. Brenntag profitiert als Chemikalienhändler von Lieferengpässen und vorsorglichen Lagerkäufen. Die Knappheit lässt Preise und Handelsmargen steigen, während Kunden für eine sichere und schnelle Lieferung mehr bezahlen. Die definitiven Ergebnisse zum zweiten Halbjahr werden am 12. August veröffentlicht.Commerzbank-Übernahme durch UniCredit wird wahrscheinlicherAuf den vierten Platz im Dax sind Anfang August die Aktien der Commerzbank vorgerückt. Die Short-Quote beträgt neu 7,4%. Die Aktien der zweitgrössten deutschen Bank sind am gestrigen Dienstag auf den höchsten Stand seit 2010 geklettert.Bloomberg berichtete über regulatorische Fortschritte der Unicredit bei ihrem Versuch, die Commerzbank zu übernehmen. Demnach habe die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin Unicredits Antrag, ihre Beteiligung von mehr als 30% an der Commerzbank erhöhen zu dürfen, an die Europäische Zentralbank (EZB) weitergeleitet. Mit der Freigabe durch die Bafin beginne für die EZB nun die 60-tägige Frist für die Prüfung des Antrags.Die Unicredit war im September 2024 überraschend bei der Commerzbank eingestiegen und hatte ihren Anteil seither schrittweise auf zuletzt fast 50% erhöht. Die Commerzbank-Spitze hatte sich lange vehement gegen eine Übernahme durch die Italiener gewehrt, zeigte sich in dem teils sehr persönlich und mit harten Bandagen geführten Übernahmekampf zuletzt jedoch gesprächsbereiter. So bot Ende Juli Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann der Unicredit Gespräche mit dem Management an.Drei neue Namen am GesamtmarktAm Gesamtmarkt hat Porsche die Spitzenposition von Sartorius zurückerobert. Der Laborzulieferer hatte den Sportwagenbauer erst im Vormonat nach langer Zeit von Platz eins verdrängt. Zwar sind auch die Wetten gegen Porsche leicht zurückgegangen, doch bei Sartorius fiel der Rückzug deutlicher aus, die Short-Quote sank von knapp 29 auf 24,3%. Porsche befindet sich mitten in einem teuren und langwierigen Turnaround-Prozess – ein gefundenes Fressen für Leerverkäufer.Auch die Aktien von Sartorius treten seit Jahren auf der Stelle. Auf dem Geschäft lastet die Finanzschwäche vieler Biotech-Unternehmen, die zu den wichtigsten Kundengruppen von Sartorius zählen. Mitte Juli legte das Unternehmen Geschäftszahlen vor, deren Umsatz unter den Markterwartungen lag. Zudem deuteten die Aussagen zur Jahresprognose darauf hin, dass der Umsatz eher am unteren Ende der Prognosespanne und damit leicht unter dem Analystenkonsens liegen dürfte.Neu unter den zehn grössten Shorts am Gesamtmarkt sind Dermapharma, Auto1 und Evotec. Beim Arzneimittelhersteller Dermapharm sorgt seit Mitte Juli eine Bilanzprüfung der Bafin für Verunsicherung. Die Aufsicht untersucht eine möglicherweise fehlerhaft verbuchte Forderung samt Zinsen von 63,2 Mio. € sowie unzureichende Angaben zu Geschäften mit einem nahestehenden Unternehmen.Die Handelsplattform für Gebrauchtwagen Auto1 legte Ende Juli zwar starke Zahlen vor – im zweiten Quartal stiegen der Absatz um 20% und das bereinigte Ebitda um 38%. Dennoch verloren die Aktien, weil das Management trotz des starken ersten Halbjahres lediglich die Jahresprognose bestätigte und das Wachstum im Retailgeschäft in der zweiten Jahreshälfte zugunsten höherer Margen verlangsamen will.Der Wirkstoffforscher Evotec wiederum leidet nicht nur unter der anhaltenden Finanzierungsschwäche in der Biotech-Branche. Auch wiederholte Prognosesenkungen haben das Vertrauen der Anleger in das Management zunehmend erschüttert. Mitte Juli schockte eine weitere Gewinnwarnung die Börse und schickte die Aktien um rund 30% in die Tiefe. Wegen erwarteter Umsatzverschiebungen soll der bereinigte operative Verlust (Ebitda) nun zwischen 70 und 105 Mio. € liegen. Zuletzt hatte der Konzern noch mit einem Wert zwischen 0 und plus 40 Mio. € gerechnet.Aus den Top Ten herausgefallen sind Hensoldt, Nagarro und Hugo Boss.
Beiersdorf im Visier der Leerverkäufer – drei Neue unter den grössten Shorts
The Market zeigt, welche deutschen Aktien derzeit besonders im Fokus der Short-Seller stehen. An der Spitze gibt es erneut einen Führungswechsel.
Beiersdorf-Shorts steigen auf 19% (von 5%): Guidance erneut gekürzt, Nivea verliert gegen Eigenmarken, Luxus schwach. Weckruf für Tech-Manager: Premium-Brand-Druck signalisiert Budget-Squeeze bei stabilen Kunden im kommenden Zyklus.










