Analyse

Leerverkäufe gelten oft als Warnsignal. The Market zeigt, welche deutschen Aktien im Fokus der Leerverkäufer stehen. Während der Konsumgüterhersteller Beiersdorf neu die Dax-Rangliste anführt, bleibt Porsche am Gesamtmarkt die Nummer eins. Der Trend hält an, wenn auch in abgeschwächter Form. Die Short-Wetten am deutschen Aktienmarkt steigen weiter. Seit Anfang Jahr ist das Short-Volumen von rund 22 auf nun knapp 41 Mrd. $ gestiegen (Stand Anfang Juni). Das ist eine Zunahme von mehr als 80% und der höchste Wert seit drei Jahren, wie Zahlen des US-Datenanbieters S3 Partners zeigen.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Leerverkäufer wetten auf fallende Kurse: Sie verkaufen geliehene Aktien und hoffen, diese später günstiger zurückzukaufen. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn (eine Übersicht der grössten Short-Positionen gegen Schweizer Aktien finden Sie hier).Aktien mit hohen Leerverkaufsquoten können für Investoren einen Blick wert sein. Zwar deutet ein hoher Short-Anteil einerseits oft auf anhaltenden Kursdruck hin, andererseits erhöht er aber die Chance auf einen Short-Squeeze. Müssen Short-Seller ihre Positionen durch Rückkäufe überhastet eindecken, kann der entstehende Kaufdruck den Kurs explosionsartig nach oben treiben.Beiersdorf ist neuer Spitzenreiter im DaxIm Dax gibt es mit Beiersdorf eine neue Nummer eins bei den Favoriten der Leerverkäufer. Beim Konsumgüterhersteller steigt die Ausleihquote der ausstehenden Aktien von 12,7 auf 14,4%. Die Hamburger liefern derzeit mehr Fragen als Kursfantasie. Die Aktien befinden sich seit über einem Jahr im Abwärtstrend.Beiersdorf schockte den Mark mit den Anfang März präsentierten Jahreszahlen und dem Ausblick. Auch die Mitte April veröffentlichten Quartalszahlen brachten keine Hoffnung auf Besserung: Der organische Umsatz sank um 4,6% auf 2,5 Mrd. €, womit die Markterwartungen erneut verfehlt wurden. Auch die Marke Nivea, das Aushängeschild von Beiersdorf, wurdenunterdessen vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind.Der Hamburger Konsumgüterhersteller verweist damit Brenntag auf Platz zwei, wo die Short-Quote leicht zurückfiel – von knapp 13 auf 11,4%. Die Aktien des Chemiedistributors konnten sich nach dem Tief im März deutlich erholen. Geopolitische Verwerfungen im Nahen Osten und die dadurch entstandenen Lieferkettenprobleme sorgten für anziehende Preise und Nachholeffekte bei Kunden. Brenntag reagierte offenbar schnell und nutzte diese Volatilität flexibel aus.Zudem sorgten in den letzten Monaten Bestrebungen der Europäischen Union, die heimische Chemieindustrie stärker zu schützen, und die Hoffnung auf eine Reform des Emissionshandels sowie ausbleibende Importe aus China für Aufwind bei Chemiewerten. Zuletzt hat der Schwung bei den Aktien von Brenntag jedoch nachgelassen.Short-Seller trauen Kurserholung von Zalando nichtDeutlich zugenommen haben die Wetten gegen Zalando. Die Aktien des Online-Modekonzerns kommen seit Jahren kaum vom Fleck. Seit Anfang Jahr sind zudem Bedenken aufgekommen, dass künstliche Intelligenz (KI) das Geschäftsmodell der Berliner gefährden könnte. Mitte Mai setzte bei den Aktien jedoch eine Erholung ein, die bis heute anhält. Gut möglich, dass die Leerverkäufer dieser Entwicklung nicht trauen und ihre Positionen deshalb ausbauen.Apropos Angst vor KI-Disruption: Mit Scout24 befindet sich auf Platz acht ein Neuling in der Dax-Rangliste, dessen Aktien ebenfalls durch Sorgen im Zusammenhang mit neuen KI-Anwendungen belastet wurden. Ende März hat der Kurs jedoch einen Boden gefunden, seitdem legt er langsam, aber stetig zu. Am Kapitalmarkttag vom 12. Mai betonte Scout24, dass neue KI-Produkte rasant an Dynamik gewinnen würden. CEO Ralf Weitz versicherte, dass KI in den kommenden Monaten die Effizienz der Plattform weiter steigern werde. Manche Leerverkäufer sehen das offenbar anders.Neu in den Dax-Top-Ten ist auch MTU Aero Engines. Die Titel des Triebwerksspezialisten stehen seit Ende Februar unter Druck, nachdem das Unternehmen mit einem schwachen Ausblick für den freien Cashflow enttäuscht hatte. Zuletzt belasteten auch die infolge des Irankriegs gestiegenen Kerosinpreise. Mitte Mai strich die Bank Berenberg ihre Kaufempfehlung für die Aktien. Höhere Treibstoffkosten dürften die Margen von Fluggesellschaften schmälern und könnten diese dazu veranlassen, Wartungsintervalle zu strecken. Das würde den künftigen Free Cashflow von MTU belasten.Scout24 und MTU Aero Engines ersetzen Daimler Truck und Henkel, die aus den Top Ten herausfallen.Porsche bleibt Nummer eins am GesamtmarktAm Gesamtmarkt bleibt Porsche die am stärksten leerverkaufte Aktie, liegt aber nur noch hauchdünn vor Sartorius. Bei beiden Unternehmen ist die Ausleihquote leicht gesunken – beim Sportwagenbauer auf 28,7%, beim Biopharma-Zulieferer auf 28,5%. Die Porsche-Titel wittern seit langer Zeit wieder Morgenluft: Seit dem Tief Ende März haben sie mehr als ein Drittel zugelegt. Damit nähern sie sich der Marke von 50 €, die sie zuletzt im März 2025 erreicht hatten.Diese Woche sorgte eine Hochstufung durch die UBS für Auftrieb. Die Bank erhöhte ihre Einstufung für den Sportwagenbauer von «Neutral» auf «Kaufen» und hob das Kursziel von 40 auf 60 € an. Analyst Patrick Hummel sieht Porsche vor einer Rückkehr zu alter Stärke. Der Sanierungsplan nehme Gestalt an, und angesichts des Produktportfolios, der Umsetzung durch das Management sowie der Effizienzmassnahmen sei nun die Zeit gekommen, die Aktien zu kaufen.Deutlich zurückgegangen sind die Wetten gegen Hensoldt. Die Short-Quote sank von 22,6 auf 20,3%. Der Kursanstieg in der zweiten Maihälfte dürfte einige Leerverkäufer zum Eindecken ihrer Positionen bewogen haben. Seit Anfang Juni geben die Titel des Rüstungsspezialisten allerdings wieder nach. Passend dazu stufte Morgan Stanley am Dienstag den gesamten europäischen Rüstungssektor von «Übergewichten» auf eine neutrale Gewichtung zurück.Delivery Hero neu in Top TenNeu in den Top Ten am Gesamtmarkt ist Delivery Hero. Die Aktien des Essenslieferanten haben sich seit Anfang Mai verdoppelt. Grund sind Übernahmespekulationen und der Grosseinstieg des Konkurrenten Uber. Der US-Riese gab Mitte Mai bekannt, seine Beteiligung massiv ausgebaut zu haben. Am 23. Mai 2026 bestätigte Delivery Hero offiziell, dass Uber Kontakt wegen eines möglichen vollständigen Übernahmeangebots aufgenommen hatte.Uber hält nun 25% der Stimmrechte, wie Ende Mai aus einer Mitteilung hervorging. Insgesamt sollen die Amerikaner samt Derivaten der Investmentbank Morgan Stanley knapp 37% der Anteile besitzen, berichtet Bloomberg. Am Markt wird über einen Kaufpreis im niedrigen bis mittleren 30-Euro-Bereich oder sogar darüber spekuliert. Das ruft Leerverkäufer auf den Plan, die auf ein Scheitern der Übernahme wetten. Ein solcher Ausgang würde voraussichtlich einen starken Rücksetzer der Aktien auslösen.Zudem kündigte Mitgründer und Langzeit-CEO Niklas Östberg Anfang Mai unter dem Druck von Investoren seinen Rücktritt bis spätestens im Frühjahr 2027 an. Ein Nachfolger soll bis Ende 2026 feststehen. Damit endet eine Ära bei den Berlinern: Seit der Gründung im Jahr 2011 wurde das Unternehmen ununterbrochen von Östberg geführt. Die Börse hat auf die Ankündigung bereits positiv reagiert.