Analyse

Der steile Kursanstieg bei Comet und VAT ruft Leerverkäufer auf den Plan. Am grössten ist der Anteil ausgeliehener Aktien aber nach wie vor bei der Online-Apotheke DocMorris. Auch bei Swatch Group und Barry Callebaut wetten Short-Seller noch aggressiver auf fallende Kurse. Die Börsen scheinen das Thema Iran abgehakt zu haben. Auch der breite Schweizer Aktienmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) legt im Mai zu. Das schreckt die Leerverkäufer aber nicht ab – im Gegenteil: Sie haben ihre Positionen im Schnitt gar deutlich ausgebaut. Bei DocMorris, Swatch Group und Barry Callebaut um gut ein Drittel. Neu respektive erneut in ihrem Fokus stehen zudem Comet, SoftwareOne, Orior und VAT. Das zeigt die monatliche Auswertung von The Market zu den ausgeliehenen Aktien basierend auf den Daten von S&P Global Market Intelligence.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Short-Seller leihen sich Aktien, verkaufen sie am Markt und hoffen, sich später günstiger mit den Titeln eindecken zu können, um sie dem Eigentümer zurückzugeben. Die Differenz aus dem Verkaufs- und dem Rückkaufkurs ist ihr Gewinn.DocMorrisShort-Quote: 32,6% | Monatsveränderung: +37,5%DocMorris baut den Spitzenplatz der am stärksten leerverkauften Schweizer Aktien im Mai deutlich aus. Nachdem die Short-Quote im Zug des Kursanstiegs vom April vorübergehend gesunken war, stieg sie im Monatsverlauf wieder auf fast ein Drittel aller ausstehenden Aktien.Operativ gibt es nach langer Zeit wieder erste Hoffnungszeichen: So weisen die Zahlen für das erste Quartal darauf hin, dass die Gewinnschwelle vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) tatsächlich 2026 erreicht werden könnte. Die mittelfristigen Wachstumsziele waren an der Präsentation der Jahreszahlen im März allerdings deutlich gekürzt worden. Seit dem Börsengang 2017 hat das Unternehmen jedes Jahr einen hohen Verlust verzeichnet.Wenn die Online-Apotheke operativ endlich Resultate vorweisen könnte, würde das dem bestehenden Verwaltungsrat in die Hände spielen. Denn hinter den Kulissen war ein Machtkampf entbrannt: Grossaktionär CEPD (Pelion) forderte die Erneuerung der Unternehmensführung, darunter die Absetzung von VR-Präsident Walter Oberhänsli. An der Generalversammlung vom 12. Mai setzte sich das bestehende Gremium allerdings mit einem überraschend starken Ergebnis durch.Seither ist offen, ob Pelion ihre 15%-Position abbauen könnte, was Druck auf den Kurs ausüben würde. Zudem scheint eine neue strategische Stossrichtung vom Tisch – zwei Gründe, die die Short-Seller veranlasst haben könnten, erneut verstärkt auf Kursrückschläge zu setzen.DocMorris hat allerdings auch Wandelanleihen ausstehend. Damit gibt es ausser der Spekulation auf einen sinkenden Kurs auch einen technischen Grund, Leerverkaufspositionen in den Aktien einzugehen: Wandelanleihen enthalten neben dem Zinscoupon eine Aktienkomponente. Investoren, die diese angesichts der starken Kursausschläge neutralisieren wollen, verkaufen die Aktien leer – ohne dabei aus Überzeugung auf einen sinkenden Kurs zu setzen.Swatch GroupShort-Quote: 17,5% | Monatsveränderung: +39,2%Unruhe herrscht seit Jahren auch rund um Swatch Group. Der Uhren- und Schmuckhersteller enttäuscht operativ – der Gewinn brach 2025 um fast 90% auf noch 25 Mio. Fr. ein. Zudem lässt die Corporate Governance zu wünschen übrig. Obwohl der Pool der Familien Hayek und Ammann nur gut 25% des Kapitals kontrolliert, dominieren sie Verwaltungsrat und Management.Mit der Lancierung der Swatch x AP Royal Pop sind die Aktien im Mai zwar fast 20% vorgerückt. Die Short-Seller nutzen das höhere Kursniveau allerdings vor allem dazu, ihre Wette gegen den Konzern zu intensivieren. Sie stockten ihre Positionen im Monatsverlauf um 40% auf, womit die Aktien mit einer Short-Quote von 17,5% den zweiten Platz belegen.Barry CallebautShort-Quote: 14,1% | Monatsveränderung: +24,6%Weiter ausgebaut haben die Leerverkäufer auch bei Barry Callebaut. Ihr um ein Viertel auf 14% erhöhtes Engagement hievt die Aktien des Schokoladenproduzenten neu auf Platz drei.Nachdem die Kakaopreise im Frühling 2025 in die Höhe geschnellt waren, stiegen die Wetten gegen den Schokoladenhersteller: Mit den Rohstoffkosten blähte sich das Umlaufvermögen auf, die Angst vor Liquiditätsengpässen und einer höheren Verschuldung verschreckte die Börse. Im August des vergangenen Jahres belegten die Aktien den Spitzenplatz, die Short-Quote lag bei 26%.Mit der Entspannung am Kakaomarkt in der zweiten Jahreshälfte 2025 ist die Short-Position kleiner geworden – und der Aktienkurs von Barry Callebaut gestiegen.Dennoch: Barry Callebaut kämpft weiterhin mit hausgemachten Problemen und einer mittlerweile gedämpften Nachfrage. Die Restrukturierung unter dem im Januar 2026 abgesetzten CEO Peter Feld führte nicht zum erhofften Befreiungsschlag. Um das kapitalintensive Geschäft rentabel betreiben zu können, müssten die Volumen anziehen.Das Unternehmen konnte im ersten Halbjahr 2025/26 (per Ende Februar) zwar den Negativtrend bei der Wettbewerbsfähigkeit stoppen, doch die verkauften Volumen gingen dennoch fast 7% zurück. Enttäuscht zeigte sich die Börse am Tag der Ergebnispublikation aber vor allem von der Prognose für die Profitabilität: Der wiederkehrende Ebit in Lokalwährungen werde im «mittleren Zehnprozentbereich» sinken. Davor hatte Barry ein Wachstum vorausgesagt.AdeccoShort-Quote: 13,5% | Monatsveränderung: +7,5%Die Aufsteigerin des Monats ist Adecco. Ihre Aktien rücken auf der Short-Liste vom zehnten Platz im Vormonat auf den vierten Rang vor. Besonders stark ausgebaut haben die Leerverkäufer ihre Wette gegen die Personalvermittlerin in der vergangenen Woche – obwohl der Kurs im Monatsverlauf bereits auf ein Allzeittief abgerutscht war.Der Trend des vergangenen Jahres setzt sich 2026 fort: Adecco verzeichnet zwar leichte Marktanteilsgewinne, doch die Marge wird immer dünner. Das zeigte erneut das Erstquartalsergebnis, das im Mai vorgelegt wurde, was den Kurs weiter um 10% einbrechen liess.LeonteqShort-Quote: 11,8% | Monatsveränderung: +27,6%Ebenfalls erhöht haben die Leerverkäufer ihre Quote bei Leonteq. Das Derivatehaus kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen.Kurz vor der geplanten Generalversammlung Anfang April hatte die Unternehmensspitze veranlasst, dass der Antrag auf Entlastung des Verwaltungsrats und des Managements von der Traktandenliste gestrichen und damit verschoben wird. Es war ein taktischer Rückzug, um der drohenden Niederlage zu entgehen. Im Vorfeld hatten Stimmrechtsberater angesichts des noch laufenden Verfahrens der Finanzmarktaufsicht Finma Druck auf das Unternehmen gemacht.Leonteq kämpft sowohl mit schlechten Zahlen – 2025 resultierte ein happiger Verlust–, einem schleppenden Turnaround als auch mit Altlasten: Unter anderem hatte die Finma Ende 2024 festgestellt, dass das Unternehmen mit dem Vertrieb seiner Finanzmarktprodukte im Ausland gegen Risikomanagementpflichten verstossen habe und zog Gewinne ein. Anfang 2024 war das Derivatehaus zudem wegen möglicher Mängel bei Geldwäschereivorkehrungen ins Visier der Behörden in Frankreich geraten.Die Aktien haben sich vom letzten Kurseinbruch anlässlich der Präsentation der Geschäftszahlen für 2025 im Februar und dank des Ausbaus des Engagements von H21 Macro Limited von Rainer Marc Frey und vier privaten Investoren zwar etwas erholt. Die Short-Seller zweifeln aber offensichtlich, dass die Ankeraktionäre bald einen Turnaround herbeiführen können.Santhera PharmaceuticalsShort-Quote: 10,6% | Monatsveränderung: +20,9%Seit Januar auf der Liste der am meisten ausgeliehenen Schweizer Aktien ist Santhera. Im März haben die Short-Seller den Einsatz gar erhöht – obwohl der Kurs 30% angezogen hat. Sie blieben auch in den Avancen vom April dabei und stockten im Mai erneut leicht auf.Santhera hat Anfang Jahr eine Lizenzvereinbarung für den Vertrieb von Agamree zur Behandlung von Duchenne-Muskeldystrophie bekanntgegeben. Der japanische Partner Nxera Pharma bezahlte dafür vorab 30 Mio. Fr. in bar und finanzierte zusätzlich eine Kapitalerhöhung um 10 Mio. Fr. zu einem Preis von 14.91 Fr. je Santhera-Aktie. Das entsprach damals einer Prämie von rund 20% und zog den Kurs ein erstes Mal in die Höhe.Im März vermeldete Santhera eine Umsatzverdoppelung auf 77,4 Mio. Fr., was den Kurs erneut hochspringen liess. Das Jahresergebnis zeigte jedoch: Der Verlust ist mitunter wegen Lizenzzahlungen nicht geringer, sondern grösser geworden. Das Management stellt zwar für das dritte Quartal den Break-even beim Cashflow in Aussicht. Neues Kapital aufzunehmen, sei deshalb nicht notwendig. Die Short-Seller sehen aber vor allem, dass das Unternehmen bei seinen Zielen etwas ins Hintertreffen geraten ist, und erwarten, dass sich das bald auch in einem wieder tieferen Kurs spiegeln dürfte.CometShort-Quote: 9,6% | Monatsveränderung: –0,4%Trotz einer der rasanten Kursentwicklung von Comet in den vergangenen zwei Monaten, sind die Aktien nach kurzer Absenz zurück unter den am meisten leerverkauften Schweizer Titeln.Nach dem Kurseinbruch im Sommer waren die Short-Seller auf den Röntgen- und Hochfrequenzspezialisten aufmerksam geworden und hatten während der Gegenbewegung im September ihre Wette auf einen erneuten Kursrückschlag verdoppelt. Daran haben sie erst gut verdient. Die Kürzung und gleichzeitige Verschiebung der Mittelfristziele am Kapitalmarkttag im November hat sie in ihrer Position bestärkt.Doch seither erholen sich die Aktien. Chancen bietet Comet die Einführung neuer Produkte. Da diese im Markt noch nicht etabliert sind, ist aber genau das ebenso ein Risiko. Aus Sicht der Leerverkäufer sind die Aktien derzeit jedenfalls zu weit gelaufen.SoftwareOneShort-Quote: 9,6% | Monatsveränderung: +159%Zurück unter den zehn grössten Shorts ist auch SoftwareOne, nachdem ihre Aktien im März vorübergehend aus diesem Kreis ausgeschieden waren.Die Erhöhung der Short-Positionen folgt auf ein positives Quartalsergebnis, das sowohl Wachstum als auch eine Ausdehnung der Marge zeigte, und entsprechend den Kurs befeuert hat. Die Short-Seller glauben aber nicht, dass der Trend anhält, und haben ihre Leerverkaufspositionen im Mai mehr als verdoppelt.OriorShort-Quote: 5,6% | Monatsveränderung: +76,2%Dasselbe Bild zeigt sich bei Orior: Nach dem Kurssprung sind die Short-Seller zurück, wodurch die Lebensmittelgruppe neu den Platz neun auf der Schweizer Short-Liste einnimmt.Über Orior schwebte das Damoklesschwert einer möglichen Kapitalerhöhung – ein Szenario, das Leerverkäufer anzieht. Die kriselnde Lebensmittelgruppe befindet sich in einer Restrukturierung und ist hoch verschuldet. Ein geplanter Verkauf des Tochterunternehmens Culinor ist gescheitert. Die Jahreszahlen zeigten jedoch eine Verbesserung sowie einen positiven Cashflow. Zudem hat das Unternehmen im Mai angekündigt, mit Peter Müller einen neuen CEO gefunden zu haben. Er kommt von der ehemaligen Migros-Tochter Mibelle, übernimmt das neue Amt aber erst im September.Die Short-Seller erwarten wohl, dass es bei Orior erst neue Rückschläge geben wird, ehe der angestrebte Turnaround sowie der weitere Schuldenabbau Früchte tragen.VATShort-Quote: 3,1% | Monatsveränderung: +54,2%Auf Platz zehn ist analog zu Comet neu auch VAT wieder dabei. Und auch das Muster gleicht sich: Der Kurs des Halbleiterzulieferers erklimmt neue Höhen, was die Short-Seller sofort zur Gegenreaktion und dem Ausbau ihrer Wette auf Rückschläge nutzen.Der Aufschwung im Halbleitermarkt ist zweifelsfrei da. Der Treiber ist die starke Nachfrage nach Rechen- und Speicherkapazität für Anwendungen der künstlichen Intelligenz. Die grossen Betreiber von Rechenzentren, die Hyperscaler, investieren riesige Summen, was auch den Bau neuer Produktionsanlagen für Chips antreibt. Davon profitieren mitunter die Schweizer Zulieferer VAT, Comet und Inficon.Die bereits hohen Bewertungen spiegeln die starken Wachstumserwartungen aber bereits, und es stellt sich die Frage: Wie anfällig sind die VAT-Aktien auf Verzögerungen beim Ausbau der KI-Infrastruktur oder bei einer Schwächephase im Halbleiterzyklus? Die Antwort der Short-Seller ist klar: Bei Comet und VAT gewichten sie die Risiken für Rückschläge derzeit höher als die Chancen auf ungehindert weiter laufende Kursgewinne.Aus der Liste der grössten Schweizer Shorts ausgeschieden sind im Mai übrigens: Idorsia, SIG, Aryzta und Siegfried.