Mr MarketWarum Satelliten derzeit keine direkte Gefahr sind für Swisscom und SunriseSpaceX will den Markt für Breitbandinternet und Mobilfunk aufmischen. Das setzt den Aktien etablierter Anbieter in Europa und auch in der Schweiz zu. Doch gleich mehrere Faktoren schützen Swisscom und Sunrise zumindest auf absehbare Zeit.Geschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Wanderung ist geschafft, in der Hütte wartet bereits ein kühles Bier auf die durstige Truppe und es dauert nicht lange, bis das erste Smartphone gezückt ist – schliesslich muss man den Daheimgebliebenen (und der ganzen Welt) zeigen, welch tolle Aussicht sie verpassen. Doch auf die Selfiegrimassen folgt die Enttäuschungsmiene: kein Empfang. Funkloch.Wer regelmässig in abgelegenen Tälern oder auf über 2000 Meter über Meer unterwegs ist, weiss: Auch in der Schweiz ist noch längst nicht jeder Landstrich ans Handynetz angeschlossen. Selbst mit dem «Besten Netz der Schweiz», wie sich Telecomanbieterin Swisscom rühmt: Es gibt sie noch, die weissen Flecken auf der Landkarte.Ich schätze die Ruhe und Abgeschiedenheit. Gehöre damit aber wohl zu einer Minderheit.Starlink oder die Konkurrenz aus dem WeltallEntsprechend arbeiten die Gastwirte in der ländlichen und bergigen Schweiz an der Konnektivität. Vermehrt bieten sie Handy- und Internetverbindungen über Starlink an. Das Smartphone kommuniziert über einen Router mit den Satelliten von US-Unternehmer Elon Musk. Was als Notfallkommunikation begonnen hat, taugt immer mehr auch für die Masse, oder zumindest für ein paar Dutzend Handys, die nach Empfang dürsten.Dabei handelt es sich um Satelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO). Sie umkreisen die Erde in Höhen zwischen 160 und 2000 Kilometern und können so eine sehr schnelle Übertragungsgeschwindigkeit liefern, die fast der von Glasfaserverbindungen entsprechen. Um eine kontinuierliche Abdeckung zu gewährleisten, müssen sie aber in riesigen Konstellationen wie Starlink oder bald Amazon Leo eingesetzt werden.Die Herausforderung liegt deshalb derzeit vor allem in der Kapazität. Ein LEO-Satellit deckt mehrere hundert Quadratkilometer ab. Wenn dort viele Menschen gleichzeitig Videos streamen wollen, reicht die Kapazität nicht aus. Deshalb eignet sich Satellitenfunk heute besonders für Wüsten, Ozeane, Katastrophengebiete und eben Berge. Satelliteninternet war bisher also eher ein Rand(regionen)phänomen.Wenn aber diese technologische Hürde überwunden ist, könnten Satelliten den Telecommarkt aufmischen, so die gegenwärtige Lesart an den Aktienmärkten. Starlink hat in ihrem Prospekt zum Börsengang denn auch ganz spezifisch auf das sehr grosse Potenzial verwiesen, das sich für die Satellitenbetreiber aus dem weltweiten Breitbandinternet- und Mobilfunkmarkt ergibt. Den potenziellen Markt bezifferte das Unternehmen auf 1,61 Bio. $, wovon der allergrösste Teil derzeit von Telecomkonzernen kontrolliert wird.Als Reaktion auf diese Schätzung standen die Aktien von Swisscom und Sunrise, aber auch jene der Deutschen Telekom und der spanischen Telefónica in den vergangenen Wochen stark unter Druck. Zumal die Anleger derzeit fast nichts mehr fürchten als bei den technologischen Neuerungen auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen – siehe auch das schwere Los der Softwareaktien mit Blick auf das Potenzial der künstlichen Intelligenz.Der Schluss, dass gerade europäische Mobilfunkanbieter alle zwingend verlieren werden, greift aus meiner Sicht jedoch zu kurz. Noch sind in Europa grundsätzlich zwei Entwicklungspfade denkbar, und die Konstellation ist von Land zu Land verschieden.Satelliten bieten eine sinnvolle ErgänzungDas erste Szenario ist eines der Kooperation. Satelliten ergänzen künftig die terrestrischen Mobilfunknetze, anstatt sie zu ersetzen. Fällt das Mobilfunknetz aus oder endet die Netzabdeckung in abgelegenen Regionen, übernimmt automatisch die Verbindung über einen Satelliten. Für den Kunden wird der Übergang kaum wahrnehmbar sein. Die Mobilfunkanbieter behalten die Kundenbeziehung und integrieren Satellitenkommunikation als zusätzliche Dienstleistung – ähnlich wie heute Roaming oder Wlan-Calling.Die Deutsche Telekom zum Beispiel baut ihre Netzabdeckung durch satellitengestützte Direktverbindungen aus, wie das Unternehmen im Februar angekündigt hat. In Zusammenarbeit mit Starlink werde es Mobilfunkverbindungen in Gebiete bringen, in denen der Netzausbau besonders schwierig ist, beispielsweise aufgrund von Naturschutzauflagen oder einer anspruchsvollen Topografie.Für die Unternehmen wäre die Satellitentechnologie damit weniger eine Bedrohung als vielmehr eine Möglichkeit, nahezu flächendeckende Konnektivität anzubieten, ohne in jedem entlegenen Tal einen neuen Sendemast errichten zu müssen.Satellitenunternehmen könnten zur Konkurrenz erwachsenDas zweite Szenario wäre tatsächlich disruptiver. Sollten Unternehmen wie Starlink oder AST SpaceMobile langfristig eigene Mobilfunk- und Internetdienste mit eigener Kundenbeziehung anbieten können, geriete das bisherige Geschäftsmodell der Telekomkonzerne unter Druck. Dann wären die Netzbetreiber nicht länger unverzichtbare Vermittler zwischen Kunde und Infrastruktur.Genau dieses Risiko erklärt einen Teil der Nervosität an den Aktienmärkten. Allerdings setzt dieses zweite Szenario erhebliche technologische Fortschritte ebenso voraus wie weitreichende regulatorische Änderungen.Europa ist dicht besiedelt und schnelles Glasfaserinternet ist bereits sehr gut ausgebaut. Mit Kosten von 20 bis 35 € im Monat ist es laut den Analysten der Bank Berenberg in den meisten Ländern, mit Ausnahme von Deutschland, zudem deutlich günstiger als das Angebot von Starlink (45 bis 85 €). Ausserdem sei die Verbindung über Kabel sehr verlässlich, Satelliteninternet kann bei schlechtem Wetter Empfangsprobleme haben. All das sind erhebliche Vorteile für bereits etablierte Telecomkonzerne.Die Grossbank UBS ist skeptischer, sie sieht im Bereich des Breitbandinternets durchaus eine Chance für Starlink und andere. Die Analysten erwarten, dass neue Satellitengenerationen keine Kapazitätsprobleme mehr haben werden und auch dank der stärkeren Verbreitung die Angebotspreise massiv senken könnten. Sie schätzen, dass solche Anbieter bis zu 10% des weltweiten Breitbandmarktes (rund 144 Mio. Kunden) erobern könnten.Wie stark sie in einen Markt eindringen können, dürfte vor allem von der Qualität der Infrastruktur abhängen: Je besser die Internetverbindungen, desto weniger Gefahr droht durch alternative Anbieter. Gerade die Schweiz verfügt dabei über eines der besten Mobilfunk- und Festnetze der Welt. Mal abgesehen von den eingangs erwähnten weissen Flecken hat fast das gesamte Land Zugang zu blitzschnellem «Gigabit-Internet» über Kabel- oder DSL-Leitungen. Ganz anders schätzt die UBS die Lage in Ländern wie Italien oder Finnland ein, wo viele Menschen mangels Alternativen sogenanntes Funkfestnetz oder mobiles Internet als Hotspot für zu Hause nutzen.Im Mobilfunkbereich schützt vor allem die RegulierungIm Mobilfunkbereich spricht derzeit vor allem auch eine europäische Kernkompetenz dagegen, dass Satellitenanbieter ihre Dienste einfach über nationale Grenzen hinweg ausrollen: die Regulierung. Funkfrequenzen sind sehr stark regulierte Ressourcen. Auch Satellitenkommunikation muss sich in bestehende Frequenzpläne einfügen und darf terrestrische Mobilfunknetze nicht stören.In Europa ist ein deregulierter Wettbewerb kaum denkbar. Die Europäische Union verfolgt das Ziel, satellitengestützte Mobilfunkdienste zu ermöglichen, ohne die Investitionen der etablierten Netzbetreiber zu entwerten. Hinzu kommt ein geopolitischer Aspekt: Mit Projekten wie IRIS möchte Europa die Abhängigkeit von aussereuropäischen Anbietern reduzieren und strategische Souveränität im Weltraum aufbauen. Satellitenkommunikation wird damit zunehmend Teil der Industrie- und Sicherheitspolitik.In der Schweiz koordiniert das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) die Frequenznutzung und könnte neue satellitengestützte Dienste grundsätzlich zulassen, allerdings nicht ausserhalb des bestehenden Regulierungsrahmens und auch nur im Einklang mit europäischen Vorgaben, wie Branchenvertreter zuletzt am Jahrestreffen des Telekomverbandes Ende Juni betonten. Die Spezifizierung müsse zuerst auf dem Gipfel der Uno-Organisation für Telekommunikation im Jahr 2027 festgelegt werden. Darauf folge die Regulierung in der EU, und erst dann könnten die Schweizer Regulierungsbehörden Comcom und Bakom die Erlaubnis erteilen, sagte Salt-Chef Max Nunziata.Bis dahin gilt: Wer hierzulande Mobilfunkdienste anbieten will, benötigt Frequenzrechte und muss technische Vorgaben erfüllen. Gegenwärtig ist die Verwendung der Mobilfunkfrequenzen nur für den Empfang von Handyantennen zugelassen, nicht für jenen von Satelliten. Theoretisch könnten Satellitenriesen über Partnerschaften aber als «virtuelle Mobilfunkanbieter» (MVNO) auftreten, Frequenzen ersteigern, um so in den Markt einzudringen.Bleiben die drei Schweizer Anbieter Swisscom, Sunrise und die nicht kotierte Salt durch die bereits bestehende, sehr gute Infrastruktur und die Regulierung also weitgehend geschützt?UBS sieht tatsächlich ein geringes Risiko für die etablierten Konzerne hierzulande. Die Schweizer Konsumenten sind gemäss der Studie sehr anspruchsvoll: Sie legen viel mehr Wert auf eine gute und stabile Verbindung als auf den absolut billigsten Preis. Deshalb und weil viele Kombiangebote (Handyvertrag und Heiminternet aus einer Hand) nutzen, bleiben sie ihrem Anbieter in der Regel lange treu. Zumal die Kosten im internationalen Vergleich zwar auf den ersten Blick hoch anmuten, kaufkraftbereinigt geben die Leute laut UBS aber nicht mehr aus als im europäischen Durchschnitt.Das alles bedeutet aus meiner Sicht aber nicht, dass Swisscom und Sunrise keinerlei Auswirkungen spüren werden. Die Schweizer Regulierung wird sich gerade mit Blick auf das Satellitenthema künftig wohl stärker um eine Annäherung an EU-Regeln bemühen. Dies anders als beim Roaming, wo sie bisher explizit ausserhalb der Regelungen des EU-Binnenmarktes bleibt und das «Roam like at home»-Regime nicht übernommen hat, was laut der Helvetischen Bank die Roaming-Gebühren erhöht (und die Telecomanbieter glücklich macht).Eine Harmonisierung innerhalb des EU-Rahmens könnte also den Preisdruck für die hiesigen Anbieter dennoch weiter erhöhen.Freundlich grüsst im Namen von Mrs MarketGabriella Hunter
Droht Gefahr durch SpaceX? Swisscom und Sunrise sind gut geschützt
SpaceX will den Markt für Breitbandinternet und Mobilfunk durch ihre Dienste aufmischen. Das setzt auch den Aktien etablierter Anbietern in der Schweiz zu.







