Wie kam es dazu, dass plötzlich 60.000 Flüchtende versuchten, über die Exklave Ceuta in die EU zu gelangen? Und welche Rolle Marokko spielte.

Bis zu 60.000 Menschen aus Marokko, Algerien und anderen afrikanischen Staaten sind bis zum vergangenen Donnerstag über die normalerweise schwer bewachte und hochgerüstete Grenze in die spanische Exklave Ceuta gelangt. Massenhafte Grenzüberschreitungen gab es hier in der Vergangenheit immer wieder. Doch in keinem Fall war dabei eine so große Zahl an Menschen in Bewegung.

Selbst aus weit entfernten Teilen Marokkos waren Menschen in Bussen in die marokkanische Gemeinde Fnideq gelangt. Vor den Augen von Sicherheitskräften stiegen sie aus und zogen in Richtung der Grenzanlagen am Strand von Tarajal. Viele umrundeten schwimmend eine Mole und kletterten auf der spanischen Seite an Land. Später öffnete die Menge Durchgänge in den Grenzanlagen und lief hindurch. Erst am Donnerstagabend griffen die marokkanischen Sicherheitskräfte wieder ein und schlossen den Übergang, unter anderem mit Wasserwerfern.

Bis Sonntagnachmittag barg Spanien laut Behörden 72 und Marokko 17 Leichen, darunter viele Kinder. Dutzende Menschen sind nach NGO-Angaben weiter vermisst, vermutlich dürften insgesamt über 100 Menschen zu Tode gekommen sein – die meisten durch Ertrinken. Marokko brachte Leichen nach Tanger, wo sie am Sonntag obduziert wurden.