Vom Pop-up zum Liebling: Der Italo-Japaner «Cucina Itameshi» gehört nun als «Trattoria Neumarkt» zu den beliebten Adressen im Niederdorf. PD Mit touristisch ausgerichteten Lokalen ist das Zürcher Niederdorf reich gesegnet. Doch abseits belangloser Futterkneipen haben sich allerlei zuverlässige und gut agierende Restaurants etabliert.Wo das Niederdorf Zürichs im strengen Sinne endet, ist unter Puristen klar. An der Stüssihofstatt ist Schluss, weil dort das Oberdorf beginnt. Doch für die meisten Touristen und auch für viele Feinschmecker ist das gesamte Altstadtgebiet zwischen Central und Rämistrasse beziehungsweise Bellevue einfach als Ausgehviertel namens Niederdorf geläufig. Bei diesen Tipps belasse ich es also bei dieser grosszügigen Definition und weise lieber darauf hin, dass die Gastronomie hier in vielen Fällen besser ist als ihr Ruf.Unter den weit über hundert gastronomischen Betrieben des Quartiers rangieren nämlich mindestens ein gutes Dutzend Etablissements, die sich ganz oder überwiegend empfehlen lassen. Die neue «Brasserie Suisse» gehört ebenso dazu wie das «Frisk Fisk», das noch bis zum 19. August in den Sommerferien weilt. Auch das Restaurant «Zum Weissen Kreuz» soll gut sein, aber da war ich schon so lange nicht mehr zum Essen, dass ich mir über den dort servierten Hackbraten kein Urteil anmasse. Bei anderen Lokalen aber kann ich mitreden.«Igniv»: die Nummer einsNoch ein paar Tage hat das Restaurant sommershalber geschlossen, aber dann dürfte das mit Abstand beste Restaurant des Niederdorfs wieder die gewohnte Leistung erbringen: ein Sharing-Menu auf dem Niveau zweier Michelin-Sterne. Mehrere Male war ich hier zu Gast, zuletzt auf der Terrasse zum Cocktail, habe die Leistung des Teams um Küchenchef Daniel Zeindlhofer immer als herausragend beurteilt. Der Lunch zu 84 Franken stellte einen ausgesprochen sympathischen Tarif dar. PD Beim Besuch des «Igniv» sollte immer auch etwas Zeit in der Bar eingeplant werden. Igniv Zürich, Marktgasse 17, 8001 Zürich«Isebähnli»: Wein- und WirtskompetenzDer bestangezogene Wirt im Niederdorf und ein Lokal, das man missverstehen kann. Das «Isebähnli» ist nämlich keine Weinstube im strengen Sinne, sondern ein echtes Restaurant an der Schwelle zum Fine Dining. Der Chef und Sommelier Yücel Ersan serviert Wagyu Beef und andere Edelprodukte, hat zudem einige der besten Weine Europas in seinen Keller gepackt. Ich habe hier schon grandiose Empfehlungen erhalten und am Schluss mehr Geld ausgegeben, als ich eigentlich wollte. Egal, denn Geschichte und Flair sind unbezahlbar. Von aussen niedlich, doch drinnen wird mit Edelprodukten gekocht. PD Wystube Isebähnli, Froschaugasse 26, 8001 Zürich«Bauernschänke»: Sharing mit PestoWie sich ein Gasthaus neu erfinden kann, hat dieser zentral gelegene Laden längst bewiesen. Ab dem 12. August, nach der Sommerpause, werden wieder das vermutlich beste Bauernbrot des Niederdorfs, grillierter Schweinebauch und coole Gemüsegerichte wie Ananastomaten mit Jalapeño-Minze-Pesto serviert. Weil sich die angebotenen Portionen besonders gut als Sharing-Dishes eignen, empfiehlt sich hier mehr als anderswo der Besuch zu dritt oder zu viert. Begleitet von guten Weinen und überzeugenden alkoholfreien Drinks. PD Am besten teilt man in der «Bauernschänke» alles, so kann man mehr probieren. Restaurant Bauernschänke, Rindermarkt 24, 8001 Zürich«Trattoria Neumarkt»: Sake im GartenFür manche ist der «Neumarkt» leider nicht mehr das weinverliebte Wirtshaus, das es viele Jahre lang unter der Leitung von René Zimmermann war, für andere interpretiert es nun moderne Innenstadtgastronomie auf eine noch überzeugendere Weise.Ich finde beide Versionen des Lokals spannend. Wo kann man sonst noch Sake zum Thunfischtatar trinken und anschliessend einen geschmorten Rindsbraten vertilgen? Wer keinen Wein konsumieren will, bleibt beim hausgemachten Eistee und sorgt dafür, dass nicht allzu viele Menschen Kenntnis vom idyllischen Gastgarten hinterm Haus erlangen. PD Einigen ist die «Trattoria Neumarkt» bestimmt unter dem Namen «Cucina Itameshi» ein Begriff. Aus dem Pop-up wurde ein fester Gastrobetrieb unter neuem Namen, aber mit der gleichen italienisch-japanischen Fusion-Küche. Trattoria Neumarkt, Neumarkt 5, 8001 Zürich«Mère Catherine»: versteckt französischEines der bestgehüteten Geheimnisse des Zürcher Niederdorfs, sofern man nicht auf «NZZ Bellevue» darüber gelesen hat. Bei meinem letzten Besuch habe ich hier das angrillierte Tatar gegessen, einen der Klassiker des Lokals, und die überwiegend französischen Spezialitäten bis hin zur Bouillabaisse machen einen erfreulich authentischen Eindruck. Dazu passt gerade in dieser Jahreszeit eine Flasche vom Muscadet, einem zu Unrecht aus der Mode gekommenen Wein von der Loire mit prima Preis-Leistungs-Verhältnis. Commercio Bereits an den Stühlen erkennt man, was hier serviert wird: französische Küche. Restaurant Mère Catherine, Nägelihof 3, 8001 Zürich«Oepfelchammer»: wiederauferstandenVor gar nicht allzu langer Zeit schien die Geschichte dieser historischen Beiz zu Ende erzählt zu sein. Damals trennten sich die Wege der zentral gelegenen, schon von Gottfried Keller frequentierten Beiz und ihrer Betreiber. Doch dann übernahm der Inhaber der Location selbst das Ruder. Andreas Himstedt lässt inzwischen Tatar, Kalbshackbraten und «Oepfelchüechli» servieren, und die sollen, berichteten mir kulinarisch bewanderte Freunde, untadelig ausfallen. Vor dem Lokal sitzt man auch im Hochsommer sehr angenehm. Auch wenn man auf der Terrasse Platz nimmt, sollte man sich das Restaurant unbedingt von innen ansehen. PD Restaurant Oepfelchammer, Rindermarkt 12, 8001 Zürich«Café Zähringer»: alternativ mit BierDen «Zähringer» liebt man oder hasst man. Selbstverwaltet, alternativ, regional ausgerichtet und gemüselastig. Ich war gerade zum Frühstück da, aber zu essen gibt es den ganzen Tag etwas. Rösti mit veganem Zürigschnätzletem mag nicht jedermanns Sache sein, aber mit der Mezze-Platte können sich wohl die meisten anfreunden. Was den Wein angeht: Der ist leider nicht die Stärke des Hauses. Ich empfehle, auf Bier und Cocktails auszuweichen. Ein gemütliches Piazza-Gefühl kommt beim «Café Zähringer» auf dem gleichnamigen Platz auf. PD Café Zähringer, Zähringerplatz 11, 8001 ZürichSteaks bei Simon: grosse Weine im AngebotMitten im Niederdorf und trotzdem empfehlenswert? Ich war vor meinem ersten Besuch im «Steakhouse» auch ein bisschen skeptisch, habe mich dann aber überzeugen lassen. Gern erinnere ich mich an Tomatensalat, Empanada und ein tadellos zubereitetes Entrecôte; vom angebotenen Wagyu-Beef kann man natürlich auch profitieren, wenn Geld eine weniger prominente Rolle spielt. Die Weine sind bedauerlicherweise nicht wirklich günstig, aber gut ausgewählt: Wer bei Bordeaux und Barolo in die Vollen gehen will, kann das hier tun. Entrecôte vom Wagyu-Beef und grosse Rotweine aus Italien und Frankreich werden bei Simon serviert. PD Simon’s Steakhouse, Niederdorfstr. 13, 8001 Zürich«Le Dézaley»: kleiner Ausflug ins WaadtlandMan sollte keine Wunderdinge erwarten von dieser Beiz, aber für einen Saucisson mit Rösti ist sie allemal gut. Ich habe hier auch einmal tadellosen Nüsslisalat gegessen und dazu einen gut gekühlten Chasselas konsumiert: Der Dézaley-Marsens der Frères Dubois ist einer der besten Waadtländer Weine und wird zu einem sehr akzeptablen Preis abgegeben. Dass eine grosse Portion Käserösti selbst im Hochsommer bisweilen lebensrettend sein kann, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Eine gemütliche Beiz mit Westschweizer Spezialitäten. PD Le Dézaley, Römergasse 9, 8001 Zürich Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Restaurants im Zürcher Niederdorf, vor denen niemand Angst haben muss
Mit Touri-Lokalen ist das Zürcher Niederdorf reich gesegnet. Doch abseits von diesen haben sich allerlei zuverlässige und gut agierende Restaurants etabliert.








