Im Restaurant «Et Cetera» in Zürich Wiedikon treffen eine reduzierte Karte und die nordische Einrichtung auf eine produkteorientierte Küche. Das funktioniert, vom Gebäck bis zum Znacht.Wo in Zürich Wiedikon früher das «Schiwago» war, hat diesen Frühling mit dem «Et Cetera» ein neues Quartierrestaurant eröffnet. Optisch erinnert kaum noch etwas an das einstige Lokal: Nicht mehr dunkles Täfer und Wandteller bestimmen den Gastraum, sondern Tageslicht, helles Holz und schlichte Designklassiker. Wo draussen früher das Grünzeug wucherte, sitzt man bei unserem Besuch im Juni unter blühenden Glyzinien. Alles schön hell, schlicht und aufgeräumt. Ein bisschen wie in Kopenhagen. Das Interior-Design wie auch die Wandlampen stammen von Nadine Ottawa vom Studio Ottawa. PD Der Tresen wurde von Lea Hürlimanns Bruder Hannes von H3 Holzdesign geschreinert. PD Wo es früher wucherte, ist heute mehr Platz auf der Terrasse. PD Die Terrasse ist an diesem Abend voll, die Stimmung ist entspannt. Auf der niedrigen Mauer rundherum trinken Gäste sitzend Wein, andere kommen zum Znacht oder auch nur auf einen Kaffee und eines der hausgemachten Gebäcke vorbei. Das «Et Cetera» ist Restaurant, Bar, Café und Lunchlokal, vor allem aber ein Treffpunkt für das Quartier und darüber hinaus.Übernommen haben das Lokal Aurelia Stirnimann und Lea Hürlimann, die in der «Casa Alpina Belvedere» auf der Alp Grüm mit regionaler, saisonaler Küche und hochwertigen Zutaten Gäste auf 2091 m ü. M. lockten. Am Herd steht Maria Horowska, zuvor an namhaften Zürcher Adressen wie der «Collective Bakery», im «Gül» und im «Char» tätig, die diese produkteorientierte Küche in Wiedikon auf den Teller bringt.Süss, sauer, salzig, cremig, geröstetUnd die ist raffinierter, als die reduzierte, saisonal wechselnde Karte vermuten lässt. Den Anfang macht hausgemachtes Sauerteigbrot, das mit zwei Sorten aufgeschlagener Butter serviert wird. Für 9 Franken kommen vier dicke Scheiben auf den Tisch, die so frisch und luftig wie die Butter sind. Dazu trinken wir einen Orange Wine, der zugänglich und nicht allzu «funky» ist – genau so, wie wir ihn uns gewünscht haben. Es werden täglich neue Flaschen Naturwein geöffnet. Das Sauerteigbrot backt das «Et Cetera»-Team im hauseigenen Mikro-Steinofen. PD Dazu bestellen wir Deviled Eggs mit Randenmousse und Kräuteremulsion (8 Franken). Die Rande färbt das Eiweiss violett, die grüne Füllung schmeckt frisch und krautig. Darüber kommen geriebener Käse, Dill und knusprige Brösel als Kontrast zur cremigen Füllung.Nicht weniger bunt ist der Salat aus Favabohnen, grünem Spargel, Ziegenkäse, frischen und eingelegten Erdbeeren und Dill (18 Franken). Gerösteter Buchweizen sorgt bei diesem Gericht für Crunch, ein paar Tropfen Chiliöl für Schärfe. Diese trifft auf ein schönes Zusammenspiel aus Süsse, Säure, Frische und Cremigkeit, was zusammen weit Vielschichtigeres als einen erwartbaren saisonalen Salat ergibt. sie. sie. Bunt, frisch, saisonal und regional: Das «Et Cetera» setzt auf ausgewählte Produkte und überraschende Kombinationen. Weiter geht es mit Stracciatella mit Caponata aus Auberginen und San-Marzano-Tomaten (17 Franken). Die Caponata ist geschmacksintensiv, jedoch auch an der oberen Salzgrenze. Die grosszügige Menge Stracciatella bringt jedoch den Ausgleich. Auch wird etwas Leichteres, wie etwa der Bohnen-Spargel-Salat, als Gegenpart zu diesem schwereren Gericht empfohlen.Die Portionen sind grosszügig und eignen sich gut zum Teilen. Preislich liegt das «Et Cetera» nicht am unteren Ende der Skala, für die Produktqualität und das Gebotene sind die Gerichte aber fair bepreist, so dass man sich durch einiges auf der Karte probieren kann.Von Sauerteiggebäck bis Kombucha alles selbst gemachtZum Schluss kommen Austernseitlinge in einem Gemüsejus aus Lauch, Karotten, Zwiebeln und weiteren Pilzen auf den Tisch, versteckt unter einem grillierten Kohlblatt (23 Franken). Die Pilzfüllung ist angenehm leicht, dazu kommen schöne Röstaromen des Kohls. Der Gemüsejus gibt mit Säure und Salzigkeit eine kräftigere Richtung vor. Gut, dass noch etwas Sauerteigbrot zum Tunken übrig ist. Grillierter Kohl, Austernseitlinge und Gemüsejus bilden den warmen Abschluss. PD Das neue Quartierrestaurant zeigt, wie viel Spannung aus ausgewählten Produkten und dem Spiel mit Süsse, Säure und Frische, mit Röstaromen, Cremigkeit und unterschiedlichen Texturen entstehen kann. Dass hier vieles von Grund auf selbst gemacht wird, überrascht deshalb kaum. Dazu gehören Kombucha ebenso wie Sauerteiggebäck wie Kardamom-Buns. Platz dafür bleibt im Bauch leider nicht mehr. Ein weiterer Besuch ist damit begründet.Auf einen Blick Adresse Et Cetera, Bertastrasse 76, ZürichKosten Portionen zwischen 6 und 24 FrankenPublikum Wiediker, junge GourmetsDesign skandinavisch, hellGastronomie unkompliziert, überraschend Der Besuch erfolgte auf Einladung. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.