Mehr als 120 Schweizer Weine plus AOP/IGP-Produkte auf dem Teller – so lässt sich das Konzept der «Brasserie Suisse» zusammenfassen. Das Restaurant schafft damit den Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und Ambitionen.Über die Weinauswahl der «Brasserie Suisse» hat bereits mein Kollege Peter Keller geschrieben. Dass man sich in dem gerade eröffneten Lokal in der Zürcher Altstadt auf Flaschen von Schweizer Erzeugern beschränkt und gleichzeitig eine riesige Auswahl bietet, ist tatsächlich eine Nachricht wert. Die ausserhalb der Schweiz vielfach nicht genügend bekannten Rebspezialitäten werden auf erfreuliche Weise propagiert.Beim Essen ist es ähnlich und führt schnurstracks zu jenen Problemen, vor denen ein Restaurant unterhalb des Fine-Dining-Niveaus steht. Wer vor allem auf Produkte mit AOP/IGP-Label setzt, kauft notwendigerweise teurer ein als der, der sich einfach irgendetwas liefern lässt, folglich muss auch relativ teuer verkauft werden. Weil der Wettbewerb im Niederdorf erheblich ist, kann das ein Wettbewerbsnachteil sein. Da hilft nur, konsequent die Kenner anzusprechen. Worauf hier Wert gelegt wird, ist bereits von draussen klar sichtbar. PD Bistro-Flair oder Essen auf der Gasse? Klare Präferenz!Die Tische draussen sind begrenzt, aber unbedingt zu empfehlen. Verkehr existiert hier nicht, und das Serviceteam – um den Verantwortlichen Sascha Jänicke, der zuvor in einem namhaften Restaurant an der Goldküste tätig war – gibt sich alle Mühe, den Gästen den Aufenthalt zu verschönern. Was es an offenen Weinen gibt, steht auf der Tafel, was die Flaschenkarte bietet, kann man am Tisch lesend herausfinden. Es ist eine Menge!Aber auch zu speisen gibt es einiges. Klassiker der Schweizer Küche, die zum allergrössten Teil auf Käse, Wurst und etwas Fleisch basieren. Veganer haben es schwer, Vegetarier allerdings müssen sich keine Sorgen machen. Ich startete mit einem Innerschweizer Salat, der neben Sbrinzwürfeln und Dampfkartoffeln auch Sonnenblumenkerne sowie eine hausgemachte Sonnenblumenöl-Vinaigrette umfasste. Tadellos, auch wenn man darüber diskutieren kann, ob der Sbrinz nicht etwas kleiner gewürfelt werden könnte. Gutes Brot wurde ebenfalls serviert.Die schweizerische DreifaltigkeitFondue, Raclette und Rösti sind ja für viele Gäste im In- wie im Ausland das kulinarische Trio der Schweiz. Und tatsächlich stehen diese drei Gerichte in diversen Varianten im Fokus der «Brasserie Suisse». Dass man Fondue ab zwei Personen serviert – einen Klassiker wie Moitié-Moitié oder eines mit Schweizer Schaumwein –, ist logisch. Also bestellt der allein essende Tester Rösti. Überbacken mit Tomatenscheiben und Walliser Raclettekäse, saftig, gut gewürzt, unverkennbar hausgemacht. Was will man mehr? Ich nichts! Wer keinen Tisch auf der Gasse ergattert, hat auch von drinnen eine schöne Aussicht nach draussen. PD Gekocht werden Schweizer Klassiker mit viel Käse. PD Nächstes Mal werde ich ab September kommen, wenn die Saison des Vacherin Mont-d’Or beginnt und selbiger in der Holzschachtel samt Dampfkartoffeln und Salat auf den Tisch kommt. Schön, dass sich die «Brasserie» an die luxuriöseste Form des Fondues herantraut. Wer will, kann dazu auch die wenig schweizerischen Pommes frites bestellen.Ein bisschen Fleisch, viele Spätzli und Ribelmais als SpezialitätRibelmais, hausgemachte Spätzli und ein paar Fleischgerichte ergänzen das käselastige Programm. Nichts gegen Cordon bleu und Kalbsbratwurst, aber warum erfährt man zum Zürcher Kalbsgeschnetzelten so wenig? Welcher Metzger, welcher Bauer, Nieren mit von der Partie oder nicht?Ich blieb lieber bei Kuchen. Saftig, hausgebacken, mit Zitrone verfeinert. Ein überzeugender Abschluss. Die «Brasserie Suisse» ist kein Gourmetrestaurant und tut auch nicht so, als wäre sie eines. Aber ihr Angebot hat Hand und Fuss.Auf einen Blick Adresse Brasserie Suisse, Weite Gasse 6, 8001 ZürichKosten Hauptgerichte kosten zwischen 15 und 48 Franken.Bewertung Küche: 6/10, Gastkultur: 7/10Anmerkung Die Bewertungen orientieren sich an der denkbaren Höchstnote von 10 Punkten. Die Note für die Küche betrifft ausschliesslich die Qualität der Speisen, jene für Gastkultur umfasst sämtliche übrigen Aspekte eines Restaurantbesuchs. Der Besuch erfolgte auf Einladung. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Die «Brasserie Suisse» macht mit ihrem Fokus auf Heimat vieles richtig
Mehr als 120 Schweizer Weine plus AOP/IGP-Produkte auf dem Teller – so lässt sich das Konzept der neu eröffneten «Brasserie Suisse» zusammenfassen.






