Mit einem gemeinsamen Auftritt in der Geschäftsstelle des Violence Prevention Network wollten Raed Saleh, SPD-Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, und Thomas Mücke, Geschäftsführer der Präventionsorganisation, ein Zeichen setzen. Nach dem CSD-Anschlag verteidigten sie die Arbeit der Organisation, bei der auch der mutmaßliche Täter Abdul B. vorstellig geworden war.Sechs Tage nach dem Anschlag treffen hier Politik und Praxis aufeinander. Weder Saleh noch Mücke versprechen Sicherheit. Wie weit die Möglichkeiten der Prävention reichen, formuliert Mücke ohne Beschönigung: „Sie können einen Einzelfall nicht verhindern.“ Saleh sitzt daneben und wird an diesem Vormittag trotzdem für mehr Prävention werben.
Der Fall, den die Beratungsstelle hätte ablehnen können
Salehs Einordnung des Anschlags ist knapp: religiöser Fundamentalismus, und ein Angriff auf das queere Leben. Er dankt denen, die in den Tagen danach dafür geworben haben, „dass man nicht die 450.000 hier lebenden Muslime für die Tat von Islamisten verantwortlich machen kann“. Viele davon aus der queeren Community selbst.Mücke stellt einen Satz an den Anfang, der in der Debatte der vergangenen Tage unterging: „Wir waren nicht gezwungen, mit dieser Person zu arbeiten.“ Eine gerichtliche Weisung habe es gegeben, bindend für den Träger sei sie nicht gewesen. Man hätte abwarten können, ob der Mann selbst Kontakt sucht. Dass man es nicht tat, folgt einem Prinzip: „Wir lassen nichts unversucht.“ Das Gegenszenario hält Mücke für weitaus schlimmer: Hätte die Beratungsstelle den Kontakt gar nicht erst aufgenommen, wäre die Kritik nach dem Anschlag heute noch größer.Warum kam die Zuweisung so spät? Die Frage greift er auf, bevor sie gestellt wird. Der Radikalisierungsprozess sei lang gewesen und habe Spuren hinterlassen, soziale und emotionale Auffälligkeiten habe es schon in frühen Jahren gegeben. „Die Frage ist berechtigt, und die stellen wir uns auch.“ Je früher solche Programme greifen, desto erfolgversprechender seien sie. Eine Kausalkette lässt er daraus dennoch nicht werden. Es gebe Vergleichsfälle mit sehr späten Zuweisungen, erheblicher Radikalisierung und mit guter Entwicklung. „Es gibt keinen Automatismus. Jeder Fall ist anders.“Die eigenen Akten hat der Träger inzwischen erneut durchgesehen, auch mit Blick auf versteckte Bedrohungssignale, ebenso die Informationsflüsse. Sein Befund: „Keiner dieser Vorschläge hätte etwas daran verändert, dass das letzte Wochenende so furchtbar verlaufen ist.“











