Stand: 29.07.2026 • 13:26 Uhr

Den mutmaßlichen Attentäter vom CSD in Berlin hatten die Behörden im Blick - dennoch kam es zum Anschlag. Nach lauter Kritik weist die Berliner Justiz Vorwürfe zurück. Die öffentliche Auseinandersetzung sei zu "undifferenziert".

Der mutmaßliche Täter des Anschlags am Rande des Christopher Street Day - Abdul B. - war polizeibekannt, Islamist und bereits verurteilt. Wie konnte es dennoch zu der Tat kommen? Seit vergangenem Sonntag wächst die Kritik, unter anderem am Vorgehen der Berliner Gerichte.

Denn der 21-Jährige war im Mai von einem Jugendgericht zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Gleichzeitig wurde ein bestehender Haftbefehl aufgehoben. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft forderte eine höhere Strafe und legte Berufung ein. Abdul B. musste zunächst nicht in Haft, wurde zeitweise überwacht und konnte sich frei bewegen.

Nun meldet sich die Berliner Justiz zu Wort und verteidigt sich gegen Kritik. Die öffentliche Auseinandersetzung sei vielfach pauschal und von wenig Faktenkenntnis geprägt. Sie erschöpfe sich darin, "nahezu reflexhaft nach vermeintlich Verantwortlichen zu suchen", erklärten die Präsidentin des Kammergerichts, Andrea Diekmann, und Generalstaatsanwältin Margarete Koppers in einer gemeinsamen Mitteilung.