Frau Trau, wie unterstützt Lambda bisher queere Jugendliche?Wir sind ein Verband von queeren Jugendlichen für queere Jugendliche. Im Zentrum unserer Arbeit steht die professionelle Beratung bei persönlichen Problemen, Erfahrungen mit Mobbing und Gewalt oder Unsicherheiten in der Phase des Coming-outs.Wir organisieren aber auch Veranstaltungen und schaffen sichere Räume zur Vernetzung, zum Beispiel mit unserem digitalen queeren Jugendzentrum als besserer Alternative zu kommerziellen sozialen Medien. Das ist insbesondere für Jugendliche wichtig, die in ihrem Umfeld niemanden haben, an den sie sich im Vertrauen wenden können.Für diese Arbeit bekommen Sie Fördergelder vom Bundesfamilienministerium, zuletzt rund 380.000 Euro jährlich. Damit soll zum Jahresende Schluss sein. Hat sie diese Entscheidung überrascht?Das kam für uns völlig unerwartet und war ein großer Schock. Es gab im Vorfeld kein Gesprächsangebot. Ich hätte gern mal mit Frau Prien oder ihrer Staatssekretärin gesprochen und gefragt, was das Problem ist und ob es Verbesserungsvorschläge zu unserer Arbeit gibt. Das wurde uns bisher nicht angeboten.Wir arbeiten seit 36 Jahren vertrauensvoll mit dem Ministerium zusammen. Wenn jetzt unsere Förderung wie geplant vollständig gestrichen wird, bedeutet das für unsere Arbeit das Aus. Wir müssen uns dann über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanzieren. Aber wir sind ein Verband für junge Menschen. Die haben schlicht nicht das Geld, aus eigener Kraft die notwendigen Strukturen zu stemmen.Wie erklären Sie sich die Kürzung?Da kann ich nur spekulieren. Was uns mitgeteilt wurde, war extrem knapp. Aus Gesprächen mit anderen Jugendverbänden wissen wir aber, dass es dort keine vergleichbaren Kürzungen gibt. Wir wurden offensichtlich herausgegriffen. Geht es darum, zu sagen: Mit Queerness wollen wir nichts zu tun haben? Ich weiß es nicht.Für Deradikalisierung ist jetzt Geld da. Aber nur bei den potenziellen Täter*innen anzusetzen, greift zu kurz. Wir Queers sind täglich die Zielscheibe von Hass und Gewalt. Die Antwort darauf muss doch sein, die queere Selbstorganisation und Unterstützungsangebote zu stärken.Welche Folgen würde es für queere Jugendliche haben, wenn Sie Ihre Arbeit einstellen müssen?Wir können dann keine Jugendberatung mehr anbieten, denn dazu brauchen wir Fachkräfte, die bezahlt werden müssen. Bei uns melden sich viele Jugendliche mit Suizidgedanken oder Gewalterfahrung. Wir können es nicht verantworten, die von Ehrenamtlichen beraten zu lassen, und können ihnen dann nicht mehr helfen. Gerade im ländlichen Raum haben queere Jugendliche oft niemanden, an den sie sich bei Problemen wenden können. Diese Lücke versuchen wir bisher zu füllen.Das Ministerium betont, wir könnten uns ja weiter auf Projektmittel bewerben. Aber das kann die Strukturen nicht ersetzen. Wer soll die Förderanträge stellen, wenn wir kein Personal mehr beschäftigen können?Hoffen Sie, dass Frau Prien ihre Meinung noch ändert? Gerade jetzt, wo die Bedrohung, der queere Menschen ausgesetzt sind, noch einmal so drastisch zutage getreten ist?Ich suche nach Signalen, aber von Tag zu Tag schwindet meine Hoffnung. Wir erleben viel Zuspruch aus der Community. Vielleicht kann der öffentliche Druck etwas bewirken. Ich kann nur an die Verantwortlichen appellieren, die Streichung noch einmal zu überdenken. Wir wollen eine gemeinsame Lösung finden.
Queerer Jugendverband Lambda verliert Förderung: „Jugendlichen mit Suizidgedanken können wir dann nicht länger helfen“
Familienministerin Karin Prien (CDU) streicht Fördergelder zusammen und erntet dafür viel Kritik aus der queeren Community. Im Interview erzählt die Geschäftsführerin von Lambda, was die Pläne der Regierung bedeuten würden.














