Die Wasserpegel sinken, Regen ist nicht in Sicht. Trotzdem lässt die Stadt Zürich ihre 1200 Brunnen weiterlaufen. Weshalb?In vielen Gemeinden herrscht Feuerverbot, einige Kommunen rufen zum Wassersparen auf. In der Stadt Zürich hingegen gibt man sich gelassen.27.07.2026, 05.00 Uhr4 LeseminutenWasserfontänen auf dem Sechseläutenplatz: Noch hat die Stadt Zürich dafür genug Reserven. Nathalie Taiana / NZZ31, 32, 33 Grad – diese Woche verspricht wieder heisse Tage. Heisse, trockene Tage. Selbst kurze Sommerschauer oder Gewitter bleiben voraussichtlich aus. Die Trockenperiode, die bereits im Frühling angefangen hat, dürfte andauern. Derweil sinkt der Grundwasserspiegel, Quellwasser wird spärlicher.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Kanton Zürich haben zahlreiche Gemeinden Grill- und Feuerwerksverbote erlassen. Manche mahnen die Bevölkerung dazu, Wasser zu sparen – etwa Rasen nicht mehr zu wässern oder Pools nicht mehr zu füllen. Einzelne Gemeinden drosseln den Wasserzulauf in ihre Brunnen oder stellen sie gar ganz ab.So hat ennet der Kantonsgrenze etwa die Stadt Rapperswil-Jona entschieden: Sie hat am Freitag sämtliche Brunnen vorerst abgestellt. In einer Medienmitteilung verweist Rapperswil auf den fehlenden Regen. Die Stadt ermahnt die Bevölkerung, weiterhin Wasser zu sparen, und schreibt: «Der Betrieb der Brunnen würde in der aktuellen Situation den allgemeinen Sparbemühungen widersprechen und den Wasserverbrauch unnötig erhöhen.» Rapperswil-Jona wässert ausserdem seit Ende Juni seine Rasenflächen nicht mehr regelmässig.Die Stadt Zürich ruft selber ebenfalls zum Wassersparen auf, ihre Brunnen plätschern aber munter weiter. Auch Pools zu befüllen oder Rasen zu wässern, ist weiterhin erlaubt.Zürichs natürliches ReservoirIn der Stadt Zürich stehen 1200 Brunnen, 800 davon mit Trinkwasser. Sie werden zu 70 Prozent mit Seewasser, zu 15 Prozent mit Quellwasser und zu 15 Prozent mit Grundwasser gespeist. Da wäre der Schluss naheliegend, dass die Brunnen abgestellt werden, wenn das Wasser wegen der anhaltenden Trockenheit knapp wird.Doch die Stadt Zürich hat Glück, was die Wasserversorgung angeht. Denn sie verfügt über ein natürliches Reservoir, das selbst «in den heissesten Sommern» nicht versiegt, wie die Stadt schreibt: den See.Der Zürichsee fasst 3,9 Kubikkilometer Wasser. Direkt aus ihm zu trinken, ist zwar eine schlechte Idee, doch mit einigen Reinigungsschritten wird aus dem Seewasser rasch Trinkwasser. In vier Seewasserwerken wird das Seewasser mit insgesamt 33 verschiedenen Filtern gereinigt.Der Zürichsee füllt sich mit Wasser aus insgesamt 32 Zuflüssen. Fliesst von dort Wasser in den gewohnten Mengen, sollte sich das Wasser im Zürichsee alle sechs Jahre komplett erneuern. Ist dieser riesige Wasserspeicher in Gefahr, wenn die Sommer so heiss und trocken sind wie der jetzige?Die Linth, die im Glarner Tödi-Massiv entspringt, ist der wichtigste Zufluss des Zürichsees. Doch ist es so heiss wie diesen Sommer, tragen die Zuflüsse kaum Wasser in den See. Momentan fliessen pro Sekunde etwa 20 Kubikmeter Wasser aus der Linth in den Zürichsee – das ist deutlich weniger als in anderen Jahren zur selben Zeit. Auch der Wasserpegel des Sees ist etwa zehn Zentimeter tiefer, als er zu dieser Jahreszeit sein sollte.Die Trinkwasserversorgung in Zürich gefährdet das aber bis anhin nicht. Auch wenn der Wasserpegel tiefer ist als in den Jahren mit mehr Regen, ist noch genug Wasser da – auch solches, das von der Hitze kaum tangiert ist. «Wir fassen das Wasser aus 35 Meter Tiefe, deshalb hat die Hitze darauf kaum einen Effekt», schreibt Benjamin Schenk, Mediensprecher der Stadt Zürich, auf Anfrage der NZZ.Brunnen abzustellen, um Wasser zu sparen, ist deshalb kein Thema. Im Gegenteil: Viele der Zürcher Brunnen sind Teil des Notwassernetzes. Das heisst beispielsweise, dass sie nicht auf Strom angewiesen sind, um zu funktionieren. So kann die Bevölkerung sich mit Wasser versorgen, auch wenn über längere Zeit kein Strom fliesst. Die Brunnen, die Teil des Notwassernetzes sind, erkennt man daran, dass sie bronzefarben sind.Ausserdem wäre es teuer, die Brunnen abzustellen, schreibt die Stadt auf Anfrage. Die Brunnen müssten zuerst abgestellt, dann weiter instand gehalten und schliesslich neu gestartet werden. Das alles koste.Allerdings prüft die Stadt momentan, welche Brunnen abgestellt werden könnten, sollte länger Trockenheit herrschen.Derzeit beschränkt sich die Stadt Zürich darauf, die Bevölkerung darauf hinzuweisen, dass ein «bewusster Umgang» mit Wasser wichtig sei, wie Schenk schreibt. An Hitzetagen steigt der Wasserverbrauch in Zürich und den Gemeinden, die mit Zürich zusammen ihre Wasserversorgung organisieren, sprunghaft an. An Spitzentagen verbrauchen all diese Gemeinden zusammen so über 200 000 Kubikmeter Trinkwasser am Tag. «Zum Vergleich: Der Prime Tower in Zürich hat ein Volumen von rund 228 000 Kubikmetern», schreibt der Mediensprecher Benjamin Schenk.Doch auch für solche Spitzentage reichen die Vorräte noch. Rufen die Gemeinden zum Wassersparen auf, liegt das nämlich (noch) nicht primär daran, dass das Wasser ausgeht – sondern vielmehr daran, wie es verteilt ist. Haben Gemeinden keine eigenen Quellen und sind stark vom Grundwasser abhängig, kann es sein, dass es in einer Gemeinde wenig Wasser gibt. Andere haben aber genug – und können deshalb Wasser verkaufen. Die Versorgung der Bevölkerung ist so sichergestellt, nur eben anders als sonst. 95 Prozent der Bevölkerung wohnten in Gebieten, wo die Wasserversorgung mindestens zwei Standbeine habe, schreibt der Kanton auf Anfrage.Der Haken: Wasser zuzukaufen, ist für die Gemeinden teuer. Um hohe Kosten zu vermeiden, rufen die Gemeinden also zum Wassersparen auf – und das mit Erfolg: Die Gemeinde Pfungen etwa schreibt, dass sie den Wasserverbrauch dadurch um 10 Prozent habe senken können.Passend zum Artikel
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