«Keine Swimmingpools füllen!»: Erste Gemeinden rufen zum Wassersparen auf. Doch das hat nur bedingt etwas mit Wassermangel zu tunDie Trockenheit nimmt zwar zu, und der Wasserverbrauch steigt. Aber aus Sicht des Kantons hat es genug Trinkwasser. Warum animieren Gemeinden ihre Bürger dennoch zum Sparen?25.06.2026, 05.00 Uhr4 LeseminutenMehrere Gemeinden im Kanton Zürich empfehlen ihren Einwohnern, den Rasen nicht mehr zu bewässern und wo immer möglich den Wasserverbrauch zu senken.Jean-Christophe Bott / KeystoneDie Hitzewelle hält an, und allmählich scheint die Trockenheit zum Problem zu werden. Einzelne Gemeinden im Kanton Zürich rufen ihre Bevölkerung bereits dazu auf, den Wasserverbrauch zu reduzieren, so Dinhard, Maschwanden und Pfungen. «Helfen Sie mit, während der Zeit der grossen Trockenheit Wasser zu sparen!», schreibt die Pfungener Exekutive auf der Website der Gemeinde. Die Hitze und der fehlende Niederschlag hätten zu sinkenden Grundwasserständen sowie zur starken Reduktion der Quellwasserzuläufe geführt. Damit sich die Situation verbessere, brauche es eine intensive Regenperiode, welche aber in naher Zukunft nicht absehbar sei.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Und eben darum sei nun Sparen angesagt. Die Gemeinde geht mit gutem Beispiel voran: Bei den Brunnen drosselte sie die Wasserzufuhr, und die Rasen der Gemeinde werden seit einer Woche nicht mehr bewässert. Ähnliches empfiehlt sie der Gemeindebevölkerung: Sie solle Rasen, Sträucher, Bäume nicht mehr bewässern, aufs Autowaschen verzichten, keine Swimmingpools füllen und lieber kurz duschen als ein Vollbad nehmen.Sollten aufgrund der meteorologischen Entwicklung weitere Massnahmen notwendig sein, werde der Gemeinderat diese umgehend beschliessen und kommunizieren, heisst es am Schluss der behördlichen Mitteilung. Das klingt ernst. Droht den Gemeinden irgendwann das Wasser auszugehen?Davon ist nicht auszugehen. Denn die Sparübungen haben eher einen monetären als einen existenziellen Hintergrund.Genug Trinkwasser für 200 Olympia-SchwimmbeckenEs ist nämlich so: Der Kanton Zürich verfügt über reichhaltige Wasserressourcen, die selbst dann nicht zur Neige gehen werden, wenn der Schweiz ein Hitzesommer wie 2003 bevorsteht. Die Schweiz wird gerne als Wasserschloss bezeichnet, und diese Bezeichnung trifft auch auf Zürich zu. Die hiesige Wasserversorgung kann auf 9 Seewasserwerke, über 100 grössere Grundwasserfassungen und 1000 Quellgruppen zurückgreifen. 20 Prozent des Trinkwassers stammen dabei aus Quellen, je 40 Prozent aus Grund- und Seewasser. Und da sind beträchtliche Reserven vorhanden. Dem Zürichsee werden pro Jahr nur rund 2 Prozent des Gesamtvolumens entnommen.Wenn, dann handelt es sich bei der Zürcher Wasserversorgung eher um ein Verteil- als um ein Mengenproblem. Nicht alle Regionen können auf gleich üppige Trinkwasserreserven zugreifen. Einzelne Quellen können bei anhaltender Trockenheit durchaus unter Druck geraten.Aufgrund des Bevölkerungswachstums stiessen viele kommunale Wasserversorgungen schon Mitte des letzten Jahrhunderts an ihre Grenzen. Um gemeinsam Ressourcen zu erschliessen und sich gegenseitig aushelfen zu können, schlossen sich viele Gemeinden zu Gruppenwasserversorgungen zusammen.Zwar sind die Gemeinden selbst für die Wasserversorgung zuständig, dem Kanton obliegt aber die Oberaufsicht. Mit dem kantonalen Trinkwasserverbund sorgt er dafür, dass die einzelnen Regionen ausreichend versorgt sind. Den Kanton durchzieht ein Geflecht von riesigen Leitungen mit bis zu zwei Metern Durchmesser, durch die gewaltige Wassermengen gepumpt werden können. Das Ziel des Kantons, dass alle lokalen Wasserversorger über mindestens zwei voneinander unabhängige Einspeisungen verfügen, ist praktisch erfüllt. Nur in wenigen, peripher gelegenen Weilern könne es zu Engpässen kommen, schreibt der Kanton.Der durchschnittliche Trinkwasserbedarf der Zürcher Bevölkerung von rund 380 Millionen Litern pro Tag – was dem Inhalt von 100 Olympia-Schwimmbecken entspricht – kann problemlos gedeckt werden. Und auch an Tagen mit einem Spitzenverbrauch von 600 Millionen Litern verfügt der Kanton immer noch über Reserven von 200 Millionen Litern.Aber wird das auch in Zukunft reichen, wenn die Bevölkerungszahlen weiter zunehmen und der Klimawandel für häufigere und längere Trockenperioden sorgt? Die Zürcher Baudirektion hat dazu 2013 eine Studie verfasst. In dieser kamen die Experten zu dem Schluss, dass auch in Zukunft ausreichend Wasser vorhanden sein werde. Zudem hat der Kanton einen Trumpf, den er noch nicht gezogen hat: das grosse Grundwasservorkommen des Rheins im Norden des Kantons. Sollte der Bedarf weiter wachsen, ist geplant, auch diese Wasserreserve anzuzapfen und mittels grosser Leitungen in den kantonalen Verbund einzuspeisen. Dies soll aber frühestens ab 2050 ein Thema werden.Zugekauftes Wasser verursacht «massive Mehrkosten»Wenn alles so gut aussieht, stellt sich die Frage, warum Gemeinden zum Wassersparen aufrufen. Auch dazu findet sich ein Hinweis in der Mitteilung des Pfungener Gemeinderats. Darin heisst es: «Die Wasserversorgung Pfungen muss eine steigende Menge an Trinkwasser von externen Wasserversorgungen zukaufen, was die Kosten der Wasserbeschaffung massiv erhöht.»Pfungen kauft das zusätzliche Wasser in Winterthur ein. Innerhalb einer Woche seien es 2,8 Millionen Liter gewesen, schreibt die Gemeinde auf Anfrage. Bei einer Überschreitung der Vertragsbedingungen werde «der fünffache Leistungspreis fällig». Die konkreten Zusatzkosten nennt die Gemeinde nicht. Angesichts der Winterthurer Wassertarife von 85 Rappen pro tausend Liter könnte es sich um einen vierstelligen Betrag handeln. Klar ist jedenfalls, dass die Gemeinde auf den Kosten sitzen bleibt. Da die Wassertarife festgesetzt sind, könnten die Mehrkosten «den Verbrauchern nicht unmittelbar in Rechnung gestellt werden».Das sei aber nicht ausschlaggebend gewesen für den Sparaufruf, schreibt die Gemeinde, sondern der gesunkene Ertrag an der Quelle und der gestiegene Verbrauch. Und der Appell habe sich gelohnt. Der Bezug sei um 10 Prozent gesunken im Vergleich des letzten mit dem vorletzten Wochenende.So oder so wurden also flüssige Mittel gespart.