Hitze, Trockenheit und mehr Konflikte ums Wasser: Jetzt soll der Bund dafür sorgen, dass die Schweiz ihren Wasserverbrauch besser plant und reguliertDie Schweizer Wasserversorger fordern angesichts der zunehmenden Knappheit landesweite Vorgaben für die Planung, Nutzung und Speicherung der Vorkommen.19.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenKnappes Gut: Blick in ein Stadtzürcher Wasserreservoir.Karin Hofer / NZZEs brauchte eine saubere Bedarfsanalyse, einige Gespräche, etwas Nachhilfe in Sachen Kartoffelanbau und einen Test – nun läuft die Sache. Anton Pieren, Geschäftsführer der Wasserverbund Kiesental AG im Berner Mittelland, hat jetzt einen Plan, wie er in der extremen Trockenheit dieses Sommers die knappe Ressource unter den Grossverbrauchern in seinen elf Gemeinden besser verteilen kann: Jeweils in der Nacht vom Montag darf von 21 Uhr bis Mitternacht und von 2 bis 6 Uhr Konolfingen als grösste Gemeinde ihre Sport- und Schulhausplätze wässern. Am Dienstag kommt dann Grosshöchstetten dran, am Mittwoch die übrigen, kleineren Dörfer.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Nächte von Donnerstag und Freitag sind für die beiden Bauern reserviert, die ihre Äcker mangels eigener Quellen aus dem öffentlichen Netz bewässern dürfen. Und am Wochenende, wenn das Gewerbe ruht, ist Wasser für die Gärten der Bewohner da, wobei mehrere Gemeinden mit Erfolg Sparappelle lanciert haben. «So können wir den Verbrauch glätten, so dass das Wasser für alle reicht», sagt Pieren. «Und das hat bisher gut funktioniert.»Pieren betreibt im Kleinen, was die Schweiz laut Fachleuten im Grossen tun sollte, aber bisher sträflich vernachlässigt: ein breites Wassermanagement. Darum fordern die Schweizer Wasserversorger nun die Politik mit Nachdruck zum Handeln auf: «Wir brauchen einen besseren und verbindlichen rechtlichen Rahmen zur Wassernutzung», sagt Martin Bärtschi, der Fachverantwortliche Wasser beim Verband der Gas-, Wärme- und Wasserversorger (SVGW).Der Grund liegt beim Klimawandel. Hitze, Trockenheit sowie chemische Verunreinigungen machen es zunehmend anspruchsvoller, immer und überall genug Wasser zum Trinken, Bewässern, Kühlen oder Löschen zur Verfügung zu stellen. Es drohen vermehrt Konflikte darüber, wer wann wie viel Wasser nutzen darf. «Und je schwieriger das wird», so Bärtschi, «desto besser müssen wir planen.»Wer bekommt wie viel?Der Verband hat darum nach zweijähriger Arbeit im Mai dem Bund einen Plan präsentiert, der auf einen Paradigmenwechsel hinausläuft. Heute ist das Wassermanagement in der Hand der Kantone, nun soll der Bund die Regie übernehmen, beispielsweise über ein neues, nationales «Wasserwirtschaftsgesetz».Konkret soll der Bund etwa vorschreiben, wer welche Daten zum Wasser messen, erfassen und melden muss. Denn diesbezüglich fischt die Schweiz im Trüben: Genaue Statistiken darüber, wo viel Wasser vorhanden ist und wer wie viel davon verbraucht, gibt es auf nationaler Ebene nicht. Unbekannt ist zum Beispiel, wie viel etwa die Bauern aus eigenen Quellen und Reservoirs beziehen.Sodann soll das Gesetz die Kantone verpflichten, eine generelle Wasserversorgungsplanung zu machen und die jeweiligen Einzugsgebiete überregional zu steuern. Das tun zwar etliche Kantone schon heute, aber nicht alle und nicht immer gut genug. «Weil die Schweiz bisher kaum Wasserstress kannte, hatte diese Planung keine Priorität», sagt der Fachmann Bärtschi. «So wird viel Potenzial für Einsparungen und eine bessere Nutzung des Wassers verschenkt.»Ein Filterbrunnen im Schaupumpwerk Schönenwerd Dietikon (ZH).Severin Bigler / CH MediaDiese Planung wäre dann auch die Grundlage für neue Antworten auf eine Frage, die sich in Zukunft häufiger stellen wird als bisher: Wer kriegt wann wie viel Wasser, wenn es knapp wird? Auch das wird heute, wenn überhaupt, kantonal und auf verschiedenste Weise geregelt. Der Bund verlangt lediglich in einer Verordnung, dass die Kantone auch in «schweren Mangellagen» pro Person und Tag mindestens 4 Liter Trinkwasser bereitstellen müssen. Und er fordert über den Gewässerschutz, dass den Seen und Flüssen nicht zu viel Wasser entnommen werden darf.Die Wasserversorger wünschen sich hier präzisere Regeln, am ehesten nach der Logik: Mensch vor Tier vor Pflanze. Eine dieser Regeln könnte auch die Einführung von dynamischen Preisen sein, die den Wasserbezug zu Spitzenzeiten verteuern, um so den Verbrauch besser zu verteilen. Die Details dazu sollen weiterhin den Kantonen und Gemeinden überlassen bleiben. Wichtig sei aber, dass eine Planung besteht. «Das hilft, Konflikte zu verhindern oder wenigstens abzufedern», sagt Martin Bärtschi.Schliesslich soll das Gesetz den Kantonen auch Vorgaben zur Speicherung von Wasser machen und so für eine nationale Speicherinfrastruktur sorgen. Denn der Klimawandel führt dazu, dass in den Bergen weniger Schnee fällt und überall mehr Starkregen, den die Böden gar nicht aufnehmen können. Damit fliesst viel Wasser ungenutzt ab. «Wir müssen dieses Wasser nun anderweitig speichern», sagt Bärtschi. Möglich sei dies etwa durch Bepflanzung, die Planung von Schwammland oder den Bau von Becken und künstlichen Seen.Politik hat es verschlafenNeu ist dieser Ruf nach dem Bund nicht. Schon vor zehn Jahren kam ein nationales Forschungsprogramm zum Schluss, dass die Schweiz punkto Wassermanagement Nachholbedarf hat und dass vom Bund dazu zusätzliche Impulse kommen sollten. Doch die Politik hat diesen Befund im Urteil etlicher Fachleute vernachlässigt. Von den damaligen Vorschlägen sei praktisch nichts umgesetzt worden, kritisierte kürzlich Roman Wiget im «Tages-Anzeiger».Der Berner amtet unter anderem als Co-Präsident der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein, die dieses Jahr via Medienmitteilung schon zweimal Alarm geschlagen hat: «Die Wasserressourcen werden mangelhaft bewirtschaftet oder ungenügend geschützt», kritisierte sie. Und die Politik verpasse es, für zukunftstaugliche Rahmenbedingungen zu sorgen.So sieht es im grössten Wasserreservoir des Kantons Zug aus.Stefan Kaiser / CH MediaDie Wasserversorger wollen ihr Anliegen darum nun in die Politik tragen und dort für ein nationales Wassermanagement lobbyieren. Nötig ist das insofern, als der Bund bisher an der Wasserhoheit der Kantone nicht rütteln wollte. Zum Vorschlag der Wasserversorger schreibt das Bundesamt für Umwelt nun, man arbeite derzeit an einer nationalen Wassermanagement-Strategie. Diese soll den Umgang mit Trockenperioden und Starkniederschlägen verbessern und helfen, die verfügbaren Wasserressourcen nachhaltig zu bewirtschaften und Nutzungskonflikte frühzeitig zu erkennen.Geplant ist, dass der Bundesrat Ende 2027 über diese Strategie entscheiden wird. Die Wasserversorger hoffen, dass sie dann eine aktivere Rolle für den Bund vorsieht. Denn die bisherige Aufgabenteilung funktioniere zwar gut, solange überall genug Wasser vorhanden sei. «Aber», so Martin Bärtschi, «sie ist nicht auf Knappheiten und Nutzungskonflikte ausgelegt.»Ein besseres Management könnte dabei auch zeigen, wo die Knappheit tatsächlich beim Wasserdargebot liegt – und wo allenfalls bei anderen Faktoren. Im Wasserverbund Kiesental von Anton Pieren etwa ist gar nicht das Grundwasser der limitierende Faktor, davon ist genug da. Das Problem liegt vielmehr darin, dass die alten Anlagen nicht darauf ausgelegt sind, in so kurzer Zeit so grosse Mengen zu fördern, wie sie bei dieser Trockenheit gefragt sind – und dass der Bau eines neuen Pumpwerks durch Einsprachen verzögert wurde.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Starke Hitze, weniger Wasser, mehr Konflikte. Nun soll der Bund beim Wassermanagement einschreiten
Die Schweizer Wasserversorger fordern angesichts der zunehmenden Knappheit landesweite Vorgaben für die Planung, Nutzung und Speicherung der Vorkommen.













