Hitze in Zürich: Jetzt wird die Politik aktiv – und will Klimaanlagen, mehr Bäume, mehr BächeZürich ächzt unter den hohen Temperaturen. Die FDP will den Einbau von Klimaanlagen erleichtern, die linken Parteien haben andere Ideen.02.07.2026, 05.00 Uhr4 LeseminutenLinke Kantonsräte wollen mehr Bäume als Schattenspender.Claudio Thoma / Keystone35, 36, 37 Grad: Die Hitzewelle vom Juni hatte es in sich. Menschen schwitzen, in den Büros leidet die Konzentrationsfähigkeit. Für Kinder, Kranke und Senioren wird die Hitze gar zur Gefahr. Pflanzen beginnen zu vertrocknen, Tiere leiden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nun treten die Politikerinnen und Politiker auf den Plan. Sie reichen im Zürcher Kantonsrat mehrere Vorstösse ein, wie die Folgen der hohen Temperaturen bewältigt werden könnten. Ihre Forderungen unterscheiden sich zum Teil stark.Die FDP will als Erstes das einfacher machen, was sich in den letzten Tagen wohl viele gewünscht haben: eine Klimaanlage zu installieren. Simon Vlk, FDP-Kantonsrat aus Uster, sagt: «Wir sehen, dass es immer mehr heisse Sommer gibt. Deshalb muss die Bevölkerung geschützt werden.»Heute müssen Gebäude zuerst einen automatischen Sonnenschutz haben, damit eine Klimaanlage installiert werden darf. Ausserdem gibt es hohe Anforderungen an die Isolation eines Gebäudes. Vlk sagt: «Es ist in vielen Fällen nicht zumutbar, dass zuerst das Gebäude saniert werden muss, bevor eine Klimaanlage installiert werden kann.»Klimaanlagen haben sich in der Schweiz bisher auch deshalb nicht etabliert, weil sie viel Energie verbrauchen. Dazu sagt Vlk: «Im Sommer hat es meistens sogar zu viel Strom, weil über Solarpanels sehr viel Strom produziert wird. Diese Energie können wir gut für Klimaanlagen nutzen.»Der «Masterplan Hitzeschutz»Die Ratslinke meldet sich mit anderen Vorschlägen zu Wort. So fordern mehrere Kantonsrätinnen und Kantonsräte um Florian Heer (Grüne, Winterthur) einen «Masterplan Hitzeschutz» vom Regierungsrat. Die Kantone Waadt und Genf hätten jeweils bereits einen solchen Plan und hätten damit erreicht, dass dort weniger Menschen wegen der Hitze stürben. In Zürich fehlten solche Massnahmen. Heer sagt: «Zürich hat erst rudimentärste Leitfäden, um mit der Hitze umzugehen. Dabei braucht es einen konkreten Plan, was getan werden muss, wenn über längere Zeit grosse Hitze herrscht.»Zu einem solchen Hitzeschutzplan sollen mehrere Dinge gehören: So soll der Kanton ein Warnsystem organisieren, einen Kommunikationsplan ausarbeiten und die Sterblichkeit, die mit der Hitze in Verbindung steht, besser erfassen. Zudem könnte der Kanton eine Liste mit kühlen Orten führen oder Informationskampagnen zur Hitze organisieren. Die genauen Massnahmen könnten erst noch definiert werden, sagt Heer. Was für ihn aber klar ist: «Es braucht umfassende, verbindliche Leitfäden, um die Bevölkerung bei grosser Hitze zu schützen.»Auf versiegelten Flächen wie dem Sechseläutenplatz wird es im Sommer brütend heiss.Christoph Ruckstuhl / NZZMehr Bäume und BächeKantonsrätinnen und Kantonsräte um Silvia Rigoni (Grüne) fokussieren sich derweil eher auf langfristige Massnahmen. Sie setzen auf die Kühlung, die Bäume und Bäche einer Umgebung bringen können.Der Regierungsrat hat grossen Bäumen bereits in bestehenden Hitzeplänen eine wichtige Funktion zugeschrieben. Doch das reicht aus Rigonis Sicht nicht. «Oft verunmöglichen Unterbauungen den Wuchs von Bäumen mit grossen Kronen», schreibt sie. Deshalb müssten finanzielle Anreize geschaffen werden, damit so gebaut werde, dass Platz für die Wurzeln von Bäumen bleibe. Dafür solle der Kanton einen Rahmenkredit und eine erste Finanzierung sprechen.Rigoni weist zudem darauf hin, wie wichtig Bäche, Flüsse und Seen für die Kühlung seien: Diese könnten eine Umgebung im besten Fall um mehrere Grad kühlen. Deshalb fordert Rigoni zusammen mit anderen Kantonsräten der SP, GLP und AL, dass solche Gewässer schneller revitalisiert werden. Denn momentan würden viele Bäche und Flüsse so geführt, dass sie unter überbauten Flächen durchflössen. Der Regierungsrat soll nun prüfen, wie das geändert werden kann.Schutz für Alte und GefängnisinsassenParlamentarier um Nicola Siegrist (SP, Zürich) fordern in einem weiteren Vorstoss Massnahmen vom Regierungsrat, um besonders verletzliche Menschen vor der Hitze zu schützen. Der Regierungsrat solle prüfen, ob Hitzeschutz-Standards für Pflegeeinrichtungen oder in Alterszentren nützlich sein könnten. Ausserdem soll er prüfen, wie öffentliche Institutionen wie Museen oder Bibliotheken als «Rückzugsorte» dienen könnten, die oft lange kühl blieben. Alleinlebende ältere Menschen könnten ausserdem über einen Telefondienst vor der Hitze gewarnt werden, schlagen die Kantonsräte und Kantonsrätinnen vor.Luisa Schwegler (SP, Zürich) sieht weitere Personen besonders gefährdet: Gefängnisinsassen. Diese seien den Gefahren der Hitze besonders ausgesetzt, weil sie oft psychisch vorerkrankt seien und sich nicht selber schützen könnten, etwa durch das Wechseln des Aufenthaltsorts. Vom Regierungsrat will Schwegler wissen, welche Auswirkungen die Hitze in den Gefängnissen bisher schon hatte – und ob Massnahmen geplant sind, um den Hitzeschutz zu verbessern.Letztes Wochenende wurde die Europaallee zur Wildblumenwiese. Der WWF wollte so den kühlenden Effekt von Pflanzen aufzeigen.Claudio Thoma / Keystone«Hitzefrei light» gefordertGianna Berger von der AL will derweil wissen, wie Schulkinder besser vor der Hitze geschützt werden können. «Extreme Temperaturen belasten die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit von Kindern», schreibt Berger. Und Massnahmen wie mehr Schatten oder mehr Grün brauchten eine Weile, bis sie nützten. In Dübendorf und Meilen haben die Behörden ihren Schülerinnen und Schülern vergangene Woche «Hitzefrei light» gegeben. Dabei haben die Kinder am Nachmittag keinen Unterricht mehr, werden aber betreut, wenn die Eltern dies wünschen. Berger will nun vom Regierungsrat wissen, ob dieses Modell im ganzen Kanton eingeführt werden könnte. Denn Hitzefrei gibt es im Kanton Zürich nicht mehr.Vorschläge, um der Hitze Herr zu werden, gibt es also zuhauf. Bis all diese umgesetzt werden, dürfte es allerdings noch dauern: Zuerst wird nun der Kantonsrat die Vorstösse debattieren. Werden die Vorschläge an die Regierung überwiesen, wird sich diese damit auseinandersetzen. Der Hitzesommer 2026 wird dann längst passé sein. Aber weitere könnten folgen.