KommentarBäume, Schatten und entsiegelte Pausenplätze sind erwünscht. Aber wenn Klassenzimmer überhitzen, braucht es mehr als grüne Symbolpolitik.06.07.2026, 19.33 Uhr3 LeseminutenDer Schulunterricht leidet längst unter der Hitze. Aber hitzefrei gibt es in Zürich seit über 40 Jahren nicht mehr.Michael Buholzer / KeystoneWährend in Zürcher Schulzimmern Temperaturen von über 30 Grad gemessen werden, debattiert die Politik über Bäume, begrünte Fassaden und entsiegelte Pausenplätze. All dies kann gegen die Hitze helfen. Doch Begrünung ist vielerorts zur politischen Maxime erhoben worden, während ausgerechnet die wirksamste Form der Kühlung unter Ideologieverdacht steht: die Klimaanlage.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dabei ist das Problem hinlänglich bekannt. Zürichs Klima wird sich laut ETH bis 2050 dem von Mailand annähern. Überraschend ist höchstens, wie die Politik jeden Sommer von neuem darüber staunt.Der Schulunterricht leidet längst unter der Hitze. Aber hitzefrei gibt es in Zürich seit über 40 Jahren nicht mehr, obwohl einzelne Schulen den Unterricht zuletzt aus Gesundheitsgründen ausfallen liessen. Das Zürcher Volksschulamt empfahl den Schulen stattdessen Fussbäder, Wasserschlachten und andere kreative Ideen. Sympathisch ist das allemal. Als Antwort auf ein grundsätzliches Problem reicht es nicht. Das weiss auch das Volksschulamt. Es empfiehlt den Gemeinden denn auch bauliche Anpassungen.Genau dort beginnt jedoch der politische Streit. So wollen die Grünen erst auf Klimaanlagen zurückgreifen, wenn Begrünung und andere Massnahmen nicht ausreichen. Doch gerade diese Hierarchie wirkt zunehmend aus der Zeit gefallen.Die Debatte reicht längst über Zürich hinaus. Überall in der Schweiz und in Europa stellt sich dieselbe Frage: Wie lässt sich eine wärmere Welt erträglicher gestalten? Erstaunlich oft endet die Technologieoffenheit dort, wo es um die wirksamste Form der Kühlung geht. Bäume und Begrünung sind sinnvoll. Wo sie nicht ausreichen, braucht es eine technische Lösung.Kaum ein anderes technisches Hilfsmittel ist ideologisch derart aufgeladen wie die Klimaanlage. Sie gilt vielerorts noch immer als Energiefresser und Klimakiller. Manch einer schwitzt lieber fürs gute Gewissen – gewissermassen als Akt der Sühne.In Frankreich wurde die «clim» zu einem politischen Symbol, seit Marine Le Pen, Chefin des rechtsnationalen Rassemblement national, flächendeckend Klimaanlagen versprach, sollte sie denn 2027 zur Präsidentin gewählt werden. Das halten ihre Gegner für Populismus. Derweil empfiehlt in Deutschland das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit gegen die Hitze, Teppiche einzurollen und Elektrogeräte auszuschalten – von Klimaanlagen rät es dagegen ab.Ausgerechnet im Zeitalter der Energiewende wirkt diese Skepsis anachronistisch. Gerade dann, wenn Kühlung am dringendsten wäre, liefern Solaranlagen auf den Dächern am meisten Strom. Die sommerlichen Produktionsspitzen lassen sich kaum in den Winter verschieben. Es liegt auf der Hand, dass dieser Strom dort eingesetzt wird, wo er den grössten unmittelbaren Nutzen stiftet: in Schulzimmern, Altersheimen oder Spitälern.Natürlich verbrauchen Klimaanlagen Energie. Aber moderne Geräte arbeiten effizienter, als ihr Ruf vermuten lässt. Wer einen Raum auf 25 statt auf 30 Grad herunterkühlt, verursacht keinen ökologischen Exzess. Die Vorstellung eisgekühlter amerikanischer Einkaufszentren taugt kaum als Argument gegen einen massvollen Einsatz.Der Klimawandel verlangt zweierlei: Emissionen sinnvoll senken und sich an die unvermeidlichen Folgen anpassen. Selbst die Stadt Zürich baut inzwischen neue Schulhäuser mit Klimaanlagen. Gut so. Ebenso richtig ist ein FDP-Vorstoss im Kantonsrat, die überholten Bauvorschriften für Klimaanlagen zu lockern. Wer eine Anlage installieren will, soll nicht zuerst sein ganzes Gebäude sanieren müssen.Es ist an der Zeit, Klimaanlagen nicht länger als Luxus oder ökologischen Sündenfall zu betrachten. In einer wärmeren Welt werden sie zu dem, was Heizung in kalten Wintern seit je ist: Teil einer funktionierenden Infrastruktur.Passend zum Artikel
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Bäume, Schatten und entsiegelte Pausenplätze sind erwünscht. Aber wenn Klassenzimmer überhitzen, braucht es mehr als grüne Symbolpolitik.







