Patrick Hässig will, dass gerade vulnerable Personen in Zukunft besser vor extrem hohen Temperaturen geschützt werden.Ralph Goldinger, Bern18.06.2026, 16.55 Uhr3 LeseminutenKlimaanlagen sind in der Schweiz selten. Man setzt auf andere Ansätze zur Kühlung von Räumen. Wie lange noch?Pezra Osz / KeystoneAm Mittwoch warnte der Bund die Bevölkerung: «Markante Hitzewelle steht bevor.» In vielen Regionen des Landes soll es über 30 Grad heiss werden. Solche Warnungen dürften künftig häufiger werden. Aufgrund des Klimawandels werden Hitzewellen in Zukunft vermehrt über die Schweiz rollen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Parlament bestehen Zweifel, ob der Bund vulnerable Personen genügend vor solch hohen Temperaturen schützt. «Was wollen wir unseren Schülern, Lehrern, Patienten oder älteren Menschen in Alterszentren noch zumuten?», fragt der GLP-Nationalrat Patrick Hässig. Auch die Wirtschaft leide. Sein Vorschlag: vermehrt und gezielt Klimaanlagen einsetzen. Sie seien aus heutiger energie-, wirtschafts- und klimapolitischer Sicht vertretbar. «Es ist höchste Zeit, dass wir prüfen, wie die Schweiz endlich smart gekühlt werden kann.»GLP-Nationalrat Patrick Hässig.KeystoneHässig hat am Donnerstag einen entsprechenden Vorstoss eingereicht, um Druck auf die Regierung aufzubauen. Denn während Klimaanlagen in südländischen Regionen oder den USA weit verbreitet sind, gehören sie in Schweizer Häusern nicht zum Standardinventar.«Die Bewohnerinnen und Bewohner leiden»Hässig, der selbst in der Pflege tätig ist, spricht sich in seinem Vorstoss insbesondere für den Schutz älterer und kranker Menschen aus. Diese sind gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) am stärksten von Hitzewellen betroffen. Das BAG schreibt auf seiner Website, dass im August 2024 täglich bis zu 20 Personen an den Folgen der Hitze gestorben seien. Die meisten von ihnen waren älter als 75 Jahre.Das «Deutsche Ärzteblatt» verweist auf Studienergebnisse, die den Nutzen von Klimaanlagen in Alters- und Pflegeeinrichtungen belegen. Kanadische Forscher werteten über 13 Jahre hinweg 70 000 Todesfälle in 615 Pflegeheimen aus. Sie stellten fest, dass an extrem heissen Tagen mehr Menschen in Pflegeheimen sterben, die über keine Klimaanlagen verfügen. Die Sterbewahrscheinlichkeit lag in solchen Institutionen um 8 Prozent höher.Im Alters- und Pflegezentrum Riedhof in Zürich Höngg wäre die Installation fest eingebauter Klimaanlagen aus Sicht der Geschäftsleitung dringend angezeigt. «Die Bewohnerinnen und Bewohner leiden unter den hohen Temperaturen», sagt Gion Gambon, Geschäftsleitungsmitglied des Heims. Klimatisiert ist das Gebäude bis jetzt nicht; es verfügt lediglich über eine Lüftungsanlage. Um die Situation zu entschärfen, hat der Riedhof vor einer Woche achtzehn mobile Klimageräte für insgesamt rund 17 000 Franken angeschafft. Deren Abluft muss jedoch über Schläuche ins Freie geleitet werden. «Deshalb müssen die Fenster ständig einen Spalt offen bleiben – energetisch ist das alles andere als ideal.»Die mobilen Klimaanlagen des Heims stehen jetzt vor allem in den Korridoren und Gemeinschaftsräumen. Langfristig würde Gambon eine andere Lösung bevorzugen: fest installierte Klimaanlagen im ganzen Gebäude, die sich über ein zentrales Gebäudeleitsystem individuell steuern liessen. «Unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben unterschiedliche Bedürfnisse. Übergewichtige Menschen etwa empfinden die Temperaturen oft als belastender als andere.»Solarenergie durch Klimaanlagen effizient nutzen?Im laufenden Förderprogramm des Bundes wird der Einsatz von Klimaanlagen nicht gefördert: «Der Bund priorisiert bauliche und passive Massnahmen wie Isolation, Verschattung und nächtliches Lüften», schreibt eine Sprecherin des Bundesamts für Energie auf Anfrage. Klimaanlagen gälten als letzte Option. Grund sei auch der hohe Strombedarf.Doch genau bei der Energieeffizienz will Hässig ansetzen: «Weil wir dank der Solarenergie im Sommer mehr als genug Energie haben, können wir uns Klimaanlagen heute energetisch leisten. Das wäre ein gutes Beispiel.»Damit spricht er die jetzige Energiestrategie des Bundesrats an. Diese soll auch den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben. Ziel ist es, im Jahr 2050 40 Prozent des Strombedarfs durch die Photovoltaik zu decken.Solarenergie und Klimaanlagen stehen in einem günstigen Zusammenhang miteinander. Die Menschen kühlen dann ihre Räume, wenn draussen die Sonne scheint. «Dennoch lässt sich der Strombedarf von Klimaanlagen nicht jederzeit und überall ausschliesslich durch lokale Solarenergie decken», schreibt ein Mediensprecher der BKW auf Anfrage. Es sei möglich, dass Klimaanlagen einen zusätzlichen Ausbau des Netzes erforderten.Ein weiteres Argument für die Klimaanlagen sind für Patrick Hässig die negativen Strompreise. Diese entstehen, wenn weniger Energie nachgefragt wird, als die Produzenten produzieren. Firmen erhalten während solcher Phasen Geld, wenn sie Strom beziehen. Gerade im Sommer geschieht dies immer häufiger. Dieser Effekt dürfte gemäss BKW jedoch begrenzt sein.Hässig fordert vom Bundesrat, zu prüfen, wie Klimaanlagen gezielt eingesetzt werden können. Zuständig wären allerdings in erster Linie die Kantone: Die Klimatisierung von Gebäuden fällt mehrheitlich in ihre Zuständigkeit. Bis anhin haben die Kantone Klimaanlagen kaum gefördert.Passend zum Artikel
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