Wer plant, die aktuelle Hitzewelle in seinem Planschbecken auszusitzen, wird mancherorts enttäuscht werden. Immer mehr Kommunen und Wasserversorger haben ihre Bürger in den vergangenen Tagen zu einem sparsamen Umgang mit Trinkwasser aufgerufen. So teilten die Stadtwerke München am Montag mit, „Pools und Planschbecken sollten vorerst nicht mehr befüllt werden“. Auch auf „das extensive Bewässern von Gärten und Rasenflächen“ solle vorerst verzichtet werden. Zwar sei Münchens Trinkwasserversorgung „stabil ausgelegt“, die verfügbaren Ressourcen seien jedoch durch die andauernde Hitze und ausbleibende Niederschläge belastet.Auch die Stadtwerke Mainz sprachen eine Warnung aus, nachdem KI-basierte Prognosen für den örtlichen Trinkwasserverbrauch in dieser Woche Rekordwerte ausgewiesen hatten. In einer Mitteilung vom Sonntag heißt es, wegen des niedrigen Rheinpegels liefen erste Brunnen des Wasserwerks Petersaue auf der Rheininsel trocken und könnten deshalb nur noch zeitweise betrieben werden.Komme eine technische Störung hinzu, könne es „bei entsprechenden Extremverbräuchen eng werden“, sagte ein Sprecher der Mainzer Stadtwerke der F.A.Z. Deswegen habe man sich vorsorglich entschieden, die Bevölkerung um Unterstützung zu bitten. Ähnliche Aufrufe kamen von den Städten Remagen, Höhr-Grenzhausen sowie dem Landkreis Cochem-Zell.Laut Martin Weyand, dem Hauptgeschäftsführer für Wasser und Abwasser beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), führen anhaltend hohe Temperaturen zu einem sprunghaften Anstieg des Wasserbedarfs in den Haushalten – insbesondere durch häufigeres Duschen und Baden, Gartenbewässerung oder das Befüllen privater Pools. „Das kann die Systeme in einzelnen Regionen zeitweise stark fordern“, sagt er. Während Hitzewellen rechne man lokal mit einer höheren Beanspruchung von bis zu 60 Prozent.Auch die Ökosysteme sind gefährdetDie extreme Hitze und Trockenheit belasten nicht nur die Trinkwasserversorgung privater Haushalte. Die Stadt und der Landkreis Osnabrück warnten am Dienstag vor sinkenden Grundwasserständen. Bereits seit Februar sei ein fallender Trend zu beobachten, der „bei ausbleibenden Niederschlägen, hohen Temperaturen und gleichzeitig erhöhter Grundwasserentnahme zum Beispiel durch Bewässerung“ erheblich verstärkt werde. Das habe gravierende Auswirkungen auf die Ökosysteme. Sollten sich die Bedingungen nicht ändern, sähen sich Stadt und Landkreis gezwungen, die Nutzung von Oberflächenwasser und Grundwasser durch eine Allgemeinverfügung einzuschränken, heißt es in der Meldung.Im Landkreis Potsdam-Mittelmark und in vier Landkreisen an der Oberen Donau sind solche Allgemeinverfügungen bereits vergangene Woche erlassen worden. Bis zum 30. September ist demnach die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern verboten. Der Landkreis Potsdam-Mittelmark untersagt zudem die Nutzung von Gartenbrunnen zwischen acht und 20 Uhr. Die Landratsämter Schwarzwald-Baar-Kreis, Tuttlingen, Zollernalbkreis und Sigmaringen verbieten neben der Wasserentnahme für die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und den Gartenbau auch „das Schöpfen mit Handgefäßen und das Entnehmen in geringen Mengen für Privatpersonen“. Mögliche Bußgelder belaufen sich auf bis zu 100.000 Euro.Trotz der sich mehrenden Warnungen muss niemand befürchten, dass ihm plötzlich der Hahn abgedreht wird. Es gebe keinen akuten Hinweis auf eine Wassermangelsituation, sagt BDEW-Hauptgeschäftsführer Weyand. Die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels führten aber in Deutschland schon heute „zu regional und saisonal auftretenden Verminderungen des Wasserdargebots“.Verbraucher können einen wichtigen Beitrag leistenUm die Versorger zu entlasten, aber auch außerhalb akuter Hitzeperioden einen Beitrag zu leisten, empfiehlt der BDEW verschiedene wassersparende Maßnahmen. Wer in seinem Garten Rasen und Pflanzen größeren Steinflächen vorzieht, trägt etwa dazu bei, dass das Regenwasser versickern und ins Grundwasser gelangen kann. Zudem sollten Pflanzen im Garten morgens möglichst vor Sonnenaufgang oder abends nach Sonnenuntergang gegossen werden, um eine starke Verdunstung durch die Sonneneinstrahlung zu vermeiden.Darüber hinaus ist die Dusche deutlich wassersparender als die Badewanne: Nach Angaben des BDEW verbraucht eine fünfminütige Dusche bis zu 100 Liter weniger als ein Bad. Wasch- und Geschirrspülmaschinen sollten außerdem immer nur voll angeschaltet werden.Eine besondere Belastung für die Wasserversorger sind private Pools und Planschbecken. „Ein durchschnittlicher Aufstellpool von 3,66 Metern Durchmesser umfasst ein Volumen von 6500 Litern“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des BDEW.