Wegen eines Stromausfalls fliesst verunreinigtes Wasser von der Kläranlage in die Limmat. Die meisten Schwimmer wissen nichts davonDie Stadt Zürich informiert lediglich mit einer Medienmitteilung über den Defekt. Warum?30.06.2026, 05.05 Uhr3 LeseminutenEigentlich sollte nur sauberes Wasser aus der Kläranlage in die Limmat fliessen. Am frühen Sonntagmorgen war das anders.Christian Beutler / KeystoneAm Sonntag ist es noch einmal richtig heiss, in der Stadt Zürich zeigt das Thermometer bis zu 36 Grad. Tausende kühlen sich im See und in der Limmat ab. Auch auf der Werdinsel herrscht Hochbetrieb, viele Badegäste lassen sich im Fluss hinabtreiben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Was die meisten wohl nicht wissen: Das Wasser unterhalb der Werdinsel ist am frühen Morgen verschmutzt worden. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Kläranlage, aus der eigentlich nur sauberes Wasser in die Limmat geleitet wird. Nun aber ist «ausschliesslich vorgereinigtes» Wasser in den Fluss gelangt.Grund dafür ist ein Stromausfall kurz vor 3 Uhr im grössten Klärwerk der Schweiz. Es reinigt pro Sekunde 2200 Liter Abwasser, bei Regen sind es bis zu 6000 Liter. Dieses Jahr ist die Anlage hundert Jahre alt geworden, die Stadt bewirbt sie als «hochmodern».Trotzdem ist es nun zu diesem Zwischenfall gekommen. Die Stadt reagiert darauf mit einer Medienmitteilung, die sie um 10 Uhr 31 verschickt. Verschmutzungen des Wassers könnten «nicht ausgeschlossen werden», heisst es darin. Es wird davon abgeraten, am Sonntag «unterhalb der Werdinsel bis zum Kraftwerk Dietikon in der Limmat zu baden, schwimmen oder sich mit dem Boot auf die Limmat zu begeben».Verunreinigtes Wasser hat sich schnell verteiltDas ist alles. Eine separate Information vor Ort, in der Badi, erfolgt nicht. Und so reagieren die Badegäste überrascht, als Tele Züri sie am Nachmittag auf das ausgetretene Klärwasser aufmerksam macht.Weshalb hat die Stadt darauf verzichtet, Böötler und Badende direkt zu informieren?Tobias Nussbaum, Mediensprecher von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ), begründet dies damit, dass kaum eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen bestanden habe. Zum Defekt kam es in der biologischen Reinigung, der zweiten von fünf Stufen im Reinigungsprozess. Das verunreinigte Abwasser sei etwa eine Stunde lang ausgelaufen, also bis 4 Uhr morgens – insgesamt rund 3000 Kubikmeter Wasser.Zum Vergleich: Pro Stunde fliessen etwa 225 000 Kubikmeter Wasser die Limmat hinab. Das verunreinigte Wasser habe sich also sehr schnell verteilt, sagt Nussbaum, und sei bei Tagesanbruch schon «über alle Berge gewesen».Man habe dennoch beschlossen, die Bevölkerung zu informieren und eine Warnung herauszugeben – «aus Transparenzgründen». Gesundheitliche Beschwerden nach einem Bad in der Limmat seien der Stadt keine gemeldet worden, sagt Nussbaum. Einige Personen hätten sich aber erkundigt, ob sie wieder bedenkenlos im Fluss schwimmen könnten. Die Antwort der Stadt: ja.«Sehr kleine Gefahr»Die Gefahr, dass wegen eines Stromausfalls verunreinigtes Wasser aus der Kläranlage direkt in die Limmat fliesst, ist laut dem Mediensprecher von ERZ «sehr klein». Die Kläranlage verfüge über ein Notfallsystem, das bei einem Stromausfall greife. Sie ist an die Stromversorgung angeschlossen. Kommt es wie am Sonntag zu einem Ausfall in Höngg, wechselt die Versorgung zum Netz in Altstetten. Ist der Strom grossflächig weg, greifen Notstromaggregate.Am Sonntag verursachte der Stromausfall in Höngg einen Defekt in der betriebsseitigen Stromversorgung, weshalb es zum kurzzeitigen Ausfall der Anlage gekommen sei. Das Debriefing am Montag habe gezeigt, dass das System grundsätzlich funktioniere – und der Abwasseraustritt ein absoluter Einzelfall sei, der nicht wieder vorkommen solle.Passend zum Artikel
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