Die Rückkehr von vermeintlich Toten war schon immer ein interessantes Thema. Es muss sich dabei gar nicht um Schreckensgestalten wie Hitler oder Stalin handeln, die sollen nach ihrem Tod ja auch noch da und dort gesehen worden sein, manchmal reicht schon ein Buckelwal, der auch posthum noch durch die Meere schwimmt. Auf der Suche nach menschlicher Liebe.Was die bewirken kann, das hatte erst im April eine Allianz aus deutschen Politikern, Tierschützern, Millionären, Veterinären und Internet-Streamern gezeigt. Da selbst erfahrene Baggerführer den Anfang März erstmals im Hafen vor Wismar gesichteten „Timmy“ die Freiheit nicht wiedergeben konnten, war er von einer privaten Initiative per Lastkahn zurück in die offene See transportiert worden. Wenige Tage später lag ein Walkadaver am Strand der dänischen Insel Anholt.Verbreitet hat die Einladung zur Pressekonferenz eine „Privat-Initiative“, die bisher mit Schwurbler-Inhalten auffiel„Pressekonferenz in Hamburg“, hieß es nun in blutroter Boulevardschrift auf Social Media: „Verkündung DNA-Ergebnis“, „Offiziell“, „Keine Ausreden mehr!“ Verbreitet wurde die Einladung ins Eimsbüttler Mehrzweckzentrum auch von einer „Privat-Initiative“, die sich laut ihrer Webseite einerseits dem Schutz von Walen und Delfinen verschrieben hat, zugleich aber mit einem grinsenden Totenschädel für ihre Ziele wirbt. Der Gründer der Initiative fiel zuletzt mit Videos auf, in denen er Thesen wie „Backhaus will den Wal tot sehen“ verbreitete. Till Backhaus, dem Umwelt- und Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, so wurde da in die Handykamera geschwurbelt, gehe es allein um Geld für Museen und Forschung. Die Initiative nimmt übrigens Schenkungen an, aber ohne Quittung.Schon am Morgen hieß es bei einer Zeitung: „Bild kennt Ergebnis der DNA-Analyse“, mehr hinter der Paywall. „Ist Timmy noch am Leben?“ Die Allianz – sie war wieder da! Auch ein Youtube-Sender, der sich schon live vom Kadaver gemeldet hatte, streamte wieder eifrig los – und sammelte Spenden ein. Aber wie so oft war die Sache dann nicht ganz so spektakulär. Es trat die Kleintierärztin und Tierschützerin Kirsten Tönnies auf, einst Mitglied der heute nicht mehr existierenden „Timmy“-Rettungsinitiative.Tierärztin Kirsten Tönnies am Mittwoch vor ihrer Pressekonferenz im Hamburg-Haus Eimsbüttel. Marcus Brandt/dpa„Tapfere Krieger“ hätten vom toten Tier Proben entnommen und mit jenen vom lebenden Tier verglichen. Sie stimmten genetisch nicht überein, erklärte sie. Gut, das kann an der Zersetzung des toten Tiers im Wasser gelegen haben, an der Art der Aufbewahrung der Proben oder der Analyse, die in einem chinesischen Labor vorgenommen wurde (ein deutsches, so Tönnies, habe man nicht gefunden). Für die dänischen Wissenschaftler, die das Tier Anfang Juni am Anholter Strand zu entsorgen hatten, war jedenfalls immer klar: Es ist „Timmy“. Die Zacken der Schwanzflosse, der Fund des Trackers – alles eindeutig. Neu war nur, dass er ein Weibchen war. Tönnies nahm ihren wortreichen und leicht gespenstischen Auftritt zum Anlass, für die Tierschutzpartei zu werben und ebenfalls mit anderen Parteien abzurechnen. Sie habe gar Zweifel daran, ob beide Proben von der gleichen Tierart stammten.Statt einer Antwort auf die sehr menschliche Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, statt einer Bestätigung des gerne verwendeten Spruchs „Totgesagte leben länger“ handelte es sich also auch bei der Eimsbüttler Pressekonferenz mal wieder nur: um ein laues Lüftlein im Schwurbler-Glas. Aber das multimedial bestens orchestriert.
DNA-Analyse: Eine Tierärztin schürt Zweifel am Tod von Buckelwal "Timmy"
In Eimsbüttel gibt Kirsten Tönnies eine Pressekonferenz über angebliche DNA-Analysen zu "Timmy". Wissenschaftler sehen das anders.







