Monatelang sorgte das Drama um den erstmals Anfang März in der Ostsee gestrandeten Buckelwal in Deutschland für allerhand Schlagzeilen. Die Geschichte um den verirrten Meeressäuger, von vielen „Timmy“ oder „Hope“ genannt, nahm kein gutes Ende. Im Rahmen einer beispiellosen Rettungsaktion wurde das geschwächte Tier von einer privaten Initiative mithilfe eines Lastkahns zum Eingang der Nordsee transportiert. Doch nur wenige Tage später wurde ein toter Buckelwal an der dänischen Küste vor der Insel Anholt aufgefunden. Wie die „Bild“-Zeitung zunächst am Mittwochmorgen unter Berufung auf vorliegende Laborergebnisse berichtet, könnte es sich bei dem vor Anholt verendeten Buckelwal gar nicht um „Timmy“ handeln, der zuvor mehrfach in der deutschen und dänischen Ostsee strandete und schließlich zur Nordsee transportiert wurde. Dem Boulevardmedium zufolge weichen die DNA-Proben der beiden Tiere voneinander ab.Am Mittwochnachmittag um 14 Uhr gab die Tierärztin der privaten Rettungsinitiative, Dr. Kirsten Tönnies, eine Pressekonferenz, auf der sie die Ergebnisse einer DNA-Analyse vorstellte. Die Videonachrichtenagentur News5 berichtete in einem laufenden Livestream aus Hamburg von der Veranstaltung. News5 zufolge habe sich die Geldgeberin der Aktion, Karin Walter-Mommert, im Vorfeld allerdings ausdrücklich von dieser Pressekonferenz distanziert.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Tierärztin Tönnies präsentiert verwirrende Ergebnisse Am Anfang der Pressekonferenz betonte Tönnies ausdrücklich, dass sie nicht für die komplette Rettungsinitiative spricht. Nach eigenen Angaben habe sie bei einem Labor in China die Analyse von zwei DNA-Proben in Auftrag gegeben. Den Namen des Labors wollte sie nicht nennen.Ich kann an den Ergebnissen nichts ändern.Dr. Kirsten Tönnies, KleintierärztinDie beiden Gewebeproben sollen einerseits von Buckelwal „Timmy“ stammen sowie andererseits von dem Buckelwal-Kadaver, der letztlich Tage nach der Freilassung vor der dänischen Insel Anholt angespült wurde. Die erste Probe sei demnach am 1. Mai während des Transports im Lastkahn entnommen worden, als dem noch lebenden Wal ein GPS-Sender angebracht worden sei. Die zweite Probe soll am 18. Mai von einer Person entnommen worden sein, die das Gewebestück anschließend nach Deutschland gebracht und selbst versandt habe. Nach eigenen Angaben sei Tönnies bei keiner der beiden Probeentnahmen anwesend gewesen.Das Ergebnis aus China habe die Tierärztin zwecks Auswertung einer Gruppe von Personen überlassen, die sich laut Tönnies besser in der Materie auskennen sollen. Die Personengruppe wolle demnach aber namentlich nicht genannt werden, da sie Konsequenzen und gleichermaßen um ihren Berufsstand fürchten, da die Lage mittlerweile hochpolitisch sei. Diese Gruppe habe Tönnies anschließend ihre Einschätzung übermittelt.„Beide Probenmaterialien stammen von einem weiblichen Tier“, sagte die Kleintierärztin auf der Pressekonferenz. Bereits kurz nach der Obduktion des vor Anholt verendeten Buckelwals durch dänische Experten wurde bekannt gegeben, dass das verendete Tier ein Weibchen sei. Zuvor hieß es seitens Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus, dass es sich mutmaßlich um einen jungen Bullen handeln soll.Auch berichtete Tönnies, dass es sich bei den beiden DNA-Proben um „unterschiedliche Tierarten“ handeln soll. Die Abweichung beider Proben sei demnach so groß, „dass wir uns fragen, ob das überhaupt noch eine Tierart ist“, so Tönnies. Auf Nachfrage mehrerer Reporter vor Ort, wie dieses Ergebnis zustande käme und ob Tönnies die vorgestellten Daten selbst verstehe, antwortete Tönnies nur ausweichend, dass man die DNA-Ergebnisse der Öffentlichkeit nach der Pressekonferenz zur Verfügung stellen wolle.Die Äußerungen von Tönnies sorgten bei den Journalisten vor Ort für allerhand offene Fragen. Ein Reporter stellte zwischenzeitlich die Rückfrage, warum Tönnies diese Pressekonferenz überhaupt abhalte und was sie konkret beweisen wolle. Die Tierärztin reagierte auf derartige Fragen eher ausweichend und betonte: „Ich kann an den Ergebnissen nichts ändern.“ Auch sie selbst stelle sich die Frage: „Wie ist das jetzt möglich?“ Nach so vielen Spekulationen und offenen Fragen habe sie gehofft, „dass man den Deckel langsam mal schließen könnte, aber offenbar ist das wieder nicht der Fall“, so Tönnies.Ein weiterer Reporter gab zu bedenken: „Da es sich anscheinend ja nicht einmal um die gleiche Tiergattung zu handeln scheint, liegt es vielleicht näher, dass man die Untersuchung anzweifelt, anstatt dass man daran zweifelt, dass es sich bei dem toten Tier um ‚Timmy‘ gehandelt hat.“ Tönnies sagte daraufhin, dass es schon lange Spekulationen um die Identität des toten Tiers gegeben habe. Hinsichtlich der fraglichen Tiergattung habe sie eine Anfrage an das Labor gestellt, aber vielleicht sei ihr „Englisch auch zu schlecht gewesen“. Mitte Mai wurde der Kadaver eines Buckelwals vor der dänischen Insel Anholt angeschwemmt und anschließend aus dem Wasser gezogen. © dpa/MARCUS GOLEJEWSKI Weiterhin blieben viele Fragen hinsichtlich der Entnahme und der Brauchbarkeit der vom Wal entnommenen Gewebeproben offen. Den Angaben zufolge war eine der Proben in Formalin eingelegt, Dabei handelt es sich um eine wässrige Lösung von Formaldehyd, die bei Raumtemperatur allerdings zu einem Abbau von DNA beitragen kann. Hinzu kommt, dass die Proben Tönnies zufolge erst spät gekühlt wurden. Hierdurch könnten DNA-Abgleiche stark verfälscht werden. Daher rief die Kleintierärztin auf: „Alle, die Haut eingesammelt haben“ oder anderweitig verwertbare Proben vorliegen haben, mögen sich bitte melden und das Material zur Verfügung stellen. Unabhängig überprüfen ließen sich sämtliche Angaben von Tönnies nicht. Viele Fragen zu Buckelwal Timmy weiterhin offen Das Drama rund um Buckelwal „Timmy“ lässt indes noch viele Fragen offen. Da verschiedenste Parteien in die Rettungsmaßnahmen involviert waren, widersprechen sich die daran Beteiligten teils vehement und streiten sich auf offener Bühne. Dabei geht es nicht nur um die höchst umstrittene Freilassung des Buckelwals, von der bis heute keine Videomaterialien veröffentlich wurden, sondern auch um Finanzierungsfragen und weiterhin offene Rechnungen. Die noch offenen Fragen: 1. Gewebeproben Während die Gewebeproben von Mitgliedern der privatzentrierten Rettungsinitiative entnommen wurden, waren nach bisherigem Kenntnisstand keine unabhängigen Zeugen zugegen. Informationen der „Bild“-Zeitung zufolge soll die erste Probe von Wal-Experte Jeff Forster entnommen worden sein. Wer jedoch die Proben von dem toten Buckelwal vor der Insel Anholt entnahm, ist weiterhin unbekannt. Ob die Proben zwischenzeitlich ordnungsgemäß gelagert wurden und ob die Entnahme wissenschaftlichen Standards entsprach, ist nach den Aussagen von Tönnies mehr als fraglich. 2. Das Geschlecht des Buckelwals Bei dem in der Nordsee freigelassenen Buckelwal „Timmy“ handelte es sich nach Angaben von Umweltminister Till Backhaus mutmaßlich um einen jungen Bullen. Später kam allerdings bei der Obduktion des Kadavers auf Anholt heraus, dass es sich bei dem vor Anholt angespülten Tier zweifelsfrei um ein Weibchen handelte. Auch Tönnies verwies bei der Pressekonferenz auf die Obduktionsergebnisse: „Anholt hat einen Uterus gefunden.“ Nun sollen der DNA-Analyse folgend jedoch beide Gewebeproben von einem weiblichen Tier stammen. Buckelwal „Timmy“ wurde am 29. April in einem gefluteten Lastkahn zum Eingang der Nordsee transportiert. © dpa/Philip Dulian 3. Der GPS-Tracker Weitere Fragen wirft der am Walkörper befestigte GPS-Tracker auf. Das Gerät wurde nach Angaben der privaten Rettungsinitiative kurz vor der Freilassung an der Finne des Tiers befestigt. Nach Angaben der Geldgeberin Karin Walter-Mommert habe der Sender allerdings nicht fehlerfrei funktioniert und ihren Angaben zufolge mitunter einen kruden „Datenmatsch“ übermittelt, sodass eine Ortung des freigelassenen Tiers nicht möglich gewesen sei. Als schließlich vor Anholt der tote Buckelwal angespült wurde, konnte jedoch zunächst kein Tracker entdeckt werden.Erst im Nachgang sei durch einen Taucher ein Gerät geborgen worden, berichteten verschiedene Medien. Die Seriennummer des gefundenen Senders soll demnach mit der des zuvor befestigten Trackers übereinstimmen.Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns erklärte nach der Pressekonferenz: „Der am Buckelwal angebrachte Satellitentracker wurde bei dem vor Anholt gestrandeten Tier wiedergefunden. Größe und Art des Wals, der Tracker sowie die vom Tracker übermittelten Ortungsdaten und der dokumentierte Bewegungsverlauf ergeben aus unserer Sicht weiterhin ein schlüssiges Gesamtbild.“ Das spricht dafür, dass es sich bei „Timmy“ tatsächlich um den vor Anholt angespülten Kadaver handelt. Unabhängige Zeugen waren bei der Trackerbergung allerdings nicht zugegen. 4. Körperliche Merkmale Als der tote Buckelwal vor der Insel Anholt angespült wurde, machte ein Reporter der „Bild“-Zeitung ein hochauflösendes Foto der Fluke, also von der Schwanzflosse des Tiers. Das Medium verglich die Zacken im Profil der Fluke mit einer Aufnahme des Wals, die bei einer Strandung im ostholsteinischen Niendorf entstanden war. Die Konturen und der für Wale typische individuelle Kantenvergleich sollen demnach übereinstimmen.Eine der beiden Tierärztinnen der Privatinitiative, Anne Herrschaft, berichtete der Deutschen Presse-Agentur, dass sie keinen Zweifel daran habe, dass der tot vor der dänischen Insel Anholt angespülte Wal derjenige war, der zuvor von der Ostsee-Insel Poel aus Richtung Nordsee gebracht wurde. „Auch wenn es traurig ist, es ist leider unser Wal.“ Sie habe das Tier zweieinhalb Wochen jeden Tag gesehen. „Er hat Merkmale, die ich auf Anholt erkannt habe.“Hinweis: Dieser Artikel wurde im Laufe des Tages mehrfach aktualisiert, ergänzt und strukturell umgestellt.
Pressekonferenz zu Buckelwal „Timmy“: Tierärztin stellt DNA-Analyse vor – die jedoch noch mehr offene Fragen aufwirft
Einem „Bild“-Bericht zufolge weichen die Ergebnisse zweier Wal-Gewebeproben voneinander ab. Der an der Rettung beteiligten Kirsten Tönnies liegt eine DNA-Analyse vor – die jedoch für Verwirrung sorgt.







