Monatelang sorgte das Drama um den Mitte Mai in der Ostsee gestrandeten Buckelwal in Deutschland für allerhand Schlagzeilen. Doch die Geschichte um den verirrten Meeressäuger, von vielen „Timmy“ oder „Hope“ genannt, nahm offenbar kein gutes Ende.Im Rahmen einer beispiellosen Rettungsaktion wurde das geschwächte und offenbar an einer Hauterkrankung leidende Tier von einer privaten Initiative mithilfe eines Lastkahns von der Ostsee zum Eingang der Nordsee transportiert. Doch nur wenige Tage später soll „Timmy“ tot an der dänischen Küste vor der Insel Anholt aufgefunden worden sein – zumindest nach dem bisherigen Kenntnisstand und gemäß den offiziellen Angaben.Wie die „Bild“-Zeitung nun unter Berufung auf vorliegende Laborergebnisse berichtet, könnte es sich bei dem vor Anholt verendeten Buckelwal gar nicht um „Timmy“ handeln, der zuvor mehrfach in der deutschen und dänischen Ostsee strandete und schließlich zur Nordsee transportiert wurde. Dem Boulevardmedium zufolge lassen die Ergebnisse zweier DNA-Analysen darauf schließen. Wal-Retter sollen zwei Proben entnommen haben Von dem Tier sei demnach eine der beiden Gewebeproben entnommen worden, als man einen Tracker zur weiteren Ortung am Rücken des Meeressäugers anbrachte. Der „Bild“ zufolge habe Wal-Experte Jeff Forster das Material kurz vor der umstrittenen Freilassung des noch lebenden Tiers gewonnen, als er für die Befestigung des GPS-Senders einen Bolzen durch die Finne des Wals gebohrt habe. Buckelwal „Timmy“ wurde am 29. April in einem gefluteten Lastkahn zum Eingang der Nordsee transportiert. © dpa/Philip Dulian Als später schließlich der Kadaver des toten Buckelwals wochenlang am Strand der Insel Anholt weiter verweste und der Körper sich wegen der entstehenden Faulgase zunehmend aufblähte, entnahmen Mitglieder der privaten Rettungsinitiative dem Medium zufolge weitere Proben. Beide Proben sollen zwischenzeitlich in einem Labor miteinander verglichen worden sein. Der „Bild“ zufolge legen die Analyseergebnisse nun jedoch nahe, dass die DNA-Proben voneinander abweichen.Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben bislang nicht. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sollen die DNA-Analyseergebnisse heute um 14 Uhr auf einer Pressekonferenz in Hamburg vorgestellt werden. Die genaue Teilnehmerliste sei demnach noch nicht bekannt. Die dpa berichtet allerdings, dass weder Umweltminister Till Backhaus noch das Deutsche Meeresmuseum dabei sein sollen. Viele offene Fragen und Ungereimtheiten Das Drama rund um Buckelwal „Timmy“ lässt indes noch viele Fragen offen. Da verschiedenste Parteien in die Rettungsmaßnahmen involviert waren, widersprechen sich die daran Beteiligten teils vehement und streiten sich auf offener Bühne. Dabei geht es nicht nur um die höchst umstrittene Freilassung des Buckelwals, von der es bis heute keine Videomaterialien gibt, sondern auch um Finanzierungsfragen und weiterhin offene Rechnungen. Die noch offenen Fragen: 1. Gewebeproben Während die Gewebeproben von Mitgliedern der privatzentrierten Rettungsinitiative entnommen wurden, waren keine unabhängigen Zeugen zugegen. Die erste Probe soll nach „Bild“-Informationen von Wal-Experte Jeff Forster entnommen worden sein, wer jedoch die Proben von dem toten Buckelwal vor der Insel Anholt entnahm, ist unbekannt. Auch wie die Proben zwischenzeitlich aufbewahrt wurden und ob die Entnahme wissenschaftlichen Standards entsprach, ist fraglich.Die an der privaten Rettungsaktion beteiligte Kleintierärztin Dr. Kirsten Tönnies hatte nach eigenen Angaben außerdem Ende Mai Gewebeproben an ein Labor versandt, wie sie via Instagram erklärte. Damals kündigte sie an, dass man „in vier Wochen“ endlich definitiv wisse, ob es „dasselbe Tier“ gewesen sei. Ob es sich bei diesen Proben um dieselben Gewebeproben handelt, über die die „Bild“-Zeitung berichtete, ist hingegen fraglich. 2. Das Geschlecht des Buckelwals Bei dem in der Nordsee freigelassenen Buckelwal „Timmy“ soll es sich nach Angaben von Umweltminister Till Backhaus mutmaßlich um einen jungen Bullen gehandelt haben. Später kam allerdings bei der Obduktion des Kadavers auf Anholt heraus, dass es sich bei dem vor Anholt angespülten Tier um ein Weibchen handelte. 3. Der GPS-Tracker Weitere Fragen wirft der am Walkörper befestigte GPS-Tracker auf. Das Gerät wurde nach Angaben der privaten Rettungsinitiative kurz vor der Freilassung an der Finne des Tiers befestigt. Nach Angaben der Geldgeberin Karin Walter-Mommert habe der Sender allerdings nicht fehlerfrei funktioniert und ihren Angaben zufolge mitunter einen kruden „Datenmatsch“ übermittelt, sodass eine Ortung des freigelassenen Tiers nicht möglich gewesen sei. Als schließlich vor Anholt der tote Buckelwal angespült wurde, konnte zunächst kein Tracker entdeckt werden. Erst im Nachgang sei durch einen Taucher ein Gerät geborgen worden, berichteten verschiedene Medien. Die Seriennummer des gefundenen Senders soll demnach mit der des zuvor befestigten Trackers übereinstimmen. 4. Körperliche Merkmale Als der tote Buckelwal vor der Insel Anholt angespült wurde, machte ein Reporter der „Bild“-Zeitung ein hochauflösendes Foto der Fluke, also von der Schwanzflosse des Tiers. Das Medium verglich die Zacken im Profil der Fluke mit einer Aufnahme des Wals, die bei einer Strandung im ostholsteinischen Niendorf entstanden war. Die Konturen und der für Wale typische individuelle Kantenvergleich sollen demnach übereinstimmen. Verschiedenen Medienberichten zufolge sollen auch Verletzungen und Narben am Körper des vor Poel gestrandeten Wals mit Merkmalen am Anholter Kadaver übereinstimmen.