Wer daran glaubt, dass die Fußball-WM Gemeinschaft fördert, in ihren schönsten Momenten sogar Internationalismus, der ist auch in Donald Trumps Amerika nicht enttäuscht worden. Es gab Orte, wo Menschen nicht aller, aber doch einiger Länder zusammen geschaut oder zusammen gespielt haben, wo man gesehen hat, warum der Ball, wenn er erst mal rollt, Grenzen verfließen, vielleicht sogar verschwinden lässt, egal, welche Hymne davor gesungen, welche Flagge davor gehisst worden ist.Das Schönste an diesem Spiel nämlich ist, dass man sich gar nicht verstehen muss, wenn man eines verstanden hat: dass die Regeln für alle gleich sind.Für alle anderen wird der Zugang zum Turnier immer schwererDoch selbst wer wegen dieser und all der anderen schönen Momente, die es gab und die es auch weiter geben wird, nicht enttäuscht worden ist, darf sich davon nicht täuschen lassen. Denn wenn man sich nun fragt, was bleiben wird von dieser WM, der größten in der Geschichte, dann ist es diese Frage: Was darf man noch glauben?Der Fußball und seine WM sind widerstandsfähig. Sie haben es ausgehalten, dass die Männer, die das Turnier ausrichten, und die, die es ausspielen, immer reicher geworden sind. Und dass gleichzeitig allen anderen, die mit der Zuwendung ihrer Aufmerksamkeit und auch ihres Geldes für diesen Reichtum gesorgt haben, der direkte Zugang zu dem Turnier immer schwerer gemacht worden ist.168,95 US-Dollar für ein Foto mit Rio FerdinandWas konnte man sich in der vergangenen Woche in New York City für, sagen wir, 168,95 US-Dollar kaufen? Sicher kein Ticket für das WM-Finale. Was man für den Betrag aber auf einem WM-Fest des Sportunternehmens Fanatics, einer von vielen Geschäftspartnern des internationalen Fußballverbandes FIFA, bekommen hat: ein Foto mit Rio Ferdinand, früher Fußballprofi, heute „FIFA-Legende“, also FIFA-Lobbyist.In diesen fast sechs Wochen ist der Fußball auf der Suche nach neuem Geld über seine eigenen Grenzen getrieben worden. Das war jedes, wirklich jedes Spiel zu sehen, als der Ball für die sogenannten „Hydration Breaks“ gestoppt wurde, in denen die Fernsehsender Werbung verkaufen durften. Dadurch ist ein Wesen des Fußballs, der Fluss des Spiels, verändert worden. Doch wer glaubt, dass das nicht auch früher als später in Europa und in Deutschland eingeführt werden soll (mit dem Videobeweis gibt es schon ein Einfallstor), glaubt auch, dass Rio Ferdinand im Fall Balogun eine unabhängige Bewertung abgegeben hat.Als die FIFA vor dem Achtelfinale die Sperre für den amerikanischen Stürmer Folarin Balogun aufgehoben hat, hat der FIFA-Lobbyist Ferdinand auf seinem X-Kanal applaudiert. Und das, obwohl es in diesem Moment nicht nur um das Wesen, sondern um den Kern des Spiels ging, um die unverhandelbare Voraussetzung, dass die Regeln für alle gleich sind.Am Freitag hat der US-Präsident Trump dem FIFA-Präsidenten Infantino bei einem gemeinsamen Auftritt noch mal dafür gedankt, dass dieser im Fall Balogun eine „großartige, großartige, großartige Entscheidung getroffen“ habe. Es war Trump gewesen, der Infantino vor der Entscheidung der FIFA angerufen und um eine Aufhebung der Sperre gebeten hatte. Und zur ganzen Tragik gehört, dass dieser Fall, der der Fall Infantino heißen müsste, jetzt der Fall Balogun heißt, also den Namen eines Fünfundzwanzigjährigen trägt, der dafür nichts kann.Was also von dieser WM bleibt: dass man nichts glauben darf.
Fußball-WM 2026: Was darf man noch glauben?
Die Suche nach neuem Geld hat diese Fußball-Weltmeisterschaft bis zum letzten Tag dominiert. Wenn etwas bleiben wird von dem Turnier, dann diese Frage: Was darf man noch glauben?














