KommentarDonald Trumps Intervention wegen einer roten Karte wird den Fussball noch lange beschäftigenAm Ende der WM in den USA, Kanada und Mexiko lässt sich festhalten: Verschwörungstheorien sind populärer denn je. Sportlich war das Turnier mit 48 Teilnehmern ein Erfolg, gerade wegen der Aussenseiter. Eine Expansion auf 64 Teams wäre dennoch falsch.19.07.2026, 16.00 Uhr4 LeseminutenDer Fifa-Präsident Gianni Infantino und der US-Präsident Donald Trump sorgten für den grössten Aufreger dieser WM.Evelyn Hockstein / ReutersNun geht sie zu Ende, die bisher längste Fussball-Weltmeisterschaft der Geschichte. Im Final von New Jersey begegnen sich mit Spanien und Argentinien die beiden interessantesten Teams des Turniers. Im Zentrum steht das Duell zwischen Lionel Messi und Lamine Yamal, die mehr als zwanzig Jahre voneinander trennen, genau jene Karrierespanne, die Messi im Profifussball bereits zugebracht hat. Ein würdiger Final als Schlusspunkt einer Weltmeisterschaft, die sportlich keineswegs enttäuscht hat. Viele Spiele entwickelten sich eng und intensiv, die Dramatik war hoch, Aussenseiter überraschten, Favoriten strauchelten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Prägend waren Mannschaften, die ohne eine Aufstockung des Turniers auf 48 Teams kaum die Möglichkeit zur Teilnahme gehabt hätten. Man denke etwa an Kap Verde, das dem Europameister Spanien ein 0:0 abtrotzte und auch Argentinien in der Runde der letzten 32 an den Rand einer Niederlage brachte.Mit grosser Skepsis war auf die Erweiterung des Wettbewerbs geblickt worden, schliesslich hatte sich der Modus mit 32 Teams bewährt. Nach mehr als fünf Turnierwochen lässt sich festhalten: Die Aussenseiter haben gute Argumente für die Ausweitung des Teilnehmerkreises geliefert. Eindrücklich genug waren sie, dass man auf sie nicht mehr verzichten möchte. Die Bilder vom kap-verdischen Torhüter Vozinha werden auch künftig untrennbar mit diesem Turnier verbunden sein.Qualifikation würde durch eine Aufstockung an Wert verlierenBloss kreist die Debatte bereits um das Für und Wider einer weiteren Expansion. Der Fifa-Präsident Gianni Infantino erklärte während des Turniers, dass er sich eine Aufstockung auf 64 Teams durchaus vorstellen könne. Die WM würde dadurch vermutlich um eine weitere Woche verlängert. Die Argumente dürften dieselben sein, die schon bei der Aufstockung auf 48 Teams vorgebracht wurden: dass Fussball eben kein exklusives Spiel der Europäer und Südamerikaner sei, sondern andere Weltregionen signifikante Fortschritte erzielten – man denke nur an die Teams der afrikanischen Konföderation. Allerdings gibt es ebenso gute Gründe, 48 Teams als das Maximum zu erachten.Die Fifa hat 211 Mitgliedsverbände, die um eine Teilnahme spielen. Durch eine weitere Aufstockung würde die Qualifikation ihren Wert verlieren, auch wenn im Endeffekt Italien als viermaliger Champion womöglich wieder die Gelegenheit hätte, an einem WM-Turnier teilzunehmen. Bloss liegt genau darin der Wert einer harten Vorauswahl: dass die Qualifikation ihre eigenen Geschichten schreibt und das Scheitern von Favoriten bereits vor der Endrunde einen Reiz hat.Das Argument der Teilhabe ist also durchaus zweischneidig – zumal es der Fifa aus Sicht mancher Kritiker vor allem darum gehen dürfte, noch mehr Einnahmen zu generieren, an denen es dem Weltverband ohnehin schon nicht mangelt. Kostenfragen spielen keine Rolle mehr, die Vermarktung des Turniers ist so lukrativ wie nie. Dafür war man sogar bereit, am bewährten Regelwerk zu schrauben.Ein Beispiel sind die sogenannten «hydration breaks», die Trinkpausen von zweieinhalb Minuten Dauer. Es gibt gute Gründe für eine solche Trinkpause, und zwar immer dann, wenn die Temperaturen unerträglich hoch sind. Unter klimatisierten Stadiondächern, wie es sie in den USA teilweise gibt, wird eine solche Pause allerdings zur Farce. Infantino sagte nach einem Spiel, wie interessant er es gefunden habe, dass ein Trainer während der Trinkpause eine taktische Umstellung vornehmen konnte. Genau dafür aber sollte diese Unterbrechung nicht bestimmt sein. Zwar legt die Fifa Wert darauf, finanziell nicht von den Pausen zu profitieren. Indirekt dürfte sie das aber durchaus: Höhere Werbeeinnahmen der TV-Anstalten beeinflussen die Preise der TV-Rechte.Ein Spiel mit vier Vierteln, nicht mehr zwei HalbzeitenDieses Turnier hat eindrücklich gezeigt, dass Unterbrechungen die Anmutung des Fussballs Richtung amerikanischer Sport verschieben. De facto ist es kein Spiel mehr mit zwei Halbzeiten, sondern eines mit vier Vierteln, getrennt durch eine längere Pause. Die traditionelle Halbzeitpause von 15 Minuten ist längst nicht mehr sakrosankt: Beim Final wird sie eine halbe Stunde betragen, währenddessen wird ein 25-minütiges Showprogramm abgespult: mit der Sängerin Shakira, mit Madonna und mit Justin Bieber.Infantino selbst war nicht immer ein gerngesehener Gast bei der eigenen Veranstaltung, erst recht nicht, nachdem US-Präsident Donald Trump mit seinem Anliegen durchgedrungen war, die rote Karte gegen den amerikanischen Nationalspieler Folarin Balogun aufzuheben und ihn gegen Belgien im Achtelfinal auflaufen zu lassen. Unabhängig von der sportlichen Attraktivität mancher Spiele war dies das markanteste Ereignis dieser WM. Denn es macht den Tatsachenentscheid endgültig obsolet, der früher einmal sakrosankt war.Infantino hat damit einen Präzedenzfall geschaffen. Er wird den Fussball noch lange verfolgen. Den Verdacht der Einflussnahme wird man nicht mehr aus der Welt schaffen können. Das zeigte sich in vielen Diskussionen, die vor allem rund um die Auftritte der argentinischen Nationalmannschaft aufkamen, welche von den Schiedsrichtern nach Ansicht etlicher Beobachter massiv bevorteilt worden sein soll.Die Leistung der Schiedsrichter liess zu wünschen übrigSolches Gerede von Verschwörungen im Fussball ist nicht neu. Immer wieder gerät Lionel Messi ins Visier: Angeblich sollten ihm Schiedsrichter den Weg zum WM-Titel ebnen. Nicht nur der ägyptische Trainer Hossam Hassan exponierte sich mit dieser Behauptung. Schon früher sagte der ehemalige Trainer Louis van Gaal Ähnliches, der 2022 mit den Niederlanden gegen Argentinien ausschied.Die vermeintliche Bevorzugung Messis ist im Internet längst ein Meme mit teilweise amüsanten Videos. Allerdings liess die Leistung der Schiedsrichter, erst recht in der Abstimmung mit dem VAR, bisweilen tatsächlich zu wünschen übrig. Auch wurde deutlich, dass ihre Autorität auf dem Platz gelitten hat. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass ihre Entscheidungen über Gebühr angezweifelt werden. Es ist eine Konsequenz, die sich nun, mit einigen Jahren Verzögerung, aus der Einführung des VAR ergibt. Die Frage, wer die letzte Instanz ist, ist unklarer denn je, und das ist ein deprimierender Befund bei einem an sich einfachen Spiel. Erst recht an einer Weltmeisterschaft.Passend zum Artikel
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Am Ende der WM in den USA, Kanada und Mexiko lässt sich festhalten: Verschwörungstheorien sind populärer denn je. Sportlich war das Turnier mit 48 Teilnehmern ein Erfolg, gerade wegen der Aussenseiter. Eine Expansion auf 64 Teams wäre dennoch falsch.











