Brett Davis / ReutersDie grösste Weltmeisterschaft der Geschichte ist beinahe zu Ende. Ein Blick auf die Figuren und Momente, die vom Turnier bleiben werden.18.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDas Telefongespräch zwischen Trump und InfantinoDer US-Präsident Donald Trump ruft den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino an – und lässt damit einen Geist aus der Flasche.Jacquelyn Martin / APdow. Die Welt hatte sich schon gewundert, warum Donald Trump die Fussball-WM im eigenen Land so gar nicht beachtet. Doch dann war der US-Präsident plötzlich da, vor dem Achtelfinal der USA gegen Belgien. Da hätte der amerikanische Stürmer Folarin Balogun eigentlich wegen einer Sperre aussetzen müssen. Aber dann klingelte Trump bei Gianni Infantino, dem Fifa-Präsidenten, durch. Und Balogun durfte plötzlich mittun. Man weiss das alles, weil Trump es herausposaunte. Seinen angeblichen Freund brachte er damit in die Bredouille. Auch wenn laut der Darstellung Infantinos die Fifa-Disziplinarkommission den Entscheid gefällt hat, ganz unabhängig.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Natürlich glaubt niemand Infantino. Und wer schon länger den Verdacht hatte, dass die Fifa korrupt sei, sah sich nun bestätigt. Und wer Verschwörungstheorien anhängt, erst recht. Die sozialen Netzwerke sind jetzt jedenfalls voll mit KI-Videos, in denen Infantino als korrupter Fifa-Präsident sein Unwesen treibt. Das ist oft ziemlich lustig, aber nur auf den ersten Blick. Denn es steht dafür, was Infantino und Trump beschädigt haben: die Gewissheit, dass auf dem Rasen entschieden wird, wer ein Fussballspiel gewinnt.Die Schwalbe des Breel EmboloBreel Embolo wird erneut von Leandro Paredes gefoult – so sah es zumindest aus, bis der Schweizer Stürmer der Schwalbe überführt wurde.Ashley Landis / APdow. Die WM ist bald vorbei, und dann werden die Dinge ihren gewohnten Lauf nehmen. Ligabetrieb. Nations League. Irgendwann: die Qualifikation für die nächste Endrunde. Aber eine Frage wird so bald nicht verschwinden, vermutlich wird sie auch in zwanzig Jahren noch gestellt werden: Was wäre gewesen, wenn Breel Embolo im Stadion von Kansas City nicht abgehoben wäre, nach 72 Minuten, mit beiden Beinen, im WM-Viertelfinal gegen Argentinien?Was wäre passiert, wenn sich dieser kleine Moment einfach nie ereignet, es keine rote Karte gegeben hätte, wenn die Schweizer zu elft weitergespielt hätten, beim Stand von 1:1 und mit dem Momentum auf ihrer Seite? Nun, man wird es nie erfahren. Gerade darum wird die Schwalbe des Stürmers noch lange in Erinnerung bleiben. Sie steht dafür, was hätte sein können. Ein WM-Halbfinal, mit Schweizer Beteiligung. Und wer weiss schon, ob die Dinge sich je wieder so ergeben.Das Märchen von Kap VerdeDer Goalie Vozinha und seine Teamkollegen werden nach einer märchenhaften WM in der Hauptstadt Praia wie Rockstars gefeiert.Sodiq Adelakun / Reutersbns. Die WM ist aufgebläht. Sportlich verwässert. So lautete die Kritik vor dem Turnier. Im Visier waren Fussballzwerge wie Kap Verde, einer der drei WM-Neulinge. Doch die Nummer 69 der Fifa-Weltrangliste brauchte nur ein Spiel, um das Stimmungsbild zu kippen: Das Team rang dem gegenwärtigen Europameister Spanien ein Remis ab. Der 40-jährige Goalie Vozinha avancierte mit seinen Paraden zum Nationalhelden und Star in den sozialen Netzwerken.Im Sechzehntelfinal brachte Kap Verde dann den Weltmeister ins Straucheln. Am Ende siegte Argentinien knapp mit 3:2 – nach Verlängerung. Doch Fussballfans weltweit werden sich noch lange an Sidny Lopes Cabrals Kunstwerk erinnern. An seinen Schlenzer zum vorübergehenden 2:2. Und besonders an seinen Jubel: Übermannt von Emotionen, sprintete er zu den Rängen, suchte seine Partnerin und schloss sie in die Arme.Wer will nach so viel Herz noch diese WM kritisieren? Der Fifa-Präsident Gianni Infantino kokettiert bereits mit 64 Teams.Zu Besuch beim Kriegsgegner – die «Katastrophen-WM» IransEin «Desaster» sei sie, diese WM. Irans Captain Mehdi Taremi kritisierte die Fifa und die amerikanischen Behörden.Carlos Barria / Reutersbns. «Die Welt zu Gast bei Freunden» lautete das Motto der WM 2006 in Deutschland. Zwanzig Jahre später könnte man zynisch formulieren: «Iran zu Gast beim Kriegsgegner». US-Präsident Donald Trump erklärte zwar, die Fussballmannschaft Irans sei willkommen, riet aber von einer Teilnahme ab – «um ihres eigenen Lebens und ihrer Sicherheit willen».Das Turnier rückte näher, der Konflikt schwelte weiter. Die iranische Delegation durfte ihr WM-Quartier in Arizona nicht beziehen, musste ins mexikanische Tijuana ausweichen. Fünfzehn Offiziellen, unter ihnen der Verbandspräsident Mehdi Taj, verweigerten die USA die Einreise. Taj sprach von «Schandtaten der Amerikaner». Das Team durfte nur an Spieltagen einreisen und musste nach Abpfiff sofort wieder ins mexikanische Exil. «Katastrophen-Weltmeisterschaft», echauffierte sich der Captain Mehdi Taremi.Das Team schied in der Gruppenphase aus, wohl auch von den Umständen zermürbt. Ein Minister aus Donald Trumps Kabinett verlautbarte, er habe dies mit einem Freudentanz gefeiert. Fussball verbindet – in diesem Fall nicht.Lionel Messi, der sich zum «König der Welt» erhebtLionel Messi zelebriert seinen historischen Treffer, der ihn zum WM-Rekordtorschützen krönt.Michael Dorn / Imagobns. Es wäre vielleicht zu simpel gewesen. Des Anlasses nicht würdig. Lionel Messi erzielte sein 17. WM-Tor, mit dem er den Torrekord des Deutschen Miroslav Klose brach, nicht per Penalty. Er vergab vom Punkt zu Beginn des Sechzehntelfinals gegen Österreich.Der Rekord fiel natürlich trotzdem noch. Messi leitete das Tor selbst mit einem Pass ein. Von der linken Strafraumgrenze kommt der Ball zu ihm zurück, weil der Mitspieler Thiago Almada ihn für Messi durchlässt. Alle scheinen ihm zuzuarbeiten. Tor.Messi rennt los und streckt den Zeigefinger in gewohnter Manier gen Himmel. Die Mitspieler umarmen ihn. Die Weltpresse verneigt sich vor ihm. «König der Welt» oder «Messias» schreibt sie. Nachdem der Argentinier ihm seinen Rekord abgejagt hatte, telefonierte Miroslav Klose mit Messi. Dieser versprach ihm ein unterschriebenes Trikot.Die «hydration breaks» sorgen für hitzige DiskussionenTaktische Anweisungen bereits nach 22 Minuten – Murat Yakin konnte dem etwas abgewinnen.Peter Klaunzer / Keystonewek. Die Fifa gönnte dieser WM eine amerikanische Eigenheit: die «hydration breaks». Die Schiedsrichter unterbrechen die Partie in der 22. und der 67. Minute für eine Trinkpause. Plötzlich besteht ein Spiel aus vier Vierteln statt aus zwei Halbzeiten. Basketball und American Football schicken freundliche Grüsse.Die Trinkpausen sind bei der WM in Nordamerika fixer Bestandteil, obwohl meist in klimatisierten Stadien gespielt wird. Die Profis greifen dann zu Wasser und Kühlwesten. Die Trainer geben taktische Anweisungen. Die Fernsehsender schalten in die Werbung.Kritiker sehen in den Pausen eine weitere Steigerung der ohnehin exzessiven Kommerzialisierung. Der Fifa-Präsident Gianni Infantino widerspricht. Die Trinkpausen brächten dem Weltverband keinen zusätzlichen Dollar ein. Die Debatte ist längst hitziger als die Temperaturen in den meisten Stadien.Spanien entzaubert den WM-Kronfavoriten FrankreichNach dem Champions-League-Triumph hätte Désiré Doué seine starke Saison auch noch mit dem WM-Titel krönen können. Daraus wurde nichts.Kai Pfaffenbach / Reuterswek. Welch ein Offensivspektakel haben die Franzosen an dieser WM geboten. 16 Tore erzielte die Angriffsreihe um Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Michael Olise in sechs Spielen. Mancher Experte sah die Équipe Tricolore bereits zum dritten Mal in Folge im WM-Final.Dann wartete Spanien im Halbfinal. Die Iberer hatten im gesamten Turnier erst ein Gegentor kassiert. Und der französische Motor geriet ins Stottern. Gegen taktisch disziplinierte und kompakt stehende Spanier erspielten sich die Franzosen keine wirkliche Torchance. Spanien traf dafür zweimal. Frankreich war entzaubert. Der Titeltraum platzte jäh. Wie schon bei der EM 2024 bescherten die Iberer den Franzosen eine empfindliche Halbfinalniederlage.Passend zum Artikel