KommentarWer gut verdient, hat in einer städtischen Wohnung nichts zu suchen – Zürich braucht strengere VermietungsregelnIn fast jeder fünften städtischen Wohnung leben Gutverdiener. Das ist inakzeptabel.16.07.2026, 15.17 Uhr3 LeseminutenDie Hardau-Wohntürme gehören der Stadt Zürich und wurden unlängst saniert.Andrea Zahler / CH MediaDer Zürcher Stadtrat hat sich viel vorgenommen in Sachen Wohnraum. Bis 2050 soll ein Drittel der Wohnungen in der Stadt gemeinnützig sein. Um das zu erreichen, hat die Stadt ihre Aktivitäten auf dem Immobilienmarkt in den letzten Jahren gesteigert. Mittlerweile hat sie über 10 000 Wohnungen im Portfolio und gehört damit zu Zürichs grössten Vermieterinnen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Gros der städtischen Wohnungen wird zur Kostenmiete angeboten und ist deutlich günstiger als bei renditeorientierten Anbietern. Wer in den Genuss einer solchen Wohnung kommen darf, ist geregelt – zumindest theoretisch –, und zwar mit Einkommens- und Belegungsvorschriften. Doch die Regeln werden offenbar nicht von allen Mietern eingehalten.So zeigt eine Auswertung von 7700 kommunalen Wohnungen, dass satte 18,4 Prozent der Haushalte in städtischen Wohnungen die Einkommensvorgaben nicht einhalten. Das Einkommen beträgt also im Jahr mehr als das Sechsfache der jährlichen Miete. Tatsächlich dürfte der Wert noch höher sein, denn in die Auswertung flossen auch subventionierte Wohnungen ein, die noch strengeren Regeln unterliegen. Da Stadt und Kanton einen Teil der Kosten übernehmen, wird hier auch genauer kontrolliert und vor allem reagiert.In gut einem Fünftel der städtischen Wohnungen leben also Mieter, die eigentlich keinen Anspruch auf eine solche Wohnung mehr haben – und so Wohnraum blockieren, der eigentlich Menschen zugutekommen sollte, die wirklich darauf angewiesen sind.Ändern wird sich daran vorerst nichts. Aktiv wird die Stadt nämlich frühestens 2028 – und das auch nur, wenn in den kommenden zwei Auswertungen ebenfalls mehr als 15 Prozent der Haushalte zu viel Einkommen und Vermögen haben. In über tausend städtischen Wohnungen könnten somit Millionäre wohnen, ohne dass die Stadt etwas dagegen unternimmt. Das ist angesichts der Wohnungsknappheit und der in Wohnraum investierten Steuergelder nicht haltbar. Allein in diesem Jahr hat der Stadtrat 600 Millionen Franken für Grundstück- und Immobilienkäufe zur Verfügung.Es ist richtig, dass sich das Einkommen im Laufe der Mietdauer erhöhen kann. Eine gewisse Flexibilität ist wichtig, um sich verändernden Lebensumständen Rechnung zu tragen.Dass aber grundsätzlich 15 Prozent der Mieterinnen und Mieter städtischer Wohnungen Millionäre sein könnten, ist inakzeptabel. Mit Steuergeldern finanzierter Wohnraum ist der falsche Ort für Ausnahmen. Es müssen die gleichen Regeln für alle gelten, und die Stadt muss Verstösse konsequent ahnden. Denn wer unberechtigt in einer günstigen Wohnung sitzt und nicht von selber darauf kommt, sie für bedürftigere Mitbürgerinnen und Mitbürger zu räumen, verdient keine Kulanz.Es ist nun an der Politik, aktiv zu werden – und das nicht erst bei der nächsten Auswertung in einem Jahr. Von der tonangebenden SP ist hier nichts zu erwarten. Die Partei wehrte sich schon bei den Verhandlungen für das heutige Vermietungsreglement mit Händen und Füssen gegen jegliche Einkommenslimite, liess sich schliesslich aber auf den Kompromiss ein. So darf das Einkommen im Laufe der Mietdauer auf das Sechsfache der Jahresmiete steigen. Ausserdem soll die Stadt zu reichen Mietern nicht kündigen, sondern sie durch Gespräche dazu bringen, auszuziehen. Damit verloren die Regeln an Biss.Grundsätzlich pochen die Linken darauf, dass Belegungsvorschriften allein dafür sorgen, dass Wohlhabende die Wohnung wechseln, weil sie mehr Platz wollen. Doch das erweist sich als Trugschluss. Die Auswertung zeigt nämlich auch, dass fast 15 Prozent der städtischen Wohnungen unterbelegt sind. Das ist ein Luxus, der im kommunalen Wohnraum nichts zu suchen hat.Die Toleranzgrenze für das Nichteinhalten der Vermietungsvorschriften muss ersatzlos gestrichen werden. Das sind Stadt und Politik all den Zürcherinnen und Zürchern schuldig, die mit einem kleinen Budget haushalten müssen. Die Bürgerlichen planen dazu bereits Vorstösse. Sollten diese im rot-grün dominierten Stadtparlament scheitern, braucht es eine Volksinitiative. Eine solche Abstimmung ist auch im linken Zürich zu gewinnen. Denn Ungerechtigkeit stört quer durch die Parteienlandschaft.1 KommentarThomas Zwicky vor 8 MinutenGleichheit für alle – ausser für Zürichs linke Nomenklatura in den Miet-Datschas.Passend zum Artikel
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In fast jeder fünften städtischen Wohnung leben Gutverdiener. Das ist inakzeptabel.






