Für Reiche ist Zürich die zweitteuerste Stadt der Welt – zum Glück kommen sie trotzdem. Die Restschweiz danktNicht ganz ernst gemeinte Würdigung einer neuen Weltrangliste für Wohlhabende auf Wohnungssuche.08.07.2026, 08.19 Uhr3 LeseminutenKaufen oder nicht kaufen? Die Preise von Luxusgütern entscheiden darüber, wie attraktiv Städte wie Zürich für die Bestbetuchten sind.Karin Hofer / NZZWas haben die Zürcher Privatbank Julius Bär und der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) gemeinsam? Beide lieben Kapital in grossen Mengen. Bei den Bankern ist das klar. Aber auch Gewerkschafter sind nicht nur gut im Umverteilen, sondern auch im Vermehren von Geld.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als die grösste SGB-Gewerkschaft Unia vor einigen Jahren wegen einer Steuerrechnung vor Gericht zog, zeigte sich zweierlei: Auch Linke zahlen ungern Steuern. Und so geübt sie darin sind, fremdes Geld auszugeben, so gut sind sie darin, das eigene zu horten. Widerwillig musste die Unia damals ihre Bücher öffnen. Mit einem Vermögen von mehreren hundert Millionen Franken wäre sie wohl auch bei Julius Bär eine gefragte Kundin.Und das ist nicht alles: Beide – die Bank und der SGB – haben ein Gespür für die Nöte der Medien im Sommer. Sie wissen, wie sehr Journalisten in diesen Tagen nach Nachrichten lechzen und wie einfach es folglich ist, grosse Aufmerksamkeit zu erhalten. So haben beide ihre News für die heissen Tage aufgespart: Der SGB publizierte am Dienstag den jüngsten «Verteilungsbericht» und die Bank ihren «Lifestyle-Index».Um Kapital geht es hier wie dort, jedoch mit auftragsgemäss gegensätzlichem Fokus. Die gewerkschaftlich motivierten Ökonomen beweisen ein weiteres Mal, dass man mit geschickt gewählten Annahmen eine wachsende Ungleichheit in der Schweiz herbeikalkulieren kann, die es gemäss amtlichen Statistiken nicht gibt. Sowieso hat der SGB das Sich-Öffnen der unvermeidlichen «Lohnschere» schon so oft verkündet, dass sie längst aufgeklappt sein müsste.Eine Weltkarte für Gutbetuchte Ganz anders die kapitalistisch angetriebenen Bär-Ökonomen: Ihr «Lifestyle-Index» ist den Menschen am anderen Ende der Hackordnung gewidmet – den HNWI. Das Kürzel steht für «high-net-worth individuals». Man muss sie sich am besten bildlich vorstellen: Vor langer Zeit zog die FDP Kanton Solothurn mit einer prächtigen Crèmeschnitte in den Wahlkampf – der Slogan dazu: «Politik für alle Schichten». Die HNWI wären dann quasi der glänzende Überzug ganz oben auf dem Zuckerguss.Kalorienärmer ausgedrückt: Es handelt sich um Personen, die zusätzlich zu Wohneigentum, Altersvorsorge und dergleichen flüssige Mittel von über einer Million Dollar haben. Um dieser exklusiven Kaste ein wenig Orientierung zu bieten, errechnet die Bank Bär alljährlich den «Global Wealth and Lifestyle Report», wie die Publikation in voller Länge heisst. Sie zeigt, wie kostspielig das HNWI-Leben in ausgesuchten Städten auf der ganzen Welt ist.Die Schweiz ist mit der selbsternannten Wirtschaftsmetropole vertreten: Zürich ist als einzige Schweizer Stadt Teil der Bärschen Weltkarte für Wohlhabende. Zürcher wird das kaum erstaunen. Sie figurieren zwar auf der interkantonalen Rangliste der Finanzkraft nur noch auf Platz 7, in der innerkantonalen Selbstwahrnehmung aber stehen sie weiterhin ganz oben.Und nun kommt’s: Von allen 25 Städten, die im Index vertreten sind, ist Zürich für HNWI-Menschen neuerdings der zweitteuerste Ort der Welt. Lediglich in Singapur leben sie noch kostspieliger. Verglichen werden die Städte anhand der Preise einer Vielzahl einschlägiger Güter und Dienstleistungen. Die Liste reicht von Wohneigentum, Schmuck und Champagner bis zu Augenoperationen, Frauenschuhen und Privatschulen.Von Spitzensteuerzahlern profitieren alleBleibt zu hoffen, dass sich die mobilen Reichen, die gerade ein neues Domizil suchen, nicht zu sehr abschrecken lassen. Denn eines können nicht einmal kreative Gewerkschafter aus der Welt rechnen: Gutbetuchte Einwohner sind ein Glück für alle in der Schweiz. Die Bestbetuchten unter ihnen zahlen mehr Steuern, als andere verdienen.Allen HNWI sei gesagt: Die Schweiz besteht nicht nur aus Zürich. Es gibt auch noch andere Städte. Und: Finanzstarke Zuzüger sind weiterhin willkommen. Das Land fremdelt zwar mit der 10-Millionen-Schweiz, beim Vermögen aber sind 10 Millionen gern gesehen.PS: Auch Zürich ist und bleibt ein attraktiver Ort für Vermögende, obwohl man das als Nichtzürcher nicht gern zugibt. Sehr gern nimmt man hingegen die Zürcher Millionen aus dem Finanzausgleich entgegen – und heimlich sind zumindest alle Nichtzürcher dankbar, dass die HNWI die Provinz noch nicht entdeckt haben.Passend zum Artikel