KommentarDie Gläubiger des Spitals Wetzikon erhalten bereits das zweite Rettungsangebot. Der Kanton Zürich kann froh seinDie Thurmed AG, die dem Kanton Thurgau gehört, will beim Spital Wetzikon einsteigen. Die Spitalgruppe ist finanziell so gut aufgestellt, dass sie sich sogar eine Investition in das marode Spital leisten kann.15.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDas Spital Wetzikon befindet sich seit zwei Jahren in der Nachlassstundung. Nun ist ein zweites Angebot eingegangen.Annick Ramp / NZZDas Ringen um das krisengebeutelte Spital Wetzikon geht weiter. Nachdem das Spital bereits im Frühling ein Kaufangebot erhalten hat, liegt jetzt noch eine weitere Lösung auf dem Tisch.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Thurmed AG, die dem Kanton Thurgau gehört, will das Spital Wetzikon wieder rentabel machen, wie sie am Montag mitteilte. Die Eigentümergemeinden sollen weiterhin beteiligt bleiben. Die Thurgauer Spitalgruppe behält sich vor, sich in einem zweiten Schritt selbst «strategisch» zu beteiligen. Die Thurmed AG möchte also mitreden.Die Eigentümergemeinden atmen auf. Zumindest dem Wetziker Stadtpräsidenten Pascal Bassu (SP) ist das neue Angebot weitaus «sympathischer» als das bisherige, wie er gegenüber der NZZ sagte. Im Frühling hatte bereits die amerikanische Investmentgesellschaft Kawa Interesse angemeldet, die Spitalgebäude zu übernehmen. Swiss Medical Network (SMN), die zweitgrösste private Klinikgruppe der Schweiz, würde den Betrieb führen. Was SMN mit dem Spital genau vorhätte, ist unklar.Die Eigentümergemeinden sind gut beraten, die Vorschläge genau zu prüfen. Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli hat klargemacht, dass sie das Spital nicht retten will.Staatlicher Eigentümer, aber unternehmerische FreiheitTatsächlich passt das Geschäftsmodell der Thurmed AG besser zum Spital Wetzikon als das von SMN. Die Thurgauer und Zürcher Oberländer haben viele Gemeinsamkeiten: Beide sind Regionalspitäler und verfügen über ein Einzugsgebiet mit je etwa 300 000 Einwohnern, beide bieten keine hochspezialisierte Medizin an.Doch einen kleinen Schönheitsfehler hat das Angebot: Die Thurmed AG ist zu 100 Prozent im Besitz des Kantons Thurgau. Zwar mischt sich die Politik weder in operative noch in strategische Entscheide ein. Die Spitalleitung geniesst grosse wirtschaftliche Handlungsfreiheit. Doch am Ende trägt das Risiko dieses Abenteuers der Thurgauer Steuerzahler.Sollte die Thurmed AG aber weiterhin so erfolgreich wirtschaften, könnte die Investition in das Spital Wetzikon aufgehen. Das Unternehmen ist eine der wenigen Spitalgruppen in der Schweiz mit überaus gesunden Finanzen. So gesund, dass sie sich sogar eine Investition in ein totgesagtes Spital leisten kann.Angebote wie jenes der Thurgauer Spitalgruppe deuten darauf hin, dass es zu einer weiteren – wenn auch sehr langsamen – Konsolidierung der Spitallandschaft kommen könnte. So hatte das Kantonsspital Graubünden im Jahr 2023 zum Beispiel das Spital Walenstadt übernommen. Das Kantonsspital Luzern schloss sich im Jahr 2021 mit dem Kantonsspital Nidwalden zusammen.Synergien und demografischen Wandel nutzenEine Expansion birgt für die Thurmed AG durchaus Chancen. Die geburtenstarken Babyboomer werden älter. Die Zahl der Spitalaufenthalte und der ambulanten Behandlungen wird massiv zunehmen. Im Alter schwindet zudem die Mobilität. Eine Grundversorgung in der Nähe kann also sinnvoll sein. Wer komplizierte Eingriffe und Behandlungen benötigt, wird in die spezialisierten Praxen und Spitäler in der Stadt Zürich überwiesen.Die Thurgauer Spitalgruppe könnte zudem zahlreiche Aufgaben wie IT, Personalwesen oder Finanzen für das Spital Wetzikon übernehmen. Die Strukturen dafür bestehen bereits, das Spital Wetzikon würde von der Effizienz der Thurgauer profitieren. Auch bei medizinischen Dienstleistungen wie der Radiologie oder dem Einkauf von Medikamenten gibt es Potenzial für Synergien.Die Eigentümergemeinden werden bis im Spätsommer über das Angebot der Thurgauer entscheiden. Am Ende zählt jedoch, was die Gläubiger wollen: einen Schuldenschnitt mit den Thurgauern, mit SMN oder einen Konkurs? Laut der Thurmed AG wäre ein Schuldenschnitt mit ihr deutlich weniger schmerzhaft. Wenn es schon eine staatliche Rettungsaktion sein muss, dann ist das nicht die schlechteste.Passend zum Artikel