National verliert die SVP, in Zürich feiert sie: Ihre Initiative «Stopp Prämien-Schock» wird an der Urne angenommenIm Kanton Zürich können künftig deutlich höhere Beträge für die Krankenkasse vom Einkommen abgezogen werden.14.06.2026, 18.07 Uhr3 LeseminutenDie Gesundheitsleistungen nehmen von Jahr zu Jahr zu.Gaëtan Bally / KeystoneDie SVP hat seit einiger Zeit klassische linke Politikthemen für sich entdeckt. Dazu gehören das Wohnen (Vorrang von Einheimischen bei kommunalen Liegenschaften), aber auch die Krankenkasse: Der Kanton Zürich hat am Wochenende über die «Stopp Prämien-Schock»-Initiative der Volkspartei abgestimmt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Während linke Parteien beim Thema Krankenkasse bei der Höhe der Prämie ansetzen und diese begrenzen wollen, zielte die SVP mit ihrer Initiative auf die Steuern: In der Steuererklärung sollen höhere Abzüge für die Krankenkassenprämien erlaubt werden.Die Initiative ist angenommen worden. 53,15 Prozent der Stimmberechtigten haben ihr zugestimmt. Die Stimmbeteiligung lag bei rund 57 Prozent.Bei ihrer Forderung verwies die SVP auf die Zürcher Nachbarkantone, welche allesamt höhere Abzüge kennen. Ausserdem berief sie sich auf den Volkswillen: Bereits 2022 hatte das Zürcher Stimmvolk eine ähnliche SVP-Initiative angenommen – diese war aber in der Stichfrage einem milderen Gegenvorschlag unterlegen.Die Initiative wurde auch von der FDP und der EDU unterstützt. Die anderen Parteien, die Mehrheit des Kantonsparlaments sowie die Kantonsregierung lehnten sie ab. Dies unter anderem wegen der Kosten: Dem Kanton und den Gemeinden entgehen jährlich je rund 80 Millionen Franken an Steuern.Ein Nein von der GoldküsteGegen die Initiative gestimmt haben in erster Linie die linken Städte Zürich und Winterthur. Selbst dort gab es aber keine Einigkeit. So sprachen sich die Stadtzürcher Stimmkreise 11 und 12 für die Vorlage aus.Ins Nein-Lager gesellten sich dafür bürgerlich geprägte Zürichseegemeinden wie Kilchberg, Zollikon und Küsnacht. Dies, obwohl dort viele Gutverdiener leben, die von einem Steuerabzug besonders stark profitieren.Der Küsnachter Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) sagt auf Anfrage, Küsnacht sei nicht nur bürgerlich, sondern auch solidarisch. «Offenbar hielt eine Mehrheit steuerliche Subventionen mit der Giesskanne für nicht sinnvoll.»Keine Freude an der Annahme der SVP-Initiative hat die SP. Sie schreibt in einer Stellungnahme, keine einzige Mittelstandsfamilie werde bei den Prämienkosten entlastet. Profitieren würden die Reichsten im Kanton Zürich. Die Partei befürchtet, dass der Kanton und die Gemeinden nun andernorts sparen.Von einer «Scheinlösung» spricht die GLP in einer Mitteilung. Das Problem der steigenden Krankenkassenprämien werde vernachlässigt. Es brauche kostendeckende Massnahmen. Die Alternative Linke wiederum ruft nach einem Ausbau der Prämienverbilligungen.Zufrieden sind die bürgerlichen Partner der Initianten. «Wir freuen uns über das Ergebnis, das den Mittelstand und die Familien entlasten wird», sagt der Zürcher FDP-Kantonalpräsident Filippo Leutenegger.Die SVP selbst schreibt, der Entscheid sei ein «wichtiges Signal angesichts der seit Jahren steigenden Krankenkassenprämien und der wachsenden Belastung für den Mittelstand».Der Zürcher Finanzdirektor Ernst Stocker, auch er ist in der SVP, sagte am Sonntag vor den Medien, er habe mit einer Annahme gerechnet. Die Initiative habe einen Nerv getroffen, die Entwicklung der Prämien sei eine der grössten Sorgen der Bevölkerung. Die Befürworter hätten es einfacher gehabt als die Gegner. «Jedem ist das eigene Portemonnaie am nächsten», sagte Stocker.Er stellte anerkennend fest, dass im Kanton Zürich seit 2008 nur fünf Volksinitiativen angenommen worden seien – darunter sei auch die frühere Prämieninitiative der SVP von 2022.So soll die Steuersenkung funktionierenDie Initiative verlangt deutlich höhere Abzüge als bisher. Heute sind maximal 2900 Franken für Alleinstehende beziehungsweise 5800 Franken für Verheiratete möglich. Diese Beträge haben mit der Entwicklung der Krankenkassenprämien nicht Schritt gehalten. In der Stadt Zürich zum Beispiel gilt eine Durchschnittsprämie für Erwachsene von fast 600 Franken pro Monat beziehungsweise gut 7000 Franken pro Jahr.Der Steuerabzug für die Krankenkassenprämie wird künftig der tatsächlichen Durchschnittsprämie entsprechen. Steigt die Durchschnittsprämie, wird auch der Abzug erhöht werden.Bis die neuen Tarife gelten, ist noch etwas Geduld gefragt. Sie sollen per Anfang der neuen Steuerfussperiode gelten, das heisst per 1. Januar 2028.Passend zum Artikel