Wer in Zürich sein PK-Kapital bezieht, bezahlt viel mehr Steuern als in anderen Kantonen. Doch die Regierung lehnt eine Initiative ab, die tiefere Tarife fordertDer Finanzdirektor Ernst Stocker ist zwar schon für eine Senkung der Steuern auf Kapitalbezüge. Wie genau, weiss er aber auch nicht.20.07.2026, 16.00 Uhr4 LeseminutenEine ausreichende Rente ist für ein sorgloses Alter zentral.Andrea Zahler / CH MediaWer vor der Pensionierung steht, muss sich Gedanken darüber machen, was mit seinem Vermögen in der Pensionskasse (PK) passieren soll.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es gibt drei Möglichkeiten. Erstens: Man lässt das Geld in der Kasse und erhält bis zum Lebensende eine garantierte Rente. Zweitens: Man bezieht das Kapital und ist fortan selbst für seine private Altersvorsorge verantwortlich. Drittens: Man nimmt einen Teil als Rente und lässt sich einen Teil auszahlen.Variante 2, der vollständige Kapitalbezug, ist der beliebteste Schritt. 2024 entschied sich nicht ganz die Hälfte der Schweizer Neurentner für die Auszahlung ihres Vorsorgevermögens. Dies zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik.Gratis ist das nicht. Ein Kapitalbezug muss versteuert werden, und das ist gerade im Kanton Zürich eine kostspielige Angelegenheit. Denn konkurrenzfähig ist Zürich nur bei tiefen bis mittleren sechsstelligen Beträgen. Wenn es darüber hinausgeht, wird es teurer als in anderen Kantonen.Dazu ein Beispiel. Angenommen, ein Verheirateter hat in seiner Pensionskasse eine Million Franken angespart und lässt sich das Geld nun auszahlen. Falls er in der Stadt Zürich lebt, fallen rund 80 000 Franken an Steuern an. Im Kanton Schaffhausen hingegen werden nur rund 54 000 Franken fällig. Dies zeigt ein Vergleich mit dem Rechner der Eidgenössischen Steuerverwaltung.Noch teurer ist Zürich für Alleinstehende: Sie müssen von ihrer Million sogar fast 110 000 Franken abgeben. Schaffhausen und andere Kantone kennen einen solchen Malus für Singles nicht. Diese bezahlen dort gleich wenig wie Verheiratete.Bei noch höheren Vermögen kann Zürich erst recht nicht mehr mithalten. Wer volle 10 Millionen Franken in der PK ansparen konnte, muss in der Stadt Zürich bei einem Kapitalbezug 2,3 Millionen Franken abgeben. Im günstigsten Nachbarkanton Schaffhausen sind es nur rund 540 000 Franken, also fast 2 Millionen Franken weniger.Sehr viel günstiger ist auch der Kanton Graubünden. Dort kostet die Auszahlung 590 000 Franken. Weil die Steuern in dem Bergkanton auch sonst tiefer sind als in Zürich, ist der Anreiz für Vermögende gross, ihren Wohnsitz in ihr Bündner Feriendomizil zu verlegen. Mit seinen hohen Tarifen riskiert der Kanton Zürich also, seine besten Steuerzahler zu vertreiben.Eine klare Mehrheit für tiefere SteuernFür die Mehrheit des Zürcher Kantonsparlaments ist klar, dass es mit den hohen Zürcher Tarifen nicht weitergehen kann. Im Februar 2025 nahm der Rat eine Einzelinitiative eines Zürcher Bürgers vorläufig an, welche die Sätze senken soll. Von den 180 Abgeordneten waren genau 100 dafür. Das ist eine sehr deutliche Mehrheit, wie sie im Kantonsrat nur selten vorkommt. Ein Argument war, dass die hohen Steuersätze ausgerechnet die besten Steuerzahler vertreiben würden.Anderthalb Jahre später hat der Regierungsrat zur Initiative nun seinen Bericht und Antrag vorgelegt. Sein Fazit: Er lehnt die Initiative ab. Ein Hauptargument ist, dass Kapitalauszahlungen steuerlich deutlich tiefer belastet würden als Rentenbezüge. Nach Ansicht der Regierung sollte es aber so sein, dass die beiden Varianten gleich behandelt werden.Weiter führt die Regierung aus, dass ein vergleichbares Anliegen bereits einige Jahre zuvor intensiv diskutiert und verworfen worden sei. Ausserdem habe Zürich seine Tarife erst per Anfang 2022 deutlich reduziert. Dabei seien zum Beispiel Kapitalbezüge von 500 000 Franken bis 2 Millionen Franken steuerlich um etwa 30 bis 50 Prozent entlastet worden.Die Regierung weist aber noch auf einen anderen Punkt hin, der vom Initianten und von den Befürwortern so wohl nicht beabsichtigt worden war: Würde die Einzelinitiative wortwörtlich so umgesetzt, wie sie formuliert ist, würden zwar die sehr grossen Vermögen entlastet. Der Mittelstand aber müsste nicht weniger, sondern deutlich mehr bezahlen. Ein Kapitalbezug von 750 000 Franken würde fast doppelt so teuer, einer von 1 Million Franken würde knapp 50 Prozent mehr kosten.Schliesslich glaubt der Regierungsrat, dass die tiefen Steuern falsche Signale setzen würden. Bei einer Senkung der Steuer würde auch bei kleinen und mittleren Vermögen ein starker Anreiz geschaffen, das Kapital auszahlen zu lassen. In dieser Situation sei es aber besser und vor allem sicherer, die Rente zu beziehen.Stocker: «Das wird kein Spaziergang»Das heisst nicht, dass die Kantonsregierung eine Senkung der Steuern bei Kapitalbezügen völlig ablehnt. «Der Kanton Zürich wird über die Bücher gehen müssen», sagte der Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) unlängst an einem Anlass mit Zürcher Medien. «Aber das wird kein Spaziergang werden.» Stocker geht davon aus, dass es eine Volksabstimmung braucht. Dabei werde eine Grundsatzfrage sein, ob auch die Bezüger von Renten entlastet werden müssten.Wie genau eine steuerliche Entlastung von Rentnern nach Ansicht der Regierung aussehen könnte, skizzierte Stocker nicht. Dies sei nicht sicher, sagte er. Klar sei nur, dass der Kanton nicht nur Gesetze machen könne «für Leute, die 10 Millionen Franken besitzen». Im Übrigen gehe er nicht davon aus, dass viele Rentner nur wegen der Steuern wegzögen.Der Antrag der Regierung zur Einzelinitiative kommt nun als Nächstes wieder in das Kantonsparlament.Passend zum Artikel
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Der Finanzdirektor Ernst Stocker ist zwar schon für eine Senkung der Steuern auf Kapitalbezüge. Wie genau, weiss er aber auch nicht.






