Zürichs ewiger Finanzminister Ernst Stocker präsentiert sein letztes Budget – und weiss nicht recht, ob er warnen oder jubilieren sollDas Budget 2027 ist schwarz. Dennoch droht dem Kanton wegen der vielen anstehenden Investitionen ein riesiger Schuldenberg.28.08.2026, 16.00 Uhr4 LeseminutenDer Finanzdirektor Ernst Stocker an seiner letzten Budgetpräsentation.Claudio Thoma / KeystoneSeit elf Jahren ist Ernst Stocker Zürichs Finanzminister, und in dieser Zeit sind Metaphern zu seinem Markenzeichen geworden – Bilder, die jeder verstehen kann. Von den Kühen, die allzu gerne gemolken würden, spricht der Landwirt Stocker oft. Nun, als er sein letztes Budget vorgelegt hat, bleibt sich der 71-jährige Stocker treu.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Der besagte Ertragsüberschuss von 207 Millionen Franken kam zustande, obwohl der Kantonsrat den Steuerfuss im letzten Dezember um drei Prozentpunkte gesenkt hat. Dies bei einem Aufwand von 20,8 Milliarden Franken, 400 Millionen Franken mehr als für das laufende Jahr.10 Milliarden Franken sollen 2027 die Steuereinnahmen betragen. Bemerkenswert ist, dass 30 Prozent der reichsten natürlichen Personen 80 Prozent der Steuern bezahlen. Bei den Unternehmen ist das Verhältnis noch krasser: Hier sind es 3 Prozent der Firmen, die 80 Prozent der Steuereinnahmen erwirtschaften. Diese Zahlen legt Stocker jenen ans Herz, die stets forderten, die Reichen sollten mehr Steuern zahlen.Die Mehreinnahmen aus den Steuern wiegen die Mehrkosten auf, die im Budget ebenfalls zu finden sind. So führt das Entlastungspaket des Bundes beim Kanton zu Mehrausgaben. Dieser will an einem Teil der Bundesleistungen festhalten und diese selbst berappen. Er stellt zum Beispiel 12 Millionen Franken zur Verfügung, damit die Studiengebühren nicht erhöht werden müssen. Negativ ins Gewicht fallen weiter steigende Kosten für die Spitäler und für die Mittelschulen.Auch die Verwaltung wächst. In dem Voranschlag sind 684 zusätzliche Stellen in den Direktionen und der Staatskanzlei vorgesehen, rund die Hälfte davon im Bildungsbereich. Rechnet man selbständige Anstalten wie Spitäler und Hochschulen hinzu, beträgt das Wachstum 1481 Stellen, und die Gesamtzahl der Angestellten liegt bei über 56 000.Ins Gewicht fallen schliesslich die Investitionen. Knapp 1,3 Milliarden stehen im Budget für das nächste Jahr bereit, unter anderem für Neubauten der Universität, die neue Kantonsschule Uetikon am See sowie die ÖV-Projekte Tram Affoltern und die Verlängerung der Glattalbahn nach Kloten.«Fleischkäse» wird zurückgestelltSeit drei Jahren priorisiert der Kanton seine langjährigen Projekte mit Blick auf die Finanzlage. Auf der Liste der gestoppten Vorhaben figurieren unter anderem – nicht näher umschriebene – Projekte der Kantonspolizei in der Höhe von rund 47 Millionen Franken.Zurückgestellt wurden weiter rund 600 Millionen Franken für den Nebenbau des Opernhauses, im Volksmund «Fleischkäse» genannt, ein Neubau beim Kantonsspital Winterthur für rund 400 Millionen Franken oder das neue Zentrum für Zahnmedizin im Uni-Quartier, das mit rund 285 Millionen Franken zu Buche schlägt.Wenn es um das Gesamtbild geht, schwankt Stocker zwischen Zuversicht und Sorge. Einerseits sagt er Sätze wie: «Der Motor brummt. Zürcherinnen und Zürcher haben Arbeit und können ein gutes Leben führen.»Andererseits stellt er mit Blick auf den eidgenössischen Ressourcenausgleich mit einer Spur Zerknirschung fest: «Es gibt Kantone, die besser sind, das muss man zur Kenntnis nehmen.» Vor allem bei den Unternehmenssteuern sei Zürich auch hinter Luzern oder Schaffhausen zurückgefallen.Die FDP erkennt in diesem Rückfall im Standortwettbewerb ein «Alarmsignal». Die Steuerbelastung für Unternehmen sei zu hoch – die Partei fordert dazu ein Massnahmenpaket der Regierung. Zudem stösst sie sich am Personalwachstum: Ihre Initiative für eine Personalbremse sei «aktueller denn je». Auch die SVP fordert beim Stellenwachstum einen «Ausgabenstopp».Die linken Parteien werfen dem Regierungsrat hingegen ein «Budget des Stillstands» vor, das drängende Zukunftsfragen ignoriere. Die Regierung investiere zu wenig in Massnahmen für den Klimaschutz, Bildung und bezahlbaren Wohnraum.Stocker kennt die Kritik von links wie von rechts nach elf Jahren als Finanzminister bestens. Er hat noch die Budgetberatung im Dezember vor sich – und den letzten Rechnungsabschluss im März des kommenden Jahres. Dies dürfte dann sein letzter grosser Auftritt als Finanzminister sein. Er hoffe, dass es auch dann «recht herauskommt», sagt Stocker.Passend zum Artikel
Ernst Stocker präsentiert Zürichs letztes Budget: Jubeln oder warnen?
Das Budget 2027 ist schwarz. Dennoch droht dem Kanton wegen der vielen anstehenden Investitionen ein riesiger Schuldenberg.






