KommentarAuch Leute mit kleinem Sparkapital sind betroffen: Der Kanton Zürich muss aufhören, seine Rentner bei der Pensionierung zu bestrafenKapitalbezüge aus der Pensionskasse dürfen nicht so teuer sein, dass gute Steuerzahler aus dem Kanton Zürich vertrieben werden.21.07.2026, 19.30 Uhr3 LeseminutenWer sein Leben lang hart gearbeitet hat, soll den Ruhestand geniessen können.Andrea Zahler / CH MediaWer sich pensionieren lässt, erhält nicht selten zwei Briefchen. Das eine ist von den lieben Teamkollegen, die einem für den Ruhestand alles Gute wünschen. Das andere stammt vom Staat, der eine Steuerrechnung schickt. Dies dann, wenn man seine zweite Säule auszahlen lässt, statt eine Rente zu beziehen. Schweizweit entscheidet sich knapp die Hälfte der Arbeitnehmer für diesen Schritt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Kanton Zürich ist ein solcher Kapitalbezug besonders teuer. Wer sich eine Million Franken auszahlen lässt, muss als Verheirateter rund 80 000 Franken Steuern bezahlen. Als Single sind es sogar fast 110 000 Franken. Im Kanton Schaffhausen, um ein Beispiel aus der Nachbarschaft zu nennen, verlangt das Steueramt in beiden Fällen nur rund 54 000 Franken.Noch deftiger ist der Unterschied bei sehr hohen Pensionskassenvermögen. Hat sich ein CEO in der Stadt Zürich 10 Millionen Franken angespart, muss er bei der Auszahlung 2,3 Millionen Franken abgeben. In Schaffhausen sind es nur gut 540 000 Franken. In Kantonen wie Graubünden ist es ähnlich. Allein mit der Steuerersparnis könnte die Person dreissig Jahre lang eine Wohnung für 5000 Franken Monatsmiete finanzieren. Oder gleich einen neuen Wohnsitz kaufen.Ein Schaden für die StaatskasseEs ist zwar grundsätzlich richtig, dass der Staat den Bezug von Vorsorgegeldern besteuert, denn jede Einzahlung in die Kasse konnte zuvor von den Steuern abgezogen werden. Aber so hohe Ansätze, wie sie der Kanton Zürich kennt, sind schädlich. Sie vertreiben ausgerechnet die besten Steuerzahler in günstigere Kantone.Natürlich, wegen eines Zürich-Zuschlags von wenigen tausend Franken werden nur wenige ihre Zelte abbrechen. Aber wenn es um Millionen geht, ist die Verlockung viel grösser. Die Besteuerten besitzen in der Regel weitere Vermögenswerte und erzielen auch nach der Pensionierung überdurchschnittliche Einkünfte. Genau solche Steuerzahler braucht der Kanton Zürich, um seine Bildung, seine Sozialausgaben und sein Gesundheitssystem zu finanzieren.Das Problem betrifft aber nicht nur die Reichen. Sogar bei tiefen Kapitalbezügen langt der Kanton Zürich kräftig zu. Wer 100 000 Franken aus der Pensionskasse nimmt, bezahlt in Schaffhausen rund 2200 Franken. In der Stadt Zürich sind es gut 4600 Franken, also mehr als das Doppelte. Das ist unsozial und stossend.Eine fehlerhafte InitiativeIm Zürcher Kantonsparlament liegt derzeit eine von einem Bürger eingereichte Einzelinitiative vor, welche die Senkung der ganz hohen und der ganz tiefen Ansätze verlangt. In einer ersten Runde hat das Vorhaben im Kantonsrat parteiübergreifend eine breite Zustimmung erfahren.Wie der Regierungsrat in der Zwischenzeit festgehalten hat, wurde der Initiativtext unglücklicherweise so formuliert, dass Kapitalbezüge von 500 000 bis 1,5 Millionen Franken zum Teil fast doppelt so stark besteuert würden wie heute. Der Mittelstand würde also erheblich stärker belastet. Das kann natürlich nicht der Sinn der Sache sein, weshalb die Initiative in ihrer ursprünglichen Form abzulehnen ist.Am Grundgedanken, der Senkung der Tarife, sollten Regierung und Parlament dennoch festhalten. Der Zürcher Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) hat letzte Woche vor den Medien betont, dass er es im Prinzip gleich sehe. Er sagte, der Kanton Zürich müsse über die Bücher gehen. Das ist ermutigend.Er selbst wird das politisch umstrittene Geschäft aber wohl nicht mehr anpacken. Im April sind Neuwahlen, und Stocker verzichtet auf eine weitere Amtszeit. Für Arbeitnehmer, die in den nächsten Monaten und Jahren ihren Abschiedsapéro in der Firma feiern, dürfte sich also nichts ändern. Aber vielleicht für die Generationen nach ihnen. Es wäre Zeit.Passend zum Artikel