Aargau überholt Zürich: Bei der Steuerbelastung von Einkommen rutscht der grösste Kanton der Schweiz auf Platz 14Der Mittelstand wird in Zürich moderat besteuert. Anders sieht es bei Spitzenverdienern und Firmen aus, wie eine neue Auswertung zeigt.17.06.2026, 05.00 Uhr3 LeseminutenBeim steuerlichen Umfeld in Zürich ortet ein Forschungsinstitut einen «Abwärtstrend».Gaëtan Bally / KeystoneDie Kommunikationsabteilung der Zürcher Finanzdirektion gibt sich alle Mühe. «Der Mittelstand wird im Kanton Zürich moderat besteuert», so lautet der Titel einer Medienmitteilung vom Dienstag.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei den Einkommen zwischen 60 000 und 200 000 Franken liege der Mittelwert der Steuerbelastung in fast allen betrachteten Fällen im vorderen Drittel der Kantone. Und im Ranking zur Vermögensbelastung liege man «weiterhin deutlich unter dem Schweizer Schnitt».Die Zahlen stimmen. Trotzdem überrascht der positive Grundton. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, gibt die Zürcher Steuerpolitik nämlich mehr Anlass zur Sorge als zur Freude.Dies merkt, wer den ausführlichen neuen Zürcher Steuerbelastungsmonitor von BAK Economics studiert. Das Forschungsinstitut führt die Auswertung im Auftrag des Kantons jährlich durch. Darin ist festgehalten, dass Zürich bei der Einkommensbesteuerung im Vergleich zu anderen Kantonen in den letzten zwanzig Jahren deutlich zurückgefallen ist – um neun Plätze, von einem Spitzenplatz ins Mittelfeld. BAK ortet einen «Abwärtstrend».Der Abstieg hat laut BAK vor allem damit zu tun, dass andere Kantone aufgeholt haben und ihre Steuerzahler stärker schonen. Einen Sprung nach vorne hat namentlich der Kanton Aargau gemacht: Um fünf Plätze hat er sich in der Kantonsrangliste verbessert und damit Zürich auf Rang 14 von 26 verdrängt. Der Kanton Genf, der zuvor schon besser als Zürich positioniert war, ist um vier Plätze auf Rang 4 nach vorne gerutscht. Unangefochten auf den ersten drei Plätzen liegen Zug, Schwyz und Graubünden.BAK Economics, ESTVZu erwähnen ist, dass sich die neuste BAK-Auswertung auf Zahlen aus dem Jahr 2025 stützt. Nicht darin berücksichtigt sind die kürzlich beschlossene Steuerfusssenkung um drei Prozentpunkte und der letzte Ausgleich der Teuerung auf die Steuertarife und die Abzüge im Kanton. Das betont die Finanzdirektion.Während die Belastung für mittlere Einkommen in Zürich tatsächlich «relativ attraktiv» ist, wie es im BAK-Bericht heisst, sieht es bei den Spitzenverdienern anders aus. Sie zahlen besonders viele Steuern. BAK Economics schreibt: «Deutlich schlechter präsentiert sich die Situation bei den sehr hohen Einkommen von 1 Million Franken.» Dort liege Zürich bei den Verheirateten in der unteren Hälfte des Kantonsrankings, bei den Ledigen gar im hinteren Drittel. Die Steuerprogression ist ausgeprägter als in anderen Kantonen.Sehr düster sieht die Lage für die Zürcher Firmen aus. Wie im vergangenen Jahr liegt der Kanton bei den Unternehmenssteuern auf dem letzten Platz. Seit 2006 hat Zürich in dieser Rangliste dreizehn Plätze verloren. Letztmals hat die Zürcher Stimmbevölkerung im Mai 2025 eine Senkung der Firmensteuern an der Urne verworfen.BAK Economics, ESTVDer BAK-Bericht erwähnt die günstigeren Tarife für Unternehmen in anderen Kantonen: «Im internationalen Wettbewerb um Unternehmensansiedlungen spielt es eine wichtige Rolle, dass die Steuerbelastung in Basel-Stadt, Genf, Waadt, Schwyz und Zug deutlich tiefer ist als in Zürich.»Die Finanzdirektion hält fest, dass «forschungsintensive Unternehmen» ihre Belastung in Zürich dank Abzugsmöglichkeiten deutlich verringern können. Insgesamt, heisst es etwas umständlich, stehe man bei den Firmensteuern «in einem Spannungsfeld zwischen nachteiliger nationaler Konkurrenzsituation und einer konkurrenzfähigen Position gegenüber internationalen Standorten».Tatsächlich bietet Zürich im Vergleich zu anderen Wirtschaftszentren wie London, Paris oder Schanghai attraktive Tarife für Unternehmen an. Wie überall im Leben kommt es darauf an, mit wem man sich vergleicht – auch bei den Steuern.BAK Economics, ZEWPassend zum Artikel