KommentarDie Zeiten des schlanken Schweizer Staates sind vorbei: Bis am 21. Mai arbeiten die Bürger nur dafür, alle Steuern und Zwangsabgaben zu bezahlenDie Fiskalquote steigt unablässig und nähert sich dem Niveau in Deutschland an. Diese Entwicklung gefährdet den künftigen Wohlstand.21.05.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenIda Götz / NZZZwar steigen die Einkommen, und die Wirtschaft wächst. Trotzdem haben viele Leute das Gefühl, dass sie am Ende des Monats nicht mehr Geld in der Tasche haben. Der Grund dafür sind aber nicht höhere Konsumausgaben. Stattdessen versickert das Einkommen auf anderen Kanälen, sei es für höhere Lohnabzüge, Prämien für die Krankenkasse oder Gebühren für staatliche Leistungen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wie sehr dieser Eindruck die Realität abbildet, zeigt nun eine Analyse der Denkfabrik Avenir Suisse. Gemäss dieser hat der Durchschnittsbürger in der Schweiz bis heute, dem 21. Mai, einzig dafür gearbeitet, seine Steuern sowie weitere Pflichtabgaben an den Staat zu entrichten. Erst von jetzt an kann er das nötige Geld verdienen, um seine eigenen Bedürfnisse – wie Nahrungsmittel, Miete oder Mobilität – zu befriedigen. Avenir Suisse spricht daher vom «Tag der finanziellen Freiheit».Natürlich erfüllt der Staat wichtige Funktionen: Für eine gute Bildung, Infrastruktur oder Sicherheit bezahlt jeder gerne seine Steuern. Doch soll man dafür wirklich von Anfang Januar bis am 21. Mai arbeiten müssen?Die Verwaltung wächst und wächstDer Staat hat seine Einflusssphäre in den letzten Jahren unablässig ausgebaut. Das zeigt sich namentlich darin, dass gegenwärtig in der Verwaltung und den staatsnahen Bereichen 370 000 Personen mehr arbeiten als noch im Jahr 2010. In der Privatwirtschaft dagegen hat die Beschäftigung lediglich um 260 000 Stellen zugenommen. Dieser ungebremste Ausbau des Staates hat jedoch seinen Preis.Noch Anfang der 1990er Jahre fand der «Tag der finanziellen Freiheit» einen Monat früher statt, am 21. April. Und das Datum wird sich immer weiter nach hinten verschieben. Denn eine Trendumkehr zeichnet sich nicht ab. Bund und Parlament wälzen diverse Pläne für höhere Steuern und Abgaben, sei es für die AHV, die Armee oder die Invalidenversicherung.Das Problematische an den wachsenden staatlichen Belastungen sind weniger die Steuern. Hier wirken der Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen sowie die staatliche Schuldenbremse als Korrektiv. Sorgen bereiten vielmehr die übrigen Zwangsabgaben wie Lohnabzüge, Krankenkassenprämien, Pensionskassenbeiträge oder sonstige Gebühren.Die Schweiz verliert ihren VorsprungRechnet man sämtliche obligatorischen Belastungen zusammen, so erreicht diese erweiterte Fiskalquote bereits ein Niveau von 38,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts. In einer solchen Bruttorechnung beansprucht der Schweizer Staat schon fast den gleichen Anteil an der wirtschaftlichen Wertschöpfung wie in Deutschland oder den Niederlanden.Der schlanke, effiziente Staat ist auch hierzulande am Verschwinden. Die negativen Folgen zeigen sich vor allem auf lange Frist. Denn sie führen zu einer schleichenden Erosion der Wettbewerbskraft und des Wohlstandes. Jeder Franken, der für den Staat weggeht, schmälert die private Kaufkraft. Eine hohe Staatsquote reduziert zudem das Wachstumspotenzial der Wirtschaft. Die Innovationen und die Steigerung der Produktivität geschehen primär in den privaten Firmen und nicht in der Verwaltung.Eine hohe Abgabenlast schwächt überdies die Arbeitsanreize. Wer einen grossen Teil seines Lohns ohnehin wieder abgeben muss, gönnt sich lieber mehr Freizeit. Dieser Trend ist vor allem wegen der demografischen Alterung ein Problem. Schon heute fliessen von 100 Franken, die der Staat aufwendet, 40 Franken in Sozialtransfers. Die Pensionierungswelle und die höhere Lebenserwartung lassen diesen Anteil weiter ansteigen.Wenn sich der Staat immer mehr breitmacht, führt dies ebenso zu einem gefährlichen Mentalitätswandel. In der Bevölkerung entsteht eine zunehmende Anspruchshaltung. Sobald eine Gruppe von staatlichen Zuwendungen profitiert, weckt dies weitere Begehrlichkeiten von Leuten, die angeblich zu kurz kommen. Die Politik dreht sich primär darum, alte Pfründe zu verteidigen sowie neue Opportunitäten für Zuschüsse zu kreieren. Dabei gilt noch immer: Der Wohlstand muss zuerst geschaffen werden, bevor man ihn verteilen kann.Passend zum Artikel