Neuer Rettungsversuch für das krisengeschüttelte Spital Wetzikon: Thurgauer Spitalgruppe will einsteigenDie Thurmed AG, die dem Kanton Thurgau gehört, hat dem Zürcher Oberländer Spital ein Angebot unterbreitet. Und damit duellieren sich nun private Investoren und die öffentliche Hand um den Betrieb.13.07.2026, 07.00 Uhr4 LeseminutenPlötzlich ist das Spital Wetzikon in den Fokus von gleich zwei Spitalgruppen geraten.NZZDas Spital Wetzikon kämpft seit über zwei Jahren gegen den Untergang. Seit Montagmorgen ist klar: Es gibt eine neue Chance auf Rettung. Wie Thurgauer Spitalgruppe Thurmed AG bekanntgegeben hat, will sie in Wetzikon einsteigen. Gemäss einer Medienmitteilung hat die Gruppe den Eigentümergemeinden am letzten Freitag ein Angebot überreicht. Wie dieses im Detail aussieht, ist nicht bekannt. Klar ist, dass Thurmed sich am Spital beteiligen will. Die Gemeinden sollen aber Miteigentümer bleiben. Und der Betrieb soll so weiterlaufen wie bisher.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit hat das von einigen schon totgesagte Wetziker Spital nun zwei Angebote auf dem Tisch liegen. Im April war bekannt geworden, dass das Swiss Medical Network den Betrieb in Wetzikon übernehmen will. Sie ist die zweitgrösste private Klinikgruppe der Schweiz – und Teil der Dachgesellschaft Aevis Victoria, an deren Spitze der schillernde Walliser Immobilieninvestor Antoine Hubert steht.Das Duell in Wetzikon lautet nun also: privat gegen öffentlich. Denn die Thurmed AG gehört zu 100 Prozent dem Kanton Thurgau. Dieser führt die Gruppe aber an der langen Leine. In operative und strategische Entscheide mischt er sich nicht ein. Und so will die Gruppe nun die ungewöhnliche Expansion über die Kantonsgrenzen hinaus wagen.Bei den Eigentümergemeinden des Spitals Wetzikon könnte das Angebot der öffentlichen Hand besser ankommen – zumal sie bei dieser Lösung mit ihm Boot bleiben könnten und wohl auch die Akzeptanz in der Bevölkerung grösser wäre.Zentral wird aber auch sein, wie die Gläubiger des Spital das Angebot aufnehmen. Denn diese werden am Ende entscheiden, ob sie das Spital in den Konkurs schicken oder einen Schuldenschnitt akzeptieren. Im bisherigen Sanierungsplan der Spitalführung beläuft sich dieser auf bis zu 180 Millionen Franken. Die Thrumed schreibt deshalb in ihrer Mitteilung, dass sie mit ihrer Beteiligung eine «Besserstellung der Gläubiger ermöglichen» wolle. Das gleiche haben die privaten Investoren in Aussicht gestellt.Grösse als VorteilDas Spital Wetzikon noch bis im Dezember vor den Forderungen der Gläubiger geschützt. Bis dann läuft die Nachlassstundung, in der das Spital seit Ende April 2024 steht.Der Ursprung der Krise liegt weiter zurück. 2014 hatte das Spital am Markt eine Anleihe über 170 Millionen Franken aufgenommen. Geld, das es für einen Neubau benötigte – der noch heute nicht fertiggestellt ist. Eigentlich hätte das Spital das Geld im Juni 2024 zurückzahlen müssen. Doch es war dazu nicht in der Lage. Weder fand es dazu das nötige Kapital am Markt, noch war der Kanton bereit, das in Not geratene Spital zu retten – selbst wenn dies sein Ende bedeuten sollte.Der Betrieb ist seither normal weitergelaufen. Trotzdem birgt ein Einstieg in das krisengeschütteltes Spital Risiken. Warum will eine Spitalgruppe aus einem anderen Kanton diese eingehen?Der Thurmed-Gruppe steht der umtriebige Rolf Zehnder als CEO vor. Zehnder hat sich in den letzten Jahren immer wieder mit Ideen zur Gestaltung der Schweizer Gesundheitsversorgung eingebracht – und er hat einen engen Bezug zum Kanton Zürich. Vor seinem Weggang in den Kanton Thurgau stand er 14 Jahre lang an der Spitze des Kantonsspitals Winterthur.Zehnder sieht in grösseren Spitalverbunden die Zukunft, weil die einzelnen Betriebe so diverse Aufgaben bündeln und so Kosten sparen könnten. Sei es im Einkauf, bei den Finanzen oder in der IT. «In den nächsten Jahren werden die Spitäler beträchtlich in die IT investieren müssen. Ein Verbund bringt da ganz klar Vorteile», sagt er.Dass die Thurgauer in ihrem Verbund die Kosten im Griff haben, haben sie in den letzten Jahren gezeigt. Als eins der wenigen Spitalunternehmen in der Schweiz ist es der Thurmed gelungen, genug Gewinn zu erwirtschafte, um die eigene Infrastruktur nachhaltig finanzieren zu können.Bei der Thurmed AG ist man zudem überzeugt, dass das Spital Wetzikon perfekt in den Verbund passt. «Wir haben die gleiche DNA», sagt Zehnder. Damit meint er: Beim Spital Wetzikon handelt es sich ebenfalls um ein Regionalspital, das in der Grundversorgung aktiv ist und nicht in der hochspezialisierten Medizin.Seiner Meinung nach, werden gerade die Regionalspitäler in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen, und zwar wegen des demografischen Wandels. Die Spitäler müssten in Zukunft noch weit mehr betagte Patienten behandeln. «Die meisten von ihnen sind auf eine wohnortsnahe Behandlung angewiesen, weil sie nicht mehr so mobil sind.» Zudem sei bei dieser oft chronisch kranken Patientengruppe die lokale Vernetzung zwischen Hausärzten, Spitälern und Pflege besonders wichtig.Zehnder schwärmt auch von der grossen Resilienz des Spitals Wetzikon. Trotz der Krise sei es der Spitalführung gelungen, das Personal zu halten, und die Patientenzahlen zu steigern. «Das Vertrauen in den Betrieb ist offensichtlich gross.»Die offene Frage: Was passiert mit dem Neubau?Offen ist bei diesem möglichen Deal allerdings, was die Thurgauer mit dem nicht fertiggestellten Neubau machen werden. Laut Zehnder werde man in den kommenden Wochen die Möglichkeiten und Kosten, um den Bau fertigzustellen, genau prüfen. Die Thrumed hat eine spezialisierte Einheit, die sich ausschliesslich um Bau- und Infrastrukturfragen kümmert.Der Ball liegt nun bei den Aktionärsgemeinden. Sie werden das neue Angebot prüfen und mit jenem der Konkurrenz vergleichen. Erhalten die Thurgauer den Zuschlag, wäre das nicht frei von Ironie. Nachdem der Kanton Zürich dem Oberländer Spital die Hilfe verweigert hatte, könnte es am Ende vom kleineren Nachbarkanton gerettet werden.Mehr folgt.Passend zum Artikel