Die Sommerpause hat begonnen. Jetzt ruhen alle im Bundestag verbliebenen Gesetze für zwei Monate und hängen gut ab. Das unzeitgemäße Ritual der Sommerpause nimmt keine Rücksicht auf akute Wirtschaftskrisen oder chronische Verwaltungsblähungen. Sie ist im politischen Kalender so fest verankert wie das christliche Weihnachten oder der rheinische Karneval. Um die holprigen Reformvorschläge der Bundesregierung abzusegnen, blieben den Parlamentariern seit dem letzten Sommerurlaub netto 23 Sitzungswochen. Der Halbtagsjob, den die Abgeordneten der schwarz-roten Koalition ablieferten, gereichte allenfalls zu einem fadenscheinigen PR-Erfolg: Die Merz-Regierung hat die Medien etwas besänftigt. Im Frühjahr musste man noch davon ausgehen, dass die zerstrittene Koalition bis zur Sommerpause implodiert. Insofern waren einige Leitartikler und Korrespondenten erleichtert, dass sich Union und SPD scheinbar zusammengerauft haben. „Schwarz-Rot kann Reform“, jubelt das Handelsblatt zum Gesundheitspaket; beim Steuergesetz hätten Merz und Klingbeil „einen klugen Weg gewählt“, lobt die FAZ; insgesamt habe die Koalition „durchgelüftet – und sie liefert“, nickt die Süddeutsche Zeitung anerkennend. Doch da stellen sich zwei Fragen: Warum sollte man über eine gerettete Koalition erleichtert sein? Und: Was bringen die „Reformen“ der Merz-Koalition eigentlich unterm Strich?