GastkommentarStephan Wyss und Hugo BarbierDas Vorsorgegeld in der Schweiz ist gut verwaltet und diversifiziert. Den Börsengang von SpaceX würden die Schweizer Pensionskassen kaum merken. Eine Replik.13.07.2026, 05.20 Uhr3 LeseminutenDroht der Finanzwelt eine KI-Blase?ImagoIn einem Leitartikel hat die NZZ (3. 6. 26) davor gewarnt, dass im Zusammenhang mit grossen Tech-Börsengängen auch die Altersguthaben in der beruflichen Vorsorge der Schweiz stark exponiert seien. Laut der Schweizer Pensionskassenstudie 2026 von Swisscanto beträgt die durchschnittliche Allokation der Schweizer Pensionskassen in Aktien Ausland (darunter ein sehr grosser Anteil in den USA) gegenüber den Aktien Schweiz 58 Prozent. Satz am Ende des Abschnitts hinzufügen: Der durchschnittliche Aktienanteil in den Portfolios der Schweizer Pensionskassen beträgt 34,5 ProzentOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Schweizer Pensionskassen haben somit einen gewissen «Home-Bias». Sie investieren viel mehr in Schweizer Aktien als in die globalen Aktienindizes. Würden die Schweizer Pensionskassen proportional zur Marktkapitalisierung in Aktien investieren, hätten sie eine Allokation zu Schweizer Aktien von 3 bis 4 Prozent statt der durchschnittlich 42 Prozent.Sollte die KI-Blase (sofern es eine ist) platzen, würde diese hohe Allokation zu Schweizer Aktien als Puffer für Schweizer Pensionskassen dienen, da Tech-Titel weniger als 5 Prozent des Schweizer Aktienmarkts ausmachen und die Schweizer Aktien zudem einen defensiven Charakter aufweisen.Welchen Einfluss hätte nun der Börsengang von SpaceX auf die Altersguthaben in der beruflichen Vorsorge? Je nach Indexanbieter wird geschätzt, dass SpaceX nach dem IPO ein Gewicht von ungefähr 0,1 Prozent in den globalen Indizes haben wird. Obwohl die Marktkapitalisierung von SpaceX gigantisch ist, ist der «Free Float» (der frei gehandelte Anteil der Aktien) zum Zeitpunkt des Börsengangs sehr gering. Er beträgt etwa 4 Prozent der Gesamtaktien von SpaceX – und wird im Laufe der Zeit nur schrittweise zunehmen.Für die durchschnittliche Schweizer Pensionskasse würde somit eine Allokation von nur 0,02 Prozent in SpaceX resultieren. Anthropic (Claude AI) und Open AI (Chat-GPT) würden mit ähnlichen Gewichten in die globalen Aktienindizes aufgenommen. Die Aussage, wonach die Altersguthaben in der beruflichen Vorsorge stark exponiert seien, ist somit übertrieben.Das gilt auch für die Aussage, wonach die Übermacht passiver Indexanlagen den nächsten Börsencrash auslösen könnte. Aktive Manager haben historisch nicht bewiesen, dass sie in der Lage sind, mittel- und langfristig bessere Renditen für die berufliche Altersvorsorge zu erzielen als passive Manager. Nur wenigen gelingt dieses Kunststück.Die Schweiz profitiert zudem vom Trend zur Passivierung. Die Kosten für die Anleger sind tiefer, und die Rendite war – wie oben erwähnt – historisch sehr oft besser, vor allem nach Kosten. Das Geld der beruflichen Altersvorsorge wird meistens in Schweizer Indexfonds eines der drei grossen Schweizer Anbieter angelegt (UBS, Swisscanto/ZKB, Swiss Life). Deshalb profitiert auch die Schweizer Finanzindustrie vom Passivierungstrend.Sollte die KI-Blase platzen, wäre in erster Linie die Allokation der Schweizer Pensionskassen in Aktien Ausland betroffen. Die Sektoren Information, Technologie und Telekommunikation machen 40 Prozent der globalen Indizes aus, was ein durchschnittliches Engagement der Schweizer Pensionskassen von 8 Prozent in diese Sektoren bedeutet.Man darf aber nicht vergessen, dass die globalen Indizes ein- bis zweimal im Jahr neu gewichtet werden. Sollte die KI-Blase platzen und neue Sektoren als die Gewinner der nächsten Jahre erscheinen, würden sie auch dank der Neugewichtung rasch in den globalen Indizes berücksichtigt, und die schweizerische berufliche Altersvorsorge würde auch durch die Anlage in Indexfonds davon profitieren.Stephan Wyss ist Experte für berufliche Vorsorge und Anlageberater bei der Prevanto AG; Hugo Barbier ist Anlageberater bei der Prevanto AG.Passend zum Artikel