«Wir sind in einer Blase, und die wird platzen», sagt der Vermögensverwalter Georg von WyssDie KI-Euphorie und der Börsengang von SpaceX schüren Ängste vor einem Beben an den Märkten. Am Finanzmarkt-Roundtable der NZZ geben vier Expertinnen und Experten Tipps zu Aktien, Anleihen, ETF und Gold.20.06.2026, 05.30 Uhr12 LeseminutenDer Börsengang von SpaceX an der Technologiebörse Nasdaq in New York begeistert bis anhin die Anleger.SpaceX via ReutersIm Iran-Krieg ist es zu einem Deal gekommen. Dieser kann jederzeit scheitern, die Lage bleibt unsicher. Gleichzeitig erreichen die Börsen Rekordstände. Warum steigen sie trotz der schwierigen geopolitischen Lage scheinbar unaufhaltsam?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Sybille Wyss: Einerseits ist das Wirtschaftswachstum noch sehr solide. Zudem steigen die Unternehmensgewinne in diesem Jahr ebenfalls überdurchschnittlich stark. Das ist ein grosser Treiber für die Aktienmärkte. Andererseits ist die globale Liquidität in den vergangenen zwölf Monaten um zehn Prozent gestiegen. Es fliesst also Kapital in die Märkte. Das sind sehr gute Bedingungen für Aktien.Wie sehen Sie das, Herr Stucki?Thomas Stucki: Wann die Probleme in der Strasse von Hormuz endgültig gelöst werden, weiss niemand. Ich glaube erst an einen Deal, wenn die Schiffe wirklich hindurchfahren. Das Problem ist für die Weltwirtschaft so gravierend, dass es eine Lösung braucht. Die Finanzmärkte spekulieren bereits auf eine wirtschaftliche Erholung.Wird der Iran-Krieg dem Wirtschaftswachstum keine erhebliche Delle zufügen?Stucki: Es wird unweigerlich eine konjunkturelle Delle geben, doch die Anleger schauen darüber hinweg. Mit einem Erdölpreis von 80 Dollar kann die Wirtschaft gut umgehen. Dann gibt es noch die Lieferkettenprobleme. Die Finanzmärkte gehen davon aus, dass diese auch gelöst werden. Die Technologieaktien treiben das Ganze zusätzlich nach oben.Könnte das Stimmungshoch nicht bald vorbei sein, wenn sich die Hängepartie zwischen den USA und Iran in die Länge zieht?Daniela Grübel: Die letzten Wochen haben gezeigt, dass es sehr schwierig ist, einzuschätzen, wann mit einer Lösung zu rechnen ist. Die Situation in Iran und in der Ukraine führt dazu, dass die Staaten grosse Ausgaben in Infrastruktur und Verteidigung tätigen. Das ist ein wichtiger Stimulus für die europäischen Märkte.Der Iran-Krieg hat Schaden an der Energieinfrastruktur angerichtet. Wird dies keine langfristigen Konsequenzen haben?Georg von Wyss: Ich wäre jetzt gerne im Pipeline-Geschäft. Saudiarabien dürfte die Kapazitäten erhöhen, man wird Alternativrouten bauen. Natürlich wird es in den nächsten Monaten weitere Verwerfungen im Energie- und im Versorgungsmarkt geben. Doch dies dürfte sich in zwei, drei Jahren normalisieren.Stucki: Die Wirtschaft passt sich an. Es gab eine ähnliche Situation nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022. Europa war quasi über Nacht abgeschnitten vom russischen Öl- und Gasmarkt. Es dauerte eine Weile, bis Europa sich anderweitige Quellen erschlossen hatte. Das wird sich wiederholen. Man wird sich von der Strasse von Hormuz emanzipieren. Es wird auch eine Erhöhung des Angebots geben, beispielsweise durch die USA. Die Unternehmen sind es mittlerweile gewohnt, mit solchen Situationen umzugehen.Von Wyss: Ja, genau. Das hat auch mit der Covid-Krise zu tun. Das war ein Stahlbad für die Unternehmen im Bereich Krisenmanagement.Das tönt sehr optimistisch. Sind Sie auch so positiv, Frau Wyss?Wyss: Wir sind grundsätzlich immer positiv. Das hat sich in den letzten 150 Jahren an der Börse ausgezahlt. Auch in der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme. Möglicherweise wird die Krise auch medial zu stark ausgeschlachtet. Als Vermögensverwalterin muss man Ruhe bewahren. Unternehmen passen sich schnell an, finden Lösungen und schauen nach vorn.Von Wyss: Es ist eine Frage des Zeithorizonts. Im nächsten Jahr könnte es an den Finanzmärkten sehr ruppig zu- und hergehen, etwa bei den Ölpreisen. Die werden wahrscheinlich nicht so schnell sinken. Mittelfristig geht man aber davon aus, dass das Problem der Strasse von Hormuz gelöst ist.Grübel: Bei allem Optimismus haben die Ereignisse gezeigt, wie eng die globalen Akteure miteinander verflochten sind. In Europa war die Abhängigkeit im Energiebereich auffällig. Es würde mich nicht überraschen, wenn nun die staatlichen Investitionen beispielsweise in Speicherkapazitäten deutlich steigen würden, auch auf nationaler Ebene.Daniela Grübel, Oddo BHFPDStucki: Man darf den Iran-Krieg nicht auf die leichte Schulter nehmen. Viele Unternehmen in der Ostschweiz sind von der Krise unmittelbar betroffen. Das sind nicht die grossen, börsenkotierten Unternehmen, sondern mittelgrosse, die mit einem Produkt global tätig sind. Solche Unternehmen trifft die Krise teilweise sehr hart.Neben dem Iran-Krieg ist der Börsengang der Weltraum- und Raketenfirma SpaceX ein grosses Thema. Die Anleger nahmen die Aktien überschwänglich auf. SpaceX wird nun mit einem Börsenwert von mehr als 2 Billionen Dollar gehandelt. Wie interpretieren Sie diese Entwicklung, Herr von Wyss?Von Wyss: Es gibt eine Art Kult um den SpaceX-Gründer Elon Musk. Das sehen wir auch bei Tesla. Die Bewertung ist ja für einen Autobauer unglaublich hoch, und zwar seit Jahren. Wahrscheinlich ist das ein Zeichen einer spekulativen Blase.Wyss: Zum einen begrüsse ich die gegenwärtigen Börsengänge. Bis jetzt waren diese innovativen und wachstumsstarken Unternehmen nur privaten Investoren vorbehalten, nun werden sie für viele Anleger zugänglich. Zum anderen zeigen diese Börsengänge eindrücklich, dass sich die Kapitalmärkte in den vergangenen zwei Jahrzehnten fundamental verändert haben. Neue innovative Unternehmen kommen heute viel später an die Börse, als dies früher der Fall war. Heute stellt auch der Privatmarkt den Firmen das Kapital zur Verfügung. In der Dotcom-Ära Ende der neunziger Jahre war das anders. Im Jahr 1997 hat Amazon 54 Millionen Dollar Wachstumskapital aufgenommen. Bei SpaceX sprechen wir von 85 Milliarden.Kann man Privatanlegern guten Gewissens raten, in ein Unternehmen wie SpaceX zu investieren, das mit dem 200-fachen des Umsatzes bewertet ist?Wyss: Nein, aber man muss die Aktien ja nicht jetzt kaufen. Ich finde es grundsätzlich gut, dass SpaceX an die Börse gegangen ist. Aber für unsere Kunden haben wir keine SpaceX-Aktien gekauft und haben das auch nicht empfohlen.Sybille Wyss, TarenoPDWie sieht es bei Ihnen aus, Frau Grübel?Grübel: Wir auch nicht. In einzelnen Fällen, in denen Kunden am Thema interessiert sind, haben wir einen Exchange-Traded Fund, einen ETF, auf den Sektor empfohlen. Wir sehen das Ganze als Teil der KI-Entwicklung. Diese Unternehmen kombinieren viele Bereiche wie Satelliten, Telekommunikation, Datenkapazität oder Energie. Auf diesem Gebiet wird künftig die Musik spielen.Die unter dem Schlagwort «glorreiche Sieben» bekannten US-Technologieunternehmen – Nvidia, Microsoft, Apple, Amazon, Meta, die Google-Mutter Alphabet und Tesla – sind hoch bewertet, aber sehr profitabel. SpaceX macht grosse Verluste. Ist das ein Zeichen, dass die Börse übertreibt?Stucki: Der SpaceX-Börsengang hat mit fundamentalen Bewertungen nichts mehr zu tun. Niemand, der dort investiert, interessiert sich dafür, ob die Firma Gewinne oder Verluste macht. Das ist eine Wette auf Elon Musk. Ich persönlich würde niemals auf eine einzelne Person wetten – schon gar nicht auf eine solch spezielle. Es ist aber nicht verboten, mitzumachen. Die Kursschwankungen in der SpaceX-Aktie dürften riesig sein. Mit einem kleinen Teil des Vermögens, das man nicht braucht, kann man teilnehmen. Als strategische Position im Portfolio würde ich die Aktien aber definitiv nicht halten. Jetzt werden alle Index- und ETF-Anbieter die Aktien kaufen müssen. Das wird aber irgendwann vorbei sein. Dann ist SpaceX einfach eine Aktie, die kultmässig geliebt oder gehasst wird.Ist ein klassisches Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Obligationen in unsicheren Zeiten wie diesen robust, oder hat es ausgedient?Grübel: Ein gutes Risikomanagement und Stresstests für verschiedene Szenarien sind wichtig. Es gibt auch Krisenportfolios, die sich dann gut entwickeln sollten, wenn die Schwankungen an den Finanzmärkten hoch sind. Auch muss man auf die Konzentration in bestimmten marktgewichteten Indizes hinweisen. Das gilt für den SMI mit dem hohen Gewicht von Roche, Novartis und Nestlé, den S&P 500 mit den «glorreichen Sieben», aber auch für den Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets.Wyss: Ein 60:40-Portfolio wird für Robustheit nicht ausreichen. Wir sehen hier eher ein Verhältnis von 50:30:20, wobei die alternativen Anlagen zulasten der Obligationen gestiegen sind. Zu diesen Alternativen zähle ich natürlich Gold, aber auch Kryptowährungen, Immobilien, Infrastruktur und Private Equity.Sie zählen Kryptowerte auch zu diesen Alternativen. Was ist deren Zweck? Derzeit geraten sie stark unter die Räder.Wyss: Strukturell hat sich für uns bei Kryptowährungen nichts geändert. Wir glauben, die jüngste Delle hat mit den grossen Börsengängen wie SpaceX zu tun, die das Kapital anziehen. Dieses wird dementsprechend aus Kryptowährungen abgezogen.Wie stehen Sie zu Kryptowährungen, Frau Grübel?Grübel: Wir haben in Paris unseren ersten Stablecoin lanciert. Wir sehen, dass sich der Markt weiter institutionalisiert. Es gibt auch die Krypto-ETF, die zur Diversifikation dienen können. Aber bis jetzt haben wir keine aktiven Kryptowerte in den Portfolios.Ist denn die St. Galler Kantonalbank auf den Krypto-Zug aufgesprungen, Herr Stucki?Stucki: Kryptowährungen sind gekommen, um zu bleiben. Mittlerweile hat man beim Bitcoin eine solide, seriöse Handelsinfrastruktur. In der Vermögensverwaltung setzen wir keine Kryptowährungen ein, aber sie können über uns gehandelt werden. Anlegen soll auch Spass machen, sonst hört man damit auf. Kryptowährungen sind eine spekulative Anlage, wenn man überschüssige Mittel hat.Die Inflation hat einen wichtigen Einfluss auf die Performance von Anlageportfolios. Sind Aktien eine gute Anlage in Zeiten erhöhter Inflation?Stucki: Grundsätzlich sollte man Sachwerte wie Aktien und Immobilien halten. So kann man das Realvermögen schützen. Etwas Inflation unterstützt den Aktienmarkt, weil sie den Unternehmen hilft, schöne Gewinne auszuweisen. Das Problem für den Aktienmarkt beginnt, wenn die Inflation so hoch ist, dass die Zentralbanken mit starken Zinserhöhungen reagieren.Thomas Stucki, SGKBDaniel AmmannDie Europäische Zentralbank hat gerade den Leitzins erhöht…Stucki: Man kann darüber streiten, ob das jetzt schon nötig war. Man sollte nicht unterschätzen, dass die Ausgangslage nicht mehr die gleiche ist wie 2021. Die Zinsen in den USA sind nicht mehr bei null, sondern bei knapp 4 Prozent. Auch wenn die US-Notenbank die Zinsen erhöhen sollte, wird es nicht ein Zinsanstieg von 5 Prozentpunkten innerhalb von zwölf Monaten sein. Das werden ein Prozentpunkt oder maximal 1,5 Prozentpunkte sein. Auch bei den Obligationen in den USA sind die Zinsen bereits recht hoch. Daher gehe ich nicht davon aus, dass die Inflation ein Riesenproblem ist für die Aktienmärkte.Grübel: Das Inflationsrisiko bleibt bestehen, und die Lage im Nahen Osten wird sich sowohl in Europa als auch den USA im weiteren Verlauf des Jahres schrittweise bemerkbar machen. Um die Gefahr höherer Inflation abzusichern, setzen wir bei Schweizer Kunden gern auf Gold, auch wenn sich der Goldpreis nach dem starken Anstieg 2025 in diesem Jahr schwächer entwickelt hat. Wir beobachten auch gespannt, was sich im Hedge-Funds-Bereich tut und welche Strategien sich da bewähren.Der Goldpreis ist im vergangenen Jahr um 60 Prozent gestiegen. Ist jetzt nicht die Luft raus?Grübel: Gold wird weiterhin durch die Käufe von physischem Gold durch die Zentralbanken unterstützt. Die derzeitige Entwicklung ist nicht spekulativer Natur, sondern durch fundamentale Faktoren gerechtfertigt. Dieser Trend dürfte anhalten. Darüber hinaus mischen wir unseren Portfolios gerne auch Schweizer Immobilien bei. Das sind defensive Anlagen. Man muss jetzt schauen, was die Verschärfung der Lex Koller mit sich bringt und welche Auswirkungen sie auf die Schweizer Immobilienfonds hat.Sichern Sie die Portfolios gegen die Gefahr höherer Inflation ab, Frau Wyss?Wyss: Wir schauen auf die Fünf-Jahres-Inflationserwartungen, und die sind stabil. Der Markt geht davon aus, dass der Anstieg der Teuerung vorübergehend ist. Unser Sorgenkind sind die Obligationen. Im Schweizer Markt ist die Situation wegen der niedrigen Zinsen angespannt. Nach Kosten und Steuern ist es schwer, positive Renditen zu erzielen.Ist für Schweizer Anleger ein Fokus auf den Heimmarkt legitim? Was sind für die Schweiz die grössten Risiken?Von Wyss: Eine weltweite Rezession würde zyklische Aktien treffen, auch die US-Zölle sind ein Problem. Die Amerikaner könnten das Pharmasystem ändern, weil sie die weltweit höchsten Preise haben. Dann könnten sie auf die Schweizer Pharmakonzerne losgehen. Die Schweizer Börse hat dann ein Problem, weil Novartis und Roche im Index so stark gewichtet sind.Georg von Wyss, BWMPDWyss: Ich finde einen Fokus auf den Heimmarkt legitim, weil es in der Schweiz viele international agierende Firmen gibt, die einen Teil ihres Umsatzes im Ausland machen. Wir gewichten Schweizer Aktien deshalb stärker im Portfolio, als sie im Index vertreten sind.Stucki: Wir haben auch ein reines Schweizer Portfolio. Unsere Kunden mögen die Schweiz und den Franken. In den letzten Jahren war das oft am besten, weil man keine Währungsverluste gemacht hat. Letztes Jahr hat man in Franken nichts mit US-Aktien verdient. Will man sich breiter aufstellen, braucht es aber ein globales Portfolio. Am Schweizer Aktienmarkt gibt es keine Technologieaktien.Viele Privatanleger nehmen einen Indexfonds oder einen ETF auf den MSCI World als Basis für ihr Portfolio. Ist das angesichts des hohen Gewichts des US-Technologiesektors in diesem Index eine gute Idee?Wyss: Wenn man das erste Mal investiert, ist ein ETF eine gute Idee. Doch mittlerweile sind in vielen Indizes Klumpenrisiken verborgen – im S&P 500, aber auch im SMI. Das muss man transparent machen. Denn viele glauben, dass sie mit einem Indexprodukt automatisch diversifiziert sind. Das ist aber je länger, desto weniger der Fall. Man muss wissen, was in den Fonds steckt.Von Wyss: Im Moment sind ETF brandgefährlich. Wir haben einen extrem konzentrierten Markt. Das wird für jene in Tränen enden, die die «heissen» Titel besitzen. Für die Value-Leute ist das super. Es ist eine Zyklizität da, eine Konzentration in den teuersten Titeln. Das wird korrigieren. Die 20 Prozent der teuersten Titel machen 60 Prozent des S&P 500 aus. Das ist enorm.Sind gleich gewichtete Indizes wie der SMI Equal Weight eine Lösung? In solchen Börsenindizes haben alle enthaltenen Aktien den genau gleichen prozentualen Anteil. In klassischen Indizes sind die Titel nach Grösse, also der Marktkapitalisierung, gewichtet.Wyss: Das ist eine gute Sache, in diese Richtung muss es gehen. Wenn die Börsen über Jahre steigen, dann werden die Anleger selbstsicherer und denken: «Das kann ich auch!» Dann kaufen sie ETF, die einfach, zugänglich und günstig sind. Doch dann gibt es diese Klumpenrisiken. Das könnte zu einem bösen Erwachen führen, wenn die Märkte einmal deutlich korrigieren.Statistiken zeigen aber, dass aktive Manager längerfristig nicht in der Lage sind, den Vergleichsindex zu schlagen.Von Wyss: Sie messen, ob ein Manager den Index jedes Jahr schlägt. Das schafft fast keiner. Aber gewisse Anlagestile sind besser als andere, auch wenn man über gewisse Zeiträume eine Underperformance in Kauf nehmen muss.Grundsätzlich einen Index zu schlagen, gelingt den meisten Managern nicht.Von Wyss: Das ist so, nach Gebühren und über die Zeit haben die meisten aktiven Fondsmanager eine schlechtere Performance als der Index.Dann muss man sich auch keine Sorgen machen über die hohe Konzentration bei marktgewichteten ETF.Von Wyss: Doch, denn wir sind in einer neuen Welt mit hoher Konzentration. Das führt zu einem engen Markt, selbst bei den grössten Titeln wie der Google-Mutter Alphabet oder Microsoft, weil viele Titel in passiven ETF «weggesperrt» sind. Tagesausschläge von 3 bis 4 Prozent sind normal geworden. Das ist wahnsinnig, die Marktstruktur hat sich verändert. Das hat auch zur guten Performance der ETF geführt. Doch wenn es nach unten geht, könnte es so schmerzhaft wie nie werden.Wie sehen Sie die weitere Marktentwicklung in diesem Jahr, wird die Börse weiterhin positiv bleiben, oder ist eine Korrektur fällig?Wyss: Eine Korrektur wird es irgendwann geben. Wir bleiben aber zurückhaltend optimistisch. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Börsen Ende Jahr höher stehen werden als heute. In den USA sind die Bewertungen natürlich ausgereizt. Wir empfehlen Regionen, die tiefer bewertet sind und Gewinnwachstum zeigen wie Japan oder die Schwellenländer.Grübel: Wir sind verhalten optimistisch. Es wird spannend sein zu sehen, wo sich KI hinbewegt. Ich glaube auch nicht, dass die Unternehmen, die den Markt über die letzten fünf bis zehn Jahre angetrieben haben, die gleichen bleiben. Die neuen KI-Player zeigen, wie schnell sich der Markt entwickelt. Man muss das Ohr ganz nah am Silicon Valley haben, da passiert so viel.Stucki: Es werden negative Meldungen aus der Wirtschaft kommen. Die Unternehmen passen sich zwar an, aber spurlos wird der Krieg nicht an ihnen vorbeigehen. Die Schwankungen am Aktienmarkt werden zunehmen. Vielleicht geht es mal fünf bis zehn Prozent runter, das wäre gar nicht so schlecht. Wir haben bei Technologieaktien Gewinne realisiert. Aber die Weltwirtschaft wird weiter wachsen. Wenn man daran teilhaben will, kommt man nicht um ein gut diversifiziertes Aktienportfolio herum.Von Wyss: Wir sind in einer Blase, und die wird platzen. Ich weiss nicht, ob in diesem Jahr oder im nächsten. Das wird die Indizes herunterziehen, weil Technologieaktien ein derart grosses Index-Gewicht haben. Langweilige, billige Aktien werden sich gut halten. Aber das wird nicht genügen, um die Kursverluste der grossen Titel zu kompensieren.Sybille WyssSybille Wyss ist Betriebsökonomin und seit 2004 für die Vermögensverwaltung Tareno tätig. Von 2012 bis 2023 amtierte sie als Anlagechefin. Im Juni 2020 übernahm sie die Funktion der CEO, seit 2022 ist sie zudem Teilhaberin des Unternehmens.Daniela GrübelDaniela Grübel ist seit Mai 2025 Managing Director und Chefin für Kundenlösungen bei der Finanzgruppe Oddo BHF Schweiz. Zuvor war sie von 2023 bis 2025 bei der Bank Julius Bär sowie von 2010 bis 2023 bei der Credit Suisse tätig. Sie hält einen MBA der London Business School.Georg von WyssGeorg von Wyss ist Partner der Fonds-Boutique BWM AG, die er 1997 mitgründete, und Portfoliomanager. Der gebürtige Zürcher wuchs in den USA auf und schloss an der New Yorker Columbia University ab. Nach zwei Jahren als Finanzanalyst bei der Bank Julius Bär kehrte er an die Columbia zurück. Zudem hält er einen MBA von der Amos Tuck School am Dartmouth College.Thomas StuckiThomas Stucki ist seit 2006 Anlagechef der St. Galler Kantonalbank (SGKB). Er ist für die Anlagepolitik der SGKB und deren Umsetzung sowie für die Anlageprodukte der Bank verantwortlich. Vorher war er bei der Schweizerischen Nationalbank als Leiter des Asset Managements zuständig für die Anlage der Aktiven, insbesondere der Devisenreserven. Thomas Stucki hat an der Universität Bern mit einem Doktorat in Volkswirtschaft abgeschlossen.Passend zum Artikel
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