KommentarSind SpaceX und die KI-Euphorie Ausdruck einer Blase an der Börse? Die Sorgen sind zum Teil berechtigt – Panik ist aber fehl am PlatzEnorme Bewertungen bei KI-Aktien sowie die fragile Lage im Nahen Osten hinterlassen bei vielen Investoren ein flaues Gefühl im Magen. Wer langfristig orientiert ist, dürfte aber wenig zu befürchten haben.18.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenVertreterinnen und Vertreter von SpaceX feiern nach dem Börsengang ihres Unternehmens auf einem Balkon an der Nasdaq Market Site am New Yorker Times Square.Brendan McDermid / ReutersDie Börsen sind auf Rekordjagd. Das amerikanische Barometer Dow Jones hat am Mittwoch einen Höchststand erreicht, der europäische Leitindex Euro-Stoxx 50 ebenfalls. Für steigende Kurse sorgten unter anderem das Abkommen im Iran-Krieg, der erfolgreiche Börsengang von Elon Musks Raumfahrt- und Satellitenfirma SpaceX sowie die anhaltende Euphorie über die Chancen von künstlicher Intelligenz (KI).Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Viele Investoren haben derweil ein ungutes Gefühl im Magen, wenn sie auf die Aktienmärkte blicken. Sie fühlen sich an die Zeit vor dem Platzen der Internetblase Ende der neunziger Jahre erinnert. Tatsächlich gibt es an den Finanzmärkten mancherorts Entwicklungen, die solche Sorgen rechtfertigen. Langfristig orientierte Anleger kommen beim Vermögensaufbau aber trotzdem nicht um Aktien herum.Unsicherheit in Iran hält anSo fällt auf, dass die Akteure an den Finanzmärkten derzeit viele Nachrichten sehr positiv sehen. Hier ist etwa die Meldung über ein Abkommen zwischen den USA und Iran zu nennen, das den Krieg zwischen den beiden Ländern beenden soll. Dies ist ein Fortschritt, der allerdings nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass Iran in den Verhandlungen wohl mehr erreicht hat als die USA. Ausserdem hat der Iran-Krieg grosse Schäden an der Energieinfrastruktur verursacht. Die Lage im Nahen Osten dürfte fragil bleiben und könnte deutliche Auswirkungen auf Inflation und Wirtschaftswachstum haben. Dies ist weiterhin ein grosser Unsicherheitsfaktor.Fragwürdig ist auch der Überschwang beim Börsengang von SpaceX. Bei der Transaktion am vergangenen Freitag hat das Unternehmen 85,7 Milliarden Dollar eingenommen, an den Handelstagen danach gewannen seine Aktien deutlich an Wert. Die Bewertungen von SpaceX sind in geradezu astronomische Höhen gestiegen.Dies passt nicht so recht dazu, dass die Firma 2025 einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar gemacht hat und ihre Wachstumspläne unsicher sind. Konservativen Investoren treiben die wolkigen Ankündigungen von SpaceX über den Bau einer Mondbasis und die Kolonialisierung des Planeten Mars Sorgenfalten auf die Stirn.Der Börsengang von SpaceX könnte Ausdruck einer Verschiebung im Technologiesektor sein. In den vergangenen Jahren fielen amerikanische Tech-Unternehmen mit massiven Gewinnen und wenig kapitalintensiven Geschäftsmodellen auf. So rechtfertigten sie ihre hohen Bewertungen. In jüngerer Zeit sind ihre Investitionsausgaben aber massiv gestiegen, vor allem im Bereich der KI-Infrastruktur. Damit sich diese rechnen, muss KI zu einem durchschlagenden Erfolg werden.Stabile US-Konjunktur und hohe Gewinne treiben die BörseDie Euphorie über die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz ist weiterhin der grösste Treiber für den Börsenboom. Will man die hohen Aktienkurse rechtfertigen, lässt sich anführen, dass KI-Modelle immer stärker genutzt würden und sich mit ihnen potenziell erhebliche Effizienzgewinne erzielen liessen. Die Entwicklung könnte hier erst am Anfang stehen, auch weil Unternehmen und Konsumenten die neuen Möglichkeiten erst mit einer gewissen Verzögerung nutzen.Das Börsenplus lässt sich zudem mit der stabilen Konjunktur in den USA sowie den guten Geschäftszahlen von amerikanischen Unternehmen erklären. Ausserdem ist weiterhin viel Geld im Markt, das nach Anlagemöglichkeiten sucht. Dieses landet oft automatisch am Aktienmarkt, auch aus einem Mangel an Alternativen. Weitere Kurssteigerungen sind vor diesem Hintergrund nicht ausgeschlossen.Konzentration in Börsenindizes abmildernLangfristig orientierte Anleger sollten sich von den jüngsten Börsenentwicklungen ohnehin nicht beirren lassen. Laut einer Studie der Bank Pictet haben Anleger, die zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Jahr 1931 in Schweizer Aktien investiert haben und diese zehn Jahre lang gehalten haben, nie einen Verlust auf ihre ursprüngliche Investition verzeichnet.Kurzfristiges Ein- und Aussteigen an der Börse schmälert hingegen im Normalfall die Rendite, da man Tage mit starken Kurssteigerungen verpasst und zusätzlich Gebühren für die Börsentransaktionen bezahlt. Wichtig ist allerdings eine gute Risikostreuung. In Indizes wie dem Schweizer SMI, dem amerikanischen S&P 500 oder dem Welt-Aktienindex MSCI World haben wenige Einzeltitel ein grosses Gewicht. Diese Konzentration sollte man dadurch abmildern, dass man Anlageprodukte auf verschiedene Indizes kauft und einen guten Überblick über die Verteilung der Gelder behält.Zentral ist zudem, dass man sich von der Euphorie nicht mitreissen lässt und seiner Strategie treu bleibt. Wenn der Aktienanteil also durch die jüngsten Gewinne das gewählte Risikoprofil stark übersteigt, sollte man ihn zurückfahren. So ist man auch gegen Rückschläge gefeit.Passend zum Artikel
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