«Eine risikoreiche Wette»: SpaceX und Open AI drängen an die Börse – mit Bewertungen von bis zu 2 Billionen DollarBald kann man Aktien von SpaceX oder Open AI erwerben. Doch von der Konkurrenzsituation im KI-Wettlauf bis zur absoluten Kontrolle von Elon Musk gibt es einige Risiken.21.05.2026, 15.30 Uhr6 LeseminutenAktualisiertStrebt nicht nur mit seinen Raketen, sondern auch mit der Bewertung seiner Firmen in sphärische Höhen: Elon Musk bringt SpaceX an die Börse.Bill Ingalls / NASA via APGerade noch standen sie in Kalifornien gemeinsam vor Gericht. Elon Musk hatte gegen seinen früheren Geschäftspartner und heutigen Widersacher Sam Altman geklagt, den CEO des Chat-GPT-Entwicklers Open AI. Nun drängen beide mit ihren Unternehmen an die Börse: Musk mit SpaceX, Altman mit Open AI.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Elon Musks Raketenfirma SpaceX hat am Mittwoch ihren Börsengang beantragt. Bereits am 12. Juni sollen die Aktien erstmals gehandelt werden. Laut Schätzungen könnte das Unternehmen eine Bewertung von 1,5 bis 2 Billionen Dollar erreichen. Der Börsengang dürfte zum grössten aller Zeiten werden – und SpaceX auf einen Schlag in die Reihe der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt katapultieren.Auch Altmans Open AI arbeitet laut Berichten mit Hochdruck an einem Börsengang. Das Unternehmen könnte bereits in den kommenden Tagen Unterlagen bei der Börsenaufsicht einreichen. Als möglicher Zeitpunkt für die Publikumsöffnung gilt derzeit der Herbst 2026. Eine Bewertung von mehreren hundert Milliarden Dollar gilt als wahrscheinlich – teilweise ist von über einer Billion die Rede.Zusätzlich zu SpaceX und Open AI strebt auch die KI-Firma Anthropic noch in diesem Jahr an die Börse. Diese Ballung ist kein Zufall, sondern Ausdruck der Stimmung im Tech-Markt.Wie schätzen Börsenexperten die gewaltigen Bewertungen im Falle SpaceX ein?SpaceX weist im Prospekt für den Börsengang einen Umsatz von rund 18,7 Milliarden Dollar aus für das Jahr 2025 – bei einem Verlust von rund 4,9 Milliarden Dollar. Als Gesamtkonzern ist SpaceX derzeit nicht profitabel, die Bewertung ist angesichts solcher Zahlen sehr hoch. Sollte SpaceX an der Börse beispielsweise mit ungefähr 1,8 Billionen bewertet werden, entspräche dies etwa dem Hundertfachen des Umsatzes.Laut Matthias Geissbühler, Anlagechef von Raiffeisen, liegt dies weit über dem Marktniveau. Im S&P 500 wird der Gesamtmarkt im Durchschnitt lediglich mit dem Zwei- bis Dreifachen des Umsatzes bewertet. Geissbühler sagt: «Anleger sollten sich bewusst sein, dass sie sich bei so einer hohen Bewertung auch in viel Hoffnung einkaufen. In Visionen und Pläne von Elon Musk, etwa den Mars zu besiedeln.»SpaceX habe im Weltraumbereich als Unternehmen eine einzigartige Marktstellung, sagt Thomas Rühl, Anlagechef der Schwyzer Kantonalbank (SZKB): «Wer momentan Satelliten in den Weltraum schiessen will, kommt kaum um SpaceX herum.» Das Unternehmen aus Musks Firmenimperium habe im Bereich der günstigen Weltraumfracht fast eine Art Monopol. In anderen Unternehmensbereichen – wie beispielsweise dem Chatbot Grok oder der Social-Media-Plattform X, ehemals Twitter – sei die Marktstellung von SpaceX aber weniger herausragend.Auch Rühl sieht für Anleger die Gefahr, dass sie bei dem SpaceX-Börsengang auf einem hohen Punkt einsteigen, weil das Publikumsinteresse so «extrem hoch» sei.Wie und ab wann können private und institutionelle Anleger in SpaceX investieren?Der Börsengang wird hauptsächlich von US-Investmentbanken durchgeführt. Für Schweizer Privatanleger dürfte es daher eher schwierig sein, eine Zuteilung vor dem Börsengang zu erhalten. Schliesslich haben die wenigsten Privatanleger hier eine Kundenbeziehung.Laut Rühl dürfte es sich beim Interesse, bei dem SpaceX-Börsengang dabei zu sein, in jedem Fall lohnen, Kontakt mit der Hausbank aufzunehmen. Bei der Anlage in amerikanische Einzelaktien müssten schliesslich auch steuerliche Aspekte berücksichtigt werden – wie beispielsweise die Erbschaftssteuer. Wer Geduld habe, könne die Aktie nach dem Börsengang kaufen. «Dies hat den Vorteil, dass bis dann die Bewertung bekannt ist und vertiefte Einschätzungen von Analysten vorliegen».Für viele Anleger ist es ohnehin sinnvoll, bei der Geldanlage nicht auf Einzelaktien, sondern auf Finanzprodukte zu setzen, die Börsenindizes abbilden. So sind die Risiken bei der Geldanlage auf mehrere Aktien verteilt. Als Anlageprodukte bieten sich hier Indexfonds und Exchange-Traded Funds (ETF) an. Da die amerikanische Technologiebörse Nasdaq ihre Regelungen geändert hat, dürfte SpaceX voraussichtlich bereits kurz nach dem Börsengang in die entsprechenden Indizes aufgenommen werden und nicht erst nach ein paar Monaten. Sobald SpaceX Teil des Nasdaq-Indexes ist, werden die Aktien auch in etlichen ETF abgebildet.Welche Risiken gehen Anleger bei einer Investition in SpaceX ein?Der Raiffeisen-Anlagechef Geissbühler rechnet damit, dass der Börsengang von SpaceX erfolgreich sein wird. Es gebe genug Anleger, die an die Visionen von Elon Musk glaubten. Doch für konservative Anleger handle es sich um ein «Hochrisikoinvestment.»Musk kontrolliert mehrere Firmen, die eng miteinander verflochten sind. Bei Verlusten und Fehlinvestitionen bildet sich hier ein Klumpenrisiko. SpaceX kaufte im Februar etwa Musks KI-Firma xAI auf, die bis jetzt hohe Verluste schreibt. Die Geschäftssparte Connectivity, zu der der Satellitendienst Starlink gehört, ist der profitable Teil von SpaceX. Die anderen Segmente bewegen sich weiterhin in der Verlustzone.Der SpaceX-Börsengang könnte dafür Folgen haben für ein anderes, bei den Anlegern beliebtes Unternehmen aus dem Musk-Imperium: Tesla. Die Aktie des Autobauers gehört mittlerweile zu den «Magnificent Seven», einer Gruppe von sieben Technologieriesen, die seit Jahren die Finanzmärkte dominieren. Es stellten sich Fragen, was der Börsengang von SpaceX für Tesla bedeuten könnte, sagt Rühl: «Momentan ist SpaceX die heisse Firma aus dem Musk-Imperium und nicht mehr Tesla.» Für Tesla-Aktionäre gebe es eine gewisse Gefahr, dass die Strahlkraft des Unternehmens etwas verlorengehe.Wie viel Kontrolle wird Elon Musk ausüben?SpaceX plant, zwei verschiedene Arten von Anteilen zu veräussern, A-Anteile mit je einer Stimme pro Aktie und B-Anteile mit zehn Stimmen pro Aktie. Elon Musk gehören fast 94 Prozent der B-Anteile, er hält dadurch besonders viel Mitspracherecht, mit dem er den Konzern kontrollieren kann.Aus Sicht der Corporate Governance wirft diese Machtfülle Fragen auf. Es wird sich zeigen, ob SpaceX tatsächlich unabhängig operieren kann oder ob es zu Interessenkonflikten mit Musks anderen Firmen kommen wird.Musk kontrolliert seine Firmen. Von Kritikern wird er belächelt, von Fans für seine Visionen verehrt. Im Bild: eine Musk-Büste in Texas.Gabriel V. Cardenas / ReutersWann geht Open AI an die Börse?Auch Open AI bereitet seinen Börsengang vor. Noch im September dieses Jahres soll es so weit sein. Die «Financial Times» und das «Wall Street Journal» stützen sich auf Informanten, die besagen, dass die Firma noch in dieser Woche einen Antrag auf einen Börsengang stellen könnte. Hierbei soll die Firma mit den Banken Goldman Sachs, Morgan Stanley sowie mit der Anwaltskanzlei Cooley zusammenarbeiten.Momentan ist Open AI gemäss der letzten Finanzierungsrunde 852 Milliarden Dollar wert. Durch den Börsengang könnte das Unternehmen mit über einer Billion Dollar bewertet werden.Wie ist Open AI für den Börsengang aufgestellt?Wie SpaceX schreibt auch Open AI derzeit Verluste. Es ist unklar, ob und wie schnell es der Firma gelingen wird, profitabel zu werden. Im März gab die Firma bekannt, monatlich zwei Milliarden Dollar einzunehmen. Gleichzeitig plant sie bis 2030 Investitionen in KI-Infrastruktur wie Hochleistungschips und Rechenzentren in Höhe von 600 Milliarden Dollar.Derzeit gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den KI-Firmen. Open AI war mit der Veröffentlichung von Chat-GPT zwar die erste Firma, die ein KI-Sprachmodell auf den Markt brachte, doch inzwischen haben Konkurrenzfirmen wie Anthropic oder Google aufgeholt.Im Gegensatz zu Open AI fokussierte sich Anthropic von Beginn an auf das lukrative Geschäft mit Firmenkunden. Das Unternehmen führte Anfang dieses Jahres ein neues KI-Modell ein, das so gut war, dass der Open AI-CEO Sam Altman andere Projekte wie eine Videoplattform aufgeben musste, um die Ressourcen in die KI-Modelle und ins Firmengeschäft stecken zu können.Google indes verfügt neben seinem KI-Modell Gemini auch über eine eigene KI-Infrastruktur. Das Unternehmen hat eigene Chips entwickelt, mit denen es seine KI-Modelle trainieren und betreiben kann. Zudem kann der Mutterkonzern Alphabet die Investitionen in KI mit seinem lukrativen Business querfinanzieren.Welche Risiken gehen Anleger bei einer Investition in Open AI ein?Die zentrale Frage für Anleger ist, wer sich am Ende im Bereich KI als führender Anbieter etablieren kann. Die Branche wandelt sich schnell, wöchentlich gibt es neue Entwicklungen, die Modelle der KI-Firmen überholen sich gegenseitig. Hier Gewinner von Verlierern zu unterscheiden, ist schwierig.Geissbühler sagt: «Open AI war mit Chat-GPT der Pionier. Doch historisch betrachtet sind es nicht unbedingt die ersten Player, die sich langfristig am Markt durchsetzen.» Das habe man auch in der Zeit der Dotcom-Blase gesehen. Auf einen einzelnen Betreiber wie etwa Open AI zu setzen, sei deshalb «eine risikoreiche Wette».Er rät davon ab, sich als Privatanleger auf einzelne Titel zu konzentrieren. Die Bewertungen seien überzogen, und Investoren zahlten einen sehr hohen Preis für Titel, deren Erfolg ungewiss sei.Passend zum Artikel