Die erfolgreichste Vermögensverwalterin der Schweiz warnt vor einer Blase beim passiven InvestierenWährend viele Anlageexperten auf eine Überhitzungsgefahr bei KI-Aktien hinweisen, ortet Evelyne Pflugi, die Chefin von The Singularity Group, das Problem anderswo: beim blinden Kauf ganzer Indizes.24.05.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenInnovation bringt den Aktionären nur dann etwas, wenn eine Firma sie auch in Umsätze ummünzen kann: Produktion bei der chinesischen Firma Zehua Semiconductor Technology.VCG / GettyOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Celia Dallas warnt. Die Leiterin Anlagestrategie beim Vermögensverwalter Cambridge Associates findet, der KI-Boom gebe Investoren die Illusion, breit diversifiziert zu sein. Dies, weil die Aufwärtsbewegung nach den Halbleiterherstellern und Hyperscalern auch Speicherproduzenten, Rechenzentrumsanbieter, Unternehmen für digitale Infrastruktur, Industrieunternehmen im Bereich des Stromausbaus sowie einige Energieversorger erfasst habe.Trotzdem sei die erhöhte Nachfrage in all diesen Branchen und auch die Aktienperformance bloss auf ein einziges Trendthema zurückzuführen: KI. Sollte KI enttäuschen und sich die Investitionen in deren Ausbau verlangsamen, könnten sich die Auswirkungen auf mehrere Marktsegmente ausbreiten, die derzeit noch diversifiziert erscheinen, schreibt Dallas in einem Kommentar.Das Konzentrationsrisiko zeige sich auch in der Struktur des globalen Aktienmarktes. US-Aktien machten mittlerweile rund 64 Prozent im Weltindex MSCI All Country World Index aus, gegenüber 42 Prozent im Jahr 2010. Der Anteil der Informationstechnologie im wichtigsten US-Aktienindex S&P 500 liege mit 37 Prozent auf einem Höchststand und damit über dem Niveau der späten 1990er Jahre.«Seltsame Marktbewegungen»Das Thema treibt derzeit viele professionelle Anleger um. «Seit dem Jahr 2024 sehen wir seltsame Marktbewegungen», sagt Evelyne Pflugi, die Chefin des Zürcher Vermögensverwalters The Singularity Group. «Nachdem manche institutionelle Investoren sich nicht mehr wohlfühlten mit der grossen Konzentration einiger Titel und Branchen in den Aktienindizes, begannen sie, Geld in Equal-Weight-Produkte zu verschieben.» Bei diesen hat jede Aktie das gleiche Gewicht.«Das finde ich noch viel sinnloser, als kapitalgewichtet zu investieren. Wenn man schon glaubt, dass der Markt immer recht hat, dann zeigt sich das ja gerade darin, dass der Markt einigen Firmen mehr Wert zumisst als anderen», sagt Pflugi.PDIhre Firma hat geschafft, was nur einer kleinen Minderheit aller Fondsmanager gelingt: mit ihren Anlageprodukten die Performance von breiten Aktienindizes zu schlagen, und das seit Jahren.Pflugi sieht weniger die Gefahr einer KI-Blase. Sie warnt vielmehr vor einer Blase des passiven Investierens: Dass viele Anleger – in den USA ist es bereits eine Mehrheit – einfach einen Index kaufen, ohne zu hinterfragen, wie sich dieser zusammensetzt.Dieses Jahr hätten sich mit dem Beginn des Iran-Kriegs weitere Auswüchse des passiven Investierens gezeigt, sagt Pflugi. «Anleger kauften kurzerhand den ganzen Energiesektor, obwohl viele Firmen in den einschlägigen Indizes gar nicht von einem höheren Erdölpreis profitieren.»Alles über einen Leisten geschlagenUnd als sich zeigte, wie gut die Sprachmodelle von Anthropic beim Programmieren waren, verkauften Investoren den Software-Sektor als Ganzes. «Also ohne eine Unterscheidung zu machen, welche Software-Firmen wirklich Gefahr laufen, von KI konkurrenziert zu werden – und welche sogar profitieren können. Einige Cybersecurity-Firmen zum Beispiel sind kaum negativ von KI betroffen, eher im Gegenteil», so die Anlageexpertin.The Singularity Group hat eine datenbasierte Bewertungsmetrik entwickelt, um Technologieführer zu identifizieren. Sie misst, wie viel Prozent des Umsatzes eines Unternehmens tatsächlich aus innovativen Technologien stammen, also etwa Robotik, Bioinformatik, neue Energien, Nanotechnologie, Blockchain oder Raumfahrt.Ein Unternehmen qualifiziert sich also nur, wenn es mit diesen Innovationen signifikante Erträge generiert. Reine Forschungsausgaben oder blosse Ankündigungen reichen nicht aus. Mit diesem Ansatz gelingt es der Firma, die Spreu vom Weizen zu trennen.«Die rund 70 Titel des Nasdaq, die wir nicht in unserem Portfolio berücksichtigen, haben seit 2017 bloss 16 Prozent Gewinnwachstum erzielt. Dazu gehört zum Beispiel Walmart, aber auch Technologiekonzerne wie Apple oder Tesla, in die wir im Moment ebenfalls nicht investieren», sagt Pflugi. Der grosse Teil der Anleger jedoch schaue nicht mehr auf das wahre Potenzial oder die tatsächlichen Resultate der einzelnen Firmen, sondern kaufe einfach den Gesamtmarkt.«Unsere Portfolios performen zwar wesentlich besser als die Indizes, aus denen wir selektieren. Doch angesichts des mehr als doppelt so hohen Gewinnwachstums der Firmen in unseren Portfolios müsste die Überperformance noch stärker ausfallen», sagt Pflugi. Das investierte Geld sei durch passives Kaufen der Indizes an die anderen Titel verteilt worden, die kaum Ertragswachstum böten. «Deshalb rede ich von einer Blase des passiven Investierens.»Dies ist natürlich eine Antwort darauf, dass es nur wenige Warren Buffetts gibt – also Anlageprofis, die ihr Geld wert sind, weil sie einen Mehrwert schaffen. Das bestreitet Pflugi nicht. Es stimme, dass 90 Prozent der aktiv verwalteten Anlagefonds hinter der Marktperformance zurückbleiben. Aber wenn jemand an Krebs erkranke, würde man auch nicht sagen, es sei besser, gar nichts zu tun, wenn 90 Prozent der Behandlungsmethoden versagen. «Man würde sich auf die 10 Prozent konzentrieren, die eine Wirkung zeigen.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Blase beim passiven Investieren? Evelyne Pflugi schlägt Alarm
Während viele Anlageexperten auf eine Überhitzungsgefahr bei KI-Aktien hinweisen, ortet Evelyne Pflugi, die Chefin von The Singularity Group, das Problem anderswo: beim blinden Kauf ganzer Indizes.








