Eigentlich sollten die Bürgerlichen bei den Wahlen für den Zürcher Regierungsrat zusammenhalten – doch jetzt tut sich ein tiefer Graben zwischen SVP und Mitte aufDie SVP unterstützt den Mitte-Kandidaten Philipp Kutter nur, wenn seine Partei auf ein Gegengeschäft einsteigt. Doch diese klemmt.09.07.2026, 05.00 Uhr5 LeseminutenDer Mitte-Mann Philipp Kutter kann nicht darauf zählen, dass er bei den Zürcher Regierungsratswahlen von der SVP unterstützt wird.Karin Hofer / NZZFür die Zürcher Bürgerlichen steht bei den Regierungsratswahlen im April viel auf dem Spiel: Ihr Hauptziel ist es, mindestens vier von sieben Sitzen zu besetzen und so die Mehrheit in der Kantonsregierung zu erhalten. Heute hält die SVP zwei Mandate, die FDP und die Mitte kommen je auf eines.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit diese bürgerliche Dominanz gewahrt bleibt, sollten die drei Parteien möglichst geeint auftreten. Eine grundsätzliche Bereitschaft dafür ist zwar bei allen vorhanden. Dennoch steht die Kooperation auf der Kippe.Der Grund: Zwischen der SVP und der Mitte kriselt es. Der Zürcher SVP-Präsident Domenik Ledergerber wünscht sich, dass die Parteien nicht nur an die kantonalen Wahlen im kommenden Frühling denken, sondern gleich auch an die nationalen Wahlen im Herbst. Es gehe darum, die bürgerlichen Kräfte im Kanton nachhaltig zu stärken, sagt er zur NZZ. Und es gehe darum, früh Klarheit zu schaffen.Ledergerber umschreibt, was das konkret bedeutet: «Wir unterstützen die anderen Kandidaten bei den Regierungsratswahlen. Im Gegenzug erwarten wir aber eine Listenverbindung SVP-FDP-Mitte bei den Nationalratswahlen.»Die Mitte, sagt Ledergerber, habe dieser Idee eine Absage erteilt. Entsprechend klein sei bei der SVP nun die Lust, den Mitte-Kandidaten Philipp Kutter im Wahlkampf um den Regierungsrat zu unterstützen.Wie Kutter die SVP verärgert hatPhilipp Kutter selbst sagt, dass er nicht direkt in die Gespräche involviert sei. «Ich weiss aber, dass die SVP gerne eine Listenverbindung als Gegengeschäft für die Unterstützung beim Regierungsrat hätte.» Dazu sei die Mitte nicht bereit. Dennoch, sagt der Nationalrat und frühere Stadtpräsident von Wädenswil, sei er «vorsichtig optimistisch», dass der gegenseitige Support bei den Regierungsratswahlen noch nicht vom Tisch sei. «Letztlich geht es um die bürgerliche Mehrheit in der Kantonsregierung. Das ist das wichtigste Ziel, das wir gemeinsam erreichen müssen. Die SVP muss sich überlegen, ob sie es aufs Spiel setzen will oder nicht.»Bei der SVP sorgt nicht nur die Zurückhaltung der Mitte bei der Listenverbindung für Unbehagen. Man stört sich auch daran, dass Kutter sich unter anderem vehement öffentlich gegen ihre 10-Millionen-Initiative ausgesprochen hat. «Ja, da war ich anderer Meinung», sagt er. «Wenn die SVP von mir als Mitte-Kandidat erwartet, dass ich nur SVP-Positionen vertreten soll, dann ist das nicht realistisch.»Bei einer gegenseitigen Unterstützung gehe es darum, eine möglichst grosse Übereinstimmung zu finden, und diese sei bei kantonalen Themen sehr wohl gegeben. «Mein Profil ist ganz klar bürgerlich», sagt Kutter. «Ich setze mich zum Beispiel für einen finanziell gesunden Kanton Zürich und für eine moderate Steuerbelastung ein, und ich kämpfe gegen Regulierung beim Bau. Das sind auch für die SVP zentrale Themen.» Kutter sagt, er habe schon in der Vergangenheit sehr gut mit der SVP zusammengearbeitet und daran werde sich nichts ändern. Er setze nach wie vor darauf, dass die bürgerliche Zusammenarbeit zustande komme.Das letzte Mal sprach Blocher ein MachtwortDass es zwischen Mitte und SVP Konflikte gibt, hat auch mit den Machtverhältnissen im Zürcher Kantonsparlament zu tun. Die Mitte ist zwar eine kleine Partei mit nur 12 von 180 Sitzen. Doch weil die grossen Blöcke am linken und am rechten Pol praktisch gleich viele Stimmen auf sich vereinen, kann die Mitte entscheidend dazu beitragen, in welche Richtung eine Vorlage kippt.In der Mehrheit der Fälle stimmt die Mitte mit den anderen Bürgerlichen – mit keiner Partei ist sie so einig wie mit den Freisinnigen, wie eine Auswertung ihres Stimmverhaltens zeigt. Doch manchmal verhilft sie eben auch den Linken zu einer Mehrheit, und das sorgt bei ihren bürgerlichen Freunden für Verstimmung.Bereits bei den letzten Regierungsratswahlen vor drei Jahren gab es bei der SVP Diskussionen, ob man die Mitte unterstützen wolle. Es war dann der Parteidoyen Christoph Blocher höchstselbst, der an der Albisgütli-Tagung ein pragmatisches Machtwort sprach: Die SVP-Mitglieder sollten trotz allem auch die Mitte-Regierungsrätin Silvia Steiner auf den Wahlzettel schreiben. Dies, um zu verhindern, dass die SP einen zweiten Sitz hole. Der Plan ging auf.Ein haarscharfer Entscheid der FDPVom Spielfeldrand aus beobachten die Zürcher Freisinnigen den heutigen Zwist zwischen der SVP und der Mitte. Ihr Präsident Filippo Leutenegger will sich nicht auf die eine oder die andere Seite schlagen. Für ihn entscheidend sei nur eines: dass man das übergeordnete Ziel nicht aus den Augen verliere. «Wir brauchen eine bürgerliche Allianz», sagt Leutenegger. Nur so könne nicht nur im Regierungsrat, sondern auch im Kantonsparlament eine Mehrheit erreicht werden.Aus freisinniger Sicht gehe es auch darum, die liberalen Kräfte zu stärken. Dabei gehe es nicht nur um Zürich. Was im grössten Kanton der Schweiz geschehe, strahle ins ganze Land aus. Wie genau ein Schulterschluss unter den bürgerlichen Zürcher Parteien ausgestaltet sein könnte, sei Gegenstand von Gesprächen, sagt Leutenegger. «Es gibt verschiedenste Varianten, die man ins Auge fassen kann. Wir sind offen.»Zwischen seinen Freisinnigen und der SVP war das Verhältnis in der Vergangenheit allerdings auch nicht immer besonders harmonisch. In der Zürcher FDP gibt es viele Mitglieder, welche die SVP auf Distanz halten wollen. Das zeigte sich sehr deutlich an einer Parteiversammlung im Juni 2023, als die FDP-Delegierten dazu aufgerufen waren, über eine Listenverbindung mit der SVP bei den Nationalratswahlen abzustimmen.Nach einer längeren Diskussion fiel das Verdikt alles andere als eindeutig aus. 82 Delegierte votierten für die wahlarithmetische Union, 81 waren dagegen. Das Resultat war so knapp, dass nachgezählt werden musste. Die SVP-Basis diskutierte am gleichen Abend die Listenverbindung ebenfalls. Sie war einstimmig dafür.Aber zurück in die Gegenwart und zu den anstehenden Regierungsratswahlen: Der SVP-Präsident Domenik Ledergerber betont, dass seine Partei nach wie vor offen sei für Gespräche. Vielleicht gebe es eine Einigung über befreundete Verbände, namentlich über das Forum Zürich. Das ist eine informelle, aber einflussreiche Plattform der Zürcher Wirtschaftsorganisationen. Daran, dass sich die Parteien untereinander noch einig werden, glaubt Ledergerber nicht mehr.Der Ball liegt somit beim Forum-Zürich-Vorsitzenden Dominik Bürgy. Er sagt, das Forum kommentiere parteitaktische Gespräche nicht und übernehme auch keine Schiedsrichterrolle. Es brauche aber den Willen, gemeinsame Anliegen über parteitaktische Überlegungen zu stellen. Dies gerade im Blick auf das grosse Ziel einer bürgerlichen Mehrheit in Regierung und Parlament.Das würde bedeuten, dass entweder die SVP oder die Mitte über ihren Schatten springen müsste. Die Frage ist, wer sich zuerst bewegt.Klar ist: Die Mitte und Philipp Kutter sind stärker auf die Hilfe der SVP angewiesen als umgekehrt. Als stärkste Partei im Kanton bringt die SVP ihre zwei Kandidaten zur Not auch ohne grosse externe Hilfe ins Ziel. Die kleine Mitte aber ist auf jede einzelne Fremdstimme angewiesen, um ein Fiasko wie 2003 und 2011 zu verhindern. Damals flog sie aus der Regierung.Passend zum Artikel
Die bürgerliche Mehrheit bröckelt: Zank zwischen SVP und Mitte in Zürich
Die SVP unterstützt den Mitte-Kandidaten Philipp Kutter nur, wenn seine Partei auf ein Gegengeschäft einsteigt. Doch diese klemmt.






