Nachfolge von Silvia Steiner: Kronprinz Philipp Kutter hat sich noch nicht entschieden – Fraktionschefin Marzena Kopp bringt sich in PositionDer alt Stadtpräsident von Wädenswil erwägt eine Kandidatur für den Zürcher Regierungsrat. Doch entschieden hat er noch nichts.22.05.2026, 16.03 Uhr4 LeseminutenPhilipp Kutter in einer Aufnahme von 2025: Dass er sich ein höheres Exekutivamt vorstellen kann, ist bekannt.Karin Hofer / NZZWenn man in den vergangenen Monaten eine mögliche Nachfolge für die Zürcher Mitte-Regierungsrätin Silvia Steiner diskutierte, fiel ein Name immer wieder: Philipp Kutter.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Aus meiner Sicht ist Kutter der Kronprinz», sagte etwa der damalige Winterthurer Stadtpräsident Michael Künzle, ebenfalls von der Mitte, bereits im Februar im Interview mit der NZZ.Diese Einschätzung ist keine Überraschung. Bis vor kurzem war Kutter Stadtpräsident von Wädenswil, einer Gemeinde mit 26 000 Einwohnern. Dieses Amt hatte er 16 Jahre inne, davor war er bereits gewöhnlicher Stadtrat. Stadtpräsident wurde er, weil sein Vorgänger Ernst Stocker 2010 ein neues Amt antrat – er wurde Regierungsrat.Ideales Alter für nächsten SchrittKutter ist auch legislativ beschlagen: Er politisiert seit 2018 im Nationalrat. Zuvor sass er über zehn Jahre im Zürcher Kantonsparlament, wo er auch Fraktionschef war. Er ist kantonsweit bekannt und mit 50 Jahren in einem idealen Alter für den nächsten Schritt.Dass Kutter sich ein höheres Exekutivamt vorstellen kann, ist bekannt. Anfang 2025 war er sogar im Gespräch als Nachfolger von Viola Amherd im Bundesrat, er verzichtete damals aber namentlich wegen seiner Familie.Und jetzt Zürcher Regierungsrat? Kutter zögert noch. «Ich werde es mir nun ernsthaft überlegen», sagt er im Gespräch mit der NZZ. «Es stimmt, dass mich die Exekutive interessiert. Man kann konkret an den Lebensumständen der Menschen in einer Gemeinde oder im Kanton arbeiten, Probleme lösen und die Zukunft mitgestalten. Das macht mir Freude und ich denke, ich kann das auch recht gut, wie ich als Stadtpräsident von Wädenswil gezeigt habe.»Aber: Es müsse alles stimmen. «Mir ist wichtig, dass meine Familie dahintersteht. Meine Kinder sind im Teenager-Alter, sie haben auch ein Mitspracherecht.» Ob er seine politische Zukunft eher im Nationalrat in Bern sehe oder in einem Exekutivamt in Zürich, sei eine Frage, die er noch nicht abschliessend beantwortet habe. «Ich kenne beide Rollen und beide haben ihren Reiz.»Ein Politiker im RollstuhlBei Kutter kommt noch ein anderer Aspekt hinzu: Seit einem Skiunfall vor gut drei Jahren sitzt er im Rollstuhl. Er musste sein Leben völlig umstellen, er konnte aber nach einer Pause sowohl das Stadtpräsidium wie sein Amt als Bundesparlamentarier weiterhin ausüben.«Die Frage ist nachvollziehbar, ob ich mit meinem Handicap ein anspruchsvolles Amt wie Regierungsrat ausüben könnte», sagt Kutter. «Ich selbst musste sie mir auch stellen. Meine Erfahrungen nach dem Unfall waren diesbezüglich sehr positiv. Heute absolviere ich als Nationalrat ein Programm mit langen Tagen, mit Reisen und auswärtigen Übernachtungen und das funktioniert gut.» Als Regierungsrat würde man in der Logistik zudem stark unterstützt. So könne man sich mit dem Dienstwagen zu Terminen fahren lassen.Kutter sagt, er werde die Zeit über das lange Pfingstwochenende nutzen, um mit seiner Familie und weiteren Personen zu sprechen. Bis Anfang Juni will er seinen Entscheid öffentlich bekanntgeben.Marzena Kopp hat «definitiv ein Interesse» an einem Regierungsratsamt.PDEine andere Person, deren Namen auf der Liste der Findungskommission weit oben auftauchen dürfte, ist Marzena Kopp. Sie leitet im Zürcher Kantonsparlament die Mitte-Fraktion und in ihrer Heimatgemeinde Meilen ist sie Gemeinderätin mit dem Ressort Gesellschaft. Zudem ist die 54-Jährige promovierte Ökonomin.Sie sagt: «Ich habe definitiv ein Interesse am Regierungsratsamt und kann es mir sehr gut vorstellen.» Sie finde sowohl die Arbeit in der Legislative wie in der Exekutive spannend. «Aber wenn ich mir überlege, was mir besonders liegt, dann ist es die Exekutive, weil man dort viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat.»Auf die Frauenkarte setzen will Marzena Kopp nicht. «Wir als Mitte müssen uns in diesem Punkt nicht beweisen. Wir haben immer wieder wichtige Funktionen mit starken Frauen besetzt. Im Vordergrund steht nicht das Geschlecht, sondern der Rucksack, den jemand mitbringt.»Frau oder Mann? Für die Mitte ist das zweitrangigDass Steiner abtritt und ihre Partei eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger suchen muss, sei intern lange nicht klar gewesen, sagt die Mitte-Präsidentin Tina Deplazes. «Das war auch für uns eine offene Frage. Silvia Steiner wäre bei einer erneuten Kandidatur nicht die amtsälteste Regierungsrätin gewesen und natürlich hätten wir sie unterstützt.»Deplazes selbst will sich zu konkreten Namen noch nicht äussern. «Dafür haben wir unsere Findungskommission eingesetzt. Klar ist, dass Parteimitglieder, die im Kantonsparlament oder im Bundeshaus politisieren oder in kommunalen Exekutiven von grösseren Gemeinden sitzen, für das Amt besonders infrage kommen.» Sie schliesst nur einen Namen aus: ihren eigenen. Deplazes ist zwar ebenfalls Kantonsrätin, doch sie ist erst gerade Mutter geworden.Ob auf Silvia Steiner wieder eine Frau folgen soll, ist für Deplazes keine zentrale Frage. «Ich bin kein Fan von Quoten. Im Vordergrund müssen die Qualitäten und Qualifikationen stehen. Ob es ein Mann oder eine Frau wird, ist für mich zweitrangig.»Es zeichnet sich ab, dass die Mitte nicht alleine in den Regierungsratswahlkampf ziehen wird. Diese Woche hatte sich bereits der FDP-Präsident Filippo Leutenegger für einen bürgerlichen Schulterschluss ausgesprochen. Deplazes ist gleicher Meinung. Sie sagt: «Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen, aber ein gemeinsames Vorgehen liegt in jeden Fall auch in unserem Interesse.»Die Mitte wird an einer Delegiertenversammlung am 1. Juli in Zürich ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten für den Regierungsrat nominieren.Passend zum Artikel