Zürcher Regierungsratswahlen: Der FDP-Kronprinz holt die Nomination, eine Frau wollte seine Partei neben ihm nichtAndri Silberschmidt ist der erste Kandidat, der zweite ist Martin Huber. Als Landwirt dürfte Huber auch für SVP-Wähler attraktiv sein.24.06.2026, 05.00 Uhr4 LeseminutenDer Zürcher Parteipräsident Filippo Leutenegger (Mitte) mit den beiden freisinnigen Regierungsratskandidaten: Martin Huber (links) und Andri Silberschmidt (rechts).Andreas Becker / KeystoneDie Zürcher FDP wird mit zwei Personen in die Regierungsratswahlen 2027 ziehen: Mit dem Nationalrat und Unternehmer Andri Silberschmidt und mit dem Kantonsrat und Landwirt Martin Huber. Dies hat die Delegiertenversammlung am Dienstagabend entschieden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei Silberschmidt war es keine grosse Überraschung. Er hatte sich schon vor bald einem Jahr als Nachfolger der Parteikollegin Carmen Walker Späh ins Gespräch gebracht und er konnte früh auf die Unterstützung des Parteivorstands zählen.Keine Selbstverständlichkeit war es jedoch, dass die Partei neben dem 32-jährigen Polittalent sonst noch jemanden nominieren würde. Denn ursprünglich wollte der Parteivorstand nur mit einer Person antreten. Dies auch, weil prominente Freisinnige früh abgesagt hatten.Diese Einerkandidatur sorgte aber für Unmut. Parteiintern wurde kritisiert, dass die FDP ihren lange gehegten Anspruch auf zwei Sitze in der Zürcher Regierung kampflos aufgebe. Und dies ausgerechnet in einem Jahr, in dem mindestens vier von sieben Sitzen zur Disposition stehen. Das bedeutet, dass die Chancen auf einen Sitzgewinn so gross sind wie schon lange nicht mehr.Kritik gab es auch von der SVP. Die engste politische Partnerin der FDP bemängelte, dass sich der Zürcher Freisinn zu wenig stark dafür einsetze, die bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat zu sichern. Aufgrund der zuerst angekündigten Einerkandidatur der FDP dachte die SVP sogar laut darüber nach, ihrerseits mit drei Personen anzutreten. Heute ist die SVP mit einer Zweierdelegation in der Zürcher Kantonsregierung vertreten.Der FDP-Vorstand unter Präsident Filippo Leutenegger nahm diese Kritik auf und präsentierte schliesslich doch noch weitere Namen.Der erste klare EntscheidDie freisinnigen Delegierten stimmten am Dienstagabend zuerst darüber ab, ob ihre Partei nun in der Tat mit zwei Personen antreten sollte. Dieser Entscheid war eine Formsache, war doch die Forderung nach einer Doppelkandidatur aus der Parteibasis gekommen. Ohne Diskussion, mit nur sechs Gegenstimmen und einer einzigen Enthaltung war diese Frage schnell geklärt: Es sollen zwei Personen sein.Danach ging es in die Ausmarchung. Vier Personen hatten sich zur Verfügung gestellt:Andri Silberschmidt, 1994, Nationalrat und Unternehmer aus Affoltern am Albis.Monika Keller, 1969, Kantonsrätin, ETH-Biologin und Coach, Gemeindepräsidentin von Greifensee.Martin Huber, 1978, Kantonsrat, Landwirt und Betriebsökonom, Alt-Gemeindepräsident von Neftenbach.Frank Rühli, 1971, Professor und Dekan an der medizinischen Fakultät der Universität Zürich sowie ehemaliger Zürcher Stadtparlamentarier. Er lebt in Erlenbach.Die Vier stellten sich in kurzen Referaten vor.Den Anfang machte Silberschmidt. Der Einsatz für die Freiheit, den Gemeinsinn und den Fortschritt schweisse die Freisinnigen zusammen. Man stehe ein für einen Kanton, in dem sich Arbeit lohne. Zürich stehe vor grossen Herausforderungen: Die demografische Entwicklung, der Standortwettbewerb, die Gesundheitsversorgung. Diese Themen wolle er im Wahlkampf ansprechen.Monika Keller sagte, sie wisse, was es heisse, zu führen und voranzugehen. Fürs Gewerbe wünsche sie sich weniger Vorgaben, für die Bildung ein gutes Umfeld für beide Wege: die Berufsbildung und das Studium an einer Universität.Martin Huber sprach einige Herausforderungen für den Kanton an, darunter die Integration von Ausländern, aber auch das Wohnen: Es gebe eine grosse Angst, keine Wohnung zu finden oder die seine zu verlieren. Auch für den Dichtestress und den Kaufkraftverlust brauche es Lösungen. Nicht in jedem Fall solle aber eine Regierung das letzte Wort haben. Fremdbestimmung habe etwas Übergriffiges, sagte er. «Ich will nicht, dass der Staat Landjäger und Cervelats auf einer Schulreise verbietet.»Schliesslich wandte sich Frank Rühli an die Delegierten. Er habe als Dekan täglich mit der kantonalen Verwaltung zu tun. Und er verfüge über einen weiten Horizont. Das helfe, die Schweiz zu verstehen. Rühli betonte, dass er in der Mitte der Partei politisiere. Er verfüge bereits über Unterstützung aus SP, GLP und weiteren Parteien links und rechts der Zürcher FDP.Dann mussten die Kandidatin und die Kandidaten den Saal verlassen. Die Delegierten diskutierten die vier Namen. In der Regel meldeten sich Unterstützer. Nur ganz vereinzelt wurde Kritik laut. Zu Silberschmidt hiess es etwa, er habe die FDP auch schon links überholt. Und: Für Silberschmidt sei Regierungsrat ein Karriereschritt. Die anderen drei kandidierten aus Gemeinsinn.Seiner Nomination schadeten solche Worte aber nicht. Der Kronfavorit wurde bereits in der ersten Runde sehr deutlich als Kandidat bestätigt. Er holte 145 Stimmen, bei einem absoluten Mehr von 96. Martin Huber erhielt 20, Monika Keller 15, Frank Rühli 11 StimmenDann ging es um die zweite Nomination. Hier fiel zunächst kein Entscheid. Bei einem absoluten Mehr von 95 Stimmen entfielen 74 auf Martin Huber, 60 auf Monika Keller und 55 auf Frank Rühli.Danach zählte nur noch das relative Mehr und Martin Huber konnte seinen Vorsprung ins Ziel bringen. Er erhielt 82 Stimmen, Monika Keller 67 und Frank Rühli 42.Damit steigt die FDP also mit zwei Männern ins Rennen. Und mit einem Landwirt, was auch für SVP-Wähler interessant sein dürfte. Die Regierungsratswahlen sind am 4. April 2027.Passend zum Artikel
Doppelkandidatur der Zürcher FDP: Silberschmidt und Huber, aber keine Frau
Andri Silberschmidt ist der erste Kandidat, der zweite ist Martin Huber. Als Landwirt dürfte Huber auch für SVP-Wähler attraktiv sein.






